Eine „pränatale Prophetie“
Biblische Freundschaften - Teil 3
Was bewog damals eine junge Schwangere namens Maria, ungefähr 150 Kilometer von Nazaret ins Bergland von Judäa zu eilen, um eine ältere Schwangere namens Elisabet zu besuchen? Elisabet war die Tante von Maria, wie der Neutestamentler Thomas Söding betont. Was machte diese Freundschaft zwischen zwei Schwangeren aus? Elisabet und ihr Mann Zacharias hatten keine Kinder, „denn Elisabet war unfruchtbar und beide waren schon in vorgerücktem Alter“, heißt es bei Lukas (Kapitel 1, Vers 7). Das Ehepaar litt unter dieser Kinderlosigkeit. Durch das Wirken Gottes wurde Elisabet schwanger und lebte fünf Monate lang zurückgezogen. Elisabet sagte dann von sich (Lukasevangelium, Kapitel 1, Vers 25) angesichts der unerwarteten Schwangerschaft: „Der Herr hat mir geholfen; er hat in diesen Tagen gnädig auf mich geschaut und mich von der Schmach befreit, mit der ich unter den Menschen beladen war.“ Maria wiederum war jung, dreizehn oder vierzehn Jahre alt und als Jungfrau schwanger, wie ihr der Engel Gabriel verkündet hatte.
Freundschaft: Als das Ungeborene „hüpfte“
Das Lukasevangelium schildert die schöne Begegnung zwischen Maria und Elisabet (Kapitel 1, Verse 39 bis 44) so: „In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.“ Das „Hüpfen“ ist, so Thomas Söding, wie eine „pränatale Prophetie“: Johannes der Täufer, das ungeborene Kind Elisabets, erkennt Jesus, das ungeborene Kind Mariens, und freut sich über sein Kommen.
Wie gute Freundinnen
Die beiden Frauen freuen sich wie gute Freundinnen über ihre Schwangerschaften. Maria stimmt laut Lukasevangelium (Kapitel 1, Verse 46 bis 56) ihr Loblied („Magnifikat“) an: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ Maria setzt gleichsam Himmel und Erde in Bewegung, um Elisabet zu helfen. Sie steht der Tante während der Schwangerschaft bei, auch wenn sie selbst schwanger ist. Maria „blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück“, heißt es dazu im Lukasevangelium (Kapitel 1, Vers 56).