Menschenwürde nicht vergessen!
Meinung
Am 12. Juni 2026 trat die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Kraft. Ziel war es, endlich eine europaweit einheitliche Vorgehensweise zu gestalten, innerhalb derer die Länder die Regeln entsprechend anpassen. Die österreichische Bundesregierung hat sich entschieden, über die strengen Vorgaben der EU hinauszugehen. Der Umgang mit Schutzsuchenden wird sich damit grundlegend verändern.
Asylpolitik der EU
Am 12. Juni 2026 trat die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Kraft. Ziel war es, endlich eine europaweit einheitliche Vorgehensweise zu gestalten, innerhalb derer die Länder die Regeln entsprechend anpassen. Die österreichische Bundesregierung hat sich entschieden, über die strengen Vorgaben der EU hinauszugehen. Der Umgang mit Schutzsuchenden wird sich damit grundlegend verändern.
Christliche Sicht auf Asylpolitik
Vielen dieser Änderungen blicke ich mit großer Sorge entgegen. Was mich als Christin besonders schmerzt: In der öffentlichen Debatte über Asyl und Migration wird den Schutzsuchenden zunehmend in einer feindseligen Grundhaltung begegnet. Tonfall und Habitus, mit dem seitens höchster politischer Vertreterinnen und Vertreter über Flüchtlinge gesprochen wird, lassen erkennen, dass Schutzsuchende als lästiges Übel verhandelt werden, von dem man sich abschotten will. Statt die Not, zu deren Linderung wir einen Beitrag leisten können, im Auge zu haben, werden Menschen und deren Fluchtgründe abschätzig kommentiert. Statt eine Lösung unter Wahrung der Menschenwürde anzustreben, werden Menschen entwürdigt, um menschrechtswidrige Vorgangsweisen zu rechtfertigen. Wenn Menschenwürde derart mit Füßen getreten wird, ist das unchristlich. In dieser Stimmung ist es außerdem unmöglich, sinnvolle Migrationspolitik zu gestalten und den Menschen mit seinen Potentialen für unsere Gesellschaft und für den Arbeitsmarkt in den Blick zu nehmen. Eine Perspektive, die sowohl im neuen Europäischen Asylsystem als auch in der politischen Debatte in Österreich fehlt.
Asylpolitik vor dem Hintergrund eines christlichen Menschenbildes
Besonders schmerzlich drückt sich diese fehlende Perspektive im Bereich der Familienzusammenführung aus. Die soll in Österreich massiv beschränkt werden, ja sogar „gegen Null“ gehen, wie es der Innenminister einmal ausgedrückt hat. Unsicherheit, Angst und Perspektivenlosigkeit bei Kindern und ihren Familien zu erzeugen kann nicht Sinn einer lösungsorientierten Asylpolitik sein. Schon gar nicht vor dem Hintergrund eines christlichen Menschenbildes.
Der Kommentar drückt ihre persönliche Meinung aus!
Zur Person
Katharina Renner (47) ist Vizepräsidentin der Katholischen Aktion Österreich.