Der Blaue vom Himmel
Hirtenhund
Eigentlich hatte ich mich zuletzt fast erleichtert damit abgefunden, dass „wir“ Katholikenden nurmehr zur folkloristischen Staffage zu gebrauchen sind. Wenn Landespolitiker auf Jagdausflüge gehen, braucht es schließlich eine priesterlich segnende Hand am Abzug; wenn am Land der Frühling die Menschen in die bockbierigen Festzelte treibt, braucht es fürs politische Familienfoto neben dem üblichen Gewimmel an Trachten immer auch einen Soutanenträger nach Don-Camillo-Manier. Auf Weltkirchen-Ebene sorgt derweil die papale Besohlung für Klicks und Aufsehen – zeigt ein Video den heutigen Papst im Jahr 2008 doch im priesterlichen Gewand mit Nike-Sneakern. Katholische Kulturindustrie. Bringt nix – außer Klicks.
Lokalpolitik und Katholizismus
Aber wehe, wenn wir uns selber ernst nehmen und beispielsweise ausbuchstabieren, was in der katholischen Soziallehre mit den trockenen Schlagwörtern Personalität, Subsidiarität, Solidarität, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit ins dürre Wort gebracht wird! So geschehen unlängst beim Gauderfest im Zillertal – immerhin Österreichs größtem Trachtenfest, bei dem es traditionell eine Ökumene aus Starkbier, Lokalpolitik und Katholizismus gibt. Bischof Hermann Glettler brachte diese exklusiv-explosive Mischung zur Detonation, als er – predigte! Und das tat, was man halt tut, wenn man alle sieben Sinne beisammen hat: Man legt die Lehre aus und auf die gesellschaftlichen Umstände um. Und so sprach er viel über Dankbarkeit und noch mehr über Wachsamkeit. „Vorsicht vor denen, die das Blaue vom Himmel versprechen“, mahnte er. Vorsicht vor jenen, die meinten, mit ihnen käme die gute alte Zeit zurück. „Das sind leere Worte.“ „Leere Worte? – Damit kann der Bischof nur uns meinen“, dachte offenbar der Tiroler FPÖ-Abgeordnete Christoph Steiner, der sofort „politische Agitation“ gegen die – gleichwohl mit keinem Wort genannte – FPÖ ortete.
Ordner „Moralschwer-Folgenlos“
Bis vor kurzem wäre eine solche Predigt wohl noch im Ordner „Moralschwer-Folgenlos“ abgelegt worden. Doch die Zeiten sind rauer geworden – und die Kirche ist gefordert, sich gegen folkloristische wie politische Vereinnahmungen gleichermaßen zur Wehr zu setzen. Jetzt soll ein Gespräch bei Kaffee und Kuchen den Tiroler Himmel wieder aufhellen. Ist ja auch Zeit, schließlich steht Christi Himmelfahrt ins Haus.
„Der Blaue vom Himmel“
Vielleicht kommt der kunstsinnige Bischof ja auf die Idee, die schöne Tradition des „Heiland-Aufziehens“ leicht abzuwandeln und eine „Steiner-ne“ Figur durch das sogenannte „Heilig-Geist-Loch“ in der Decke hochzuziehen und dort verschwinden zu lassen. Titel der Installation: „Der Blaue vom Himmel“.