Kraut & Rüben
Meinung
Es ist kein Zufall, dass just zum Schulbeginn, an dem das „Kopftuch-nach-islamischer-Tradition“-Verbot wirksam wird, die Diskussion über den „Politischen Islam“ hochkocht. Dass dabei Kraut und Rüben durcheinandergebracht werden, ist der Oberflächlichkeit der emotionalen Debatte zu verdanken.
Politischer Islam
Jeder hat dazu eine Meinung oder zumindest ein Gefühl. Und das ist gefährlich. Wer glaubt, die bösen Absichten international aktiver Islamisten dadurch zu verhindern, dass 13-jährige Mädchen vom Gesetzgeber erfahren, was sie anziehen dürfen und was nicht, hat entweder Islamismus nicht verstanden oder macht es sich zu einfach. Vereinfachend ist auch der leider schon etablierte Begriff „Politischer Islam“ für Strömungen, die islamisches Recht expandieren wollen. Denn „Politische Theologie“ kennt auch das Christentum. Sie bedeutet, dass sich der Glaube auf politische Entscheidungen und Handlungen auswirkt.
Religionsfreiheit
Dass Religionen – wie jede Weltanschauung – nicht nur das himmlische, sondern auch das irdische Leben inklusive Politik betreffen, muss für alle erlaubt sein, Stichwort Religionsfreiheit. Was verhindert werden muss: dass autoritäre Männer wieder die Macht ergreifen. Islamisten und andere.
Der Kommentar drückt ihre persönliche Meinung aus!
Zur Person
Isma Forghani ist Juristin, Autorin und Menschenrechtsbeauftragte der Bahá’í-Religionsgemeinschaft in Österreich.