Menschenwürde nicht vergessen!

Meinung
Ausgabe Nr. 25
  • Meinung
Autor:
Katharina Renner (47) ist Vizepräsidentin der Katholischen Aktion ­Österreich.
Katharina Renner (47) ist Vizepräsidentin der Katholischen Aktion ­Österreich. ©Tina Graf

Katharina Renner (47), Vizepräsidentin der Katholischen Aktion Österreich, kommentiert die Reform des Europäischen Asylsystems. Sie schreibt über den Umgang mit Schutzsuchenden, Menschenwürde und fehlende Perspektiven in der Asylpolitik.

Am 12. Juni 2026 trat die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Kraft. Ziel war es, endlich eine europaweit einheitliche Vorgehensweise zu gestalten, innerhalb derer die Länder die Regeln entsprechend anpassen. Die österreichische Bundesregierung hat sich entschieden, über die strengen Vorgaben der EU hinauszugehen. Der Umgang mit Schutzsuchenden wird sich damit grundlegend verändern.

Werbung

Asylpolitik der EU

Am 12. Juni 2026 trat die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Kraft. Ziel war es, endlich eine europaweit einheitliche Vorgehensweise zu gestalten, innerhalb derer die Länder die Regeln entsprechend anpassen. Die österreichische Bundesregierung hat sich entschieden, über die strengen Vorgaben der EU hinauszugehen. Der Umgang mit Schutzsuchenden wird sich damit grundlegend verändern.

Christliche Sicht auf Asylpolitik

Vielen dieser Änderungen blicke ich mit großer Sorge entgegen. Was mich als Christin besonders schmerzt: In der öffentlichen Debatte über Asyl und Migration wird den Schutzsuchenden zunehmend in einer feindseligen Grundhaltung begegnet. Tonfall und Habitus, mit dem seitens höchster politischer Vertreterinnen und Vertreter über Flüchtlinge gesprochen wird, lassen erkennen, dass Schutzsuchende als lästiges Übel verhandelt werden, von dem man sich abschotten will. Statt die Not, zu deren Linderung wir einen Beitrag leisten können, im Auge zu haben, werden Menschen und deren Fluchtgründe abschätzig kommentiert. Statt eine Lösung unter Wahrung der Menschenwürde anzustreben, werden Menschen entwürdigt, um menschrechtswidrige Vorgangsweisen zu rechtfertigen. Wenn Menschenwürde derart mit Füßen getreten wird, ist das unchristlich. In dieser Stimmung ist es außerdem unmöglich, sinnvolle Migrationspolitik zu gestalten und den Menschen mit seinen Potentialen für unsere Gesellschaft und für den Arbeitsmarkt in den Blick zu nehmen. Eine Perspektive, die sowohl im neuen Europäischen Asylsystem als auch in der politischen Debatte in Österreich fehlt. 

Asylpolitik vor dem Hintergrund eines christlichen Menschenbildes

Besonders schmerzlich drückt sich diese fehlende Perspektive im Bereich der Familienzusammenführung aus. Die soll in Österreich massiv beschränkt werden, ja sogar „gegen Null“ gehen, wie es der Innenminister einmal ausgedrückt hat. Unsicherheit, Angst und Perspektivenlosigkeit bei Kindern und ihren Familien zu erzeugen kann nicht Sinn einer lösungsorientierten Asylpolitik sein. Schon gar nicht vor dem Hintergrund eines christlichen Menschenbildes. 

Der Kommentar drückt ihre persönliche Meinung aus!

Autor:
  • Katharina Renner
Werbung

Neueste Beiträge

| Kunst und Kultur
Kinotipp

Die junge Ainara spürt einen Ruf und möchte ins Kloster eintreten. Das preisgekrönte Drama „Glaube“ der baskischen Regisseurin Alauda Ruiz de Azúa nimmt die Frage nach der Berufung ernst und überzeugt mit großartigen Darstellerinnen und Darstellern.

| Politik
Judenhass

Was macht den Judenhass derart einzigartig, dass er über so lange Zeit präsent war und noch immer ist? Wer waren und wer sind heute Antisemiten? Darf man Israels Politik kritisieren, ohne sich den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen zu müssen?

| Politik
Midterms

Das Ergebnis der Midterms (US-Wahlen) könnte auch religionspolitisch einen Wendepunkt markieren, so der Salzburger Theologe und USA-Experte Andreas Weiß.