Der Auftrag der katholischen Verbände

Meinung
Ausgabe Nr. 10
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Autor:
Kathrin Spielvogel und Laura Reinbacher, in der Mitte Matthias Tschirff.
Kathrin Spielvogel und Laura Reinbacher beim Seminar der Bildungsakademie des ÖCV zum Thema „Welche Rolle spielen katholische Verbände heute in Kirche und Gesellschaft?“. Gastgeber war Matthias Tschirff, der Präsident der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände. ©Privat

Kathrin Spielvogel (23) und Laura Reinbacher (29), Mitglieder der Katholischen akademischen Verbindung Norica Nova, schreiben über die heutige Relevanz von katholischen Verbänden in der Kirche und, anlässlich des Internationalen Frauentages, auch über die Rolle der Frau in diesen Strukturen.

Zu Beginn des Seminars der Bildungsakademie des ÖCV wurde uns die strukturelle Tiefe der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände erst wirklich bewusst. Innerhalb des Katholischen Laienrates ist sie eine von fünf Kurien – eingebettet in das katholische Laienapostolat, das die Sendung der Kirche nicht nur durch den Klerus, sondern bewusst durch engagierte Laien in die Gesellschaft hineinträgt. Diese Struktur verdeutlicht: Kirche wirkt nicht nur von der Kanzel, sondern mitten im gesellschaftlichen Leben.

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Vielfalt katholischer Verbände

Besonders eindrucksvoll war für uns die Vielfalt der Verbände – vom ÖCV über den MKV bis zur Sportunion und weiteren Organisationen. Sie alle stehen in unterschiedlicher Weise zu Religion und Kirche, doch sie eint die gemeinsame Orientierung am katholischen Glauben. So werden nicht nur Religionsfreiheit, Seelsorge und laufende Weiterbildung betont, sondern es geht ebenso um die Fähigkeit, die eigene Überzeugung begründen zu können.

Glaube wird nicht als bloßes Bekenntnis verstanden, sondern als reflektierte Haltung.

Zentrales Element katholischer Verbände

Ein zentrales Element ist das gemeinsame Erleben des Glaubens. Viele wachsen durch vertrauliche Gespräche, durch Gemeinschaft und durch das konkrete Miteinander in ihren Glauben hinein. In einer Verbindung lernt man Eigenverantwortung, Zivilcourage und Standfestigkeit – Werte, die weit über das Verbandsleben hinausreichen.

Die AKV als große Gemeinschaft mit vielen Mitgliedern hat zudem eine besondere gesellschaftliche Bedeutung. Bei zahlreichen ethischen und sozialen Fragen ist es wirkungsvoller, als größere Einheit aufzutreten. Dabei geht es nicht um Parteipolitisierung, sondern um Orientierung. Katholische Verbände können Richtung und Ausrichtung geben – im Sinne einer wertebasierten Positionierung, die das „Verbindende vor das Trennende stellt“, wie es auch im kirchlichen Kontext betont wird. 

Historisch betrachtet sind katholische Jugend- und Laienbewegungen stets aus einem Bedürfnis nach Gemeinschaft, Bildung und Glaubensvertiefung entstanden. Ihr Einfluss reichte dabei oft über das rein Kirchliche hinaus – hinein in Bildungsfragen, in gesellschaftliche Entwicklungen und teilweise auch in die Gesetzgebung. Nicht durch parteipolitische Vereinnahmung, sondern durch klare Werteorientierung.

Katholische Verbände schaffen Raum für den Glauben

Für uns wurde im Seminar besonders deutlich, dass katholische Verbände Räume schaffen, in denen Familien im Glauben wachsen können, in denen Bildung nicht nur fachlich, sondern auch charakterlich verstanden wird und in denen Gemeinschaft trägt. 

Gerade in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft sind solche Orte der Orientierung von großer Bedeutung.

Doch als junge Teilnehmerinnen stellen wir uns auch die Frage nach der Rolle von Frauen in diesen Strukturen. Der Internationale Frauentag bietet Anlass, diese Perspektive bewusst zu benennen. Wir erleben, dass katholische Verbände Frauen heute reale Gestaltungsräume eröffnen. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen, weibliche Stimmen noch sichtbarer und selbstverständlicher in Entscheidungsprozesse einzubinden.

Auftrag katholischer Verbände

Als junge katholische Frauen verstehen wir unseren Auftrag daher doppelt: Wir tragen Verantwortung für die Weitergabe unseres Glaubens – und zugleich dafür, Kirche und Verbände aktiv mitzugestalten. Nicht als Randfiguren, sondern als Mitträgerinnen. Gemeinschaft bedeutet nicht Gleichförmigkeit, sondern Miteinander. Und gerade Frauen können durch ihre Perspektiven, ihre Führungskompetenz und ihre Dialogfähigkeit wesentlich dazu beitragen, dass das Verbindende vor das Trennende gestellt wird.

Der Auftrag katholischer Verbände ist somit kein abstrakter Organisationsauftrag. Er ist ein persönlicher Auftrag an jeden Einzelnen von uns – und für uns als Frauen auch eine Einladung, Kirche und Gesellschaft selbstbewusst, reflektiert und zukunftsorientiert mitzugestalten.

Der Kommentar drückt ihre persönliche Meinung aus!

Autor:
  • Kathrin Spielvogel
  • Laura Reinbacher
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