Darauf ein Benedikt-Bier!

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 37
  • Hirtenhund
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Der Hirtenhund bellt dieses Mal über die päpstlichen Nike-Sneaker.
Der Hirtenhund bellt dieses Mal über die päpstlichen Nike-Sneaker. ©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt diese Woche über die Regensburger Rede von Benedikt XVI. über den Islam vor 20 Jahren und die Lage heute.

Eigentlich hätte alles so schön sein können, damals, vor 20 Jahren. Bayern wollte seinem berühmten Sohn einen exklu siven Empfang bereiten – samt eigenem Benedikt-Bier, Brezeln bis zum Abwinken und Altöt tinger Alpenkitsch. Am 12. Sep tember 2006 machte Benedikt XVI. in Regensburg Halt. Dort hielt er an der Universität einen Vortrag über das Verhältnis von Glauben und Vernunft. Sein Leib- und Magenthema. Ein doppeltes Heimspiel sozu sagen. Doch der päpstliche Schuss ging nach hinten los. Nicht, weil Benedikt die Theolo gie an Universitäten verteidig te. Nein, es war ein Zitat eines byzantinischen Kaisers, das dazu angetan war, die muslimi sche Welt in Rage zu versetzen. Benedikt zitierte den Satz: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“ So what? – mag man heute fragen. Ist das nicht eine Lap palie und eine zulässige Frage? Tatsächlich reibt man sich im Rückblick die Augen, dass dieses Zitat harte Protestno ten und gar Demonstrationen gegen Benedikt hervorrief. Ver ständlich ist es vielleicht vor dem Hintergrund der damals extrem erhitzten Situation und dem fast auf den Tag genau fünften Jahrestag der islamis tischen Terroranschläge von „09/11“ und der Folgeanschläge von Madrid und London mit hunderten Toten. Benedikt sprach damals aus, was ver mutlich viele empfanden: Der Islam stand weltweit unter Generalverdacht und war in Erklärungsnot. Sag, wie hältst du’s mit der Gewalt? Zeitsprung. 2026 hören wir aus dem Mund einer VP-Ministerin, der „Politische Islam“ sei „die größte Gefahr unserer Zeit“, ein Verbot der Islamischen Glaubensgemeinschaft sei „nicht auszuschließen“, weil sie „wenig bis gar nichts“ gegen Radikalisierung tue. Vor 20 Jahren hätten solche Sätze ver mutlich noch zu einem Rück tritt geführt. Heute zum Schul terklopfen der Parteigenossen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin gegen jede Form des religiösen Extremis mus. Auch sehe ich beim Islam eine theologische Bringschuld im Blick auf Schriftverständnis und historische Kritik. Aber bitte mit brüderlicher Attitüde auf rechtsstaatlicher Basis. Und nicht unter Vorzeichen einer Kampagnisierung gegen einen begrifflich schwammigen „Poli tischen Islam“. Stattdessen einfach mal Bene dikts Rede wieder zur Hand nehmen. Das tröstet über das politische Jammertal der Ge genwart hinweg – und macht zugleich traurig, wie weit wir es in 20 Jahren Diskursver schiebung nach rechts und Herzensverhärtungen in unse rer politischen und sprachli chen Kultur gebracht haben.

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Päpstliche Nike-Sneaker

Was uns endlich auch zu den jüngsten Männern in Weiß auf dem Stuhle Petri führt – denn auch vor diesen macht schließlich das Sommerloch nicht halt. Und so darf sich Leo – wie schon seine Vorgänger – von entbehrlich-zweifelhaften Blättern wie der „Vogue“ oder „Vanity Fair“ taxieren und als „Mode-Papst“ labeln lassen. Begründung: Weil er innovativ und ausgefallen gekleidet ist. Ach was. Angesichts des singulären Amtes ist wohl jeder auf dem Stuhl Petri irgendwie „ausgefallen“ und besonders. Auch im Blick auf die papale Kleiderkammer. Aber offenbar war es den Journalisten-Derivaten von „Vanity Fair“ selbst zu mühsam, sich auf Feinheiten des päpstlichen Dresscodes einzulassen – und man hat sich lieber auf Stilblüten wie päpstliche Nike-Sneaker oder eine Baseballkappe auf Leos katholischer Kalotte bezogen. „Leo hat sich seinen Sinn für ironische Lässigkeit bewahrt und trägt manchmal Baseballkappen.“ Päpstliche Popkultur pur. Fehlt nur noch ein ebenso lässig über die Schulter geworfener Tennisschläger.

Papst-Schneiderei

Am anderen Ende der päpstlichen Kleiderstange finden sich übrigens nicht minder ausgefallene Stoffstücke. Zu besichtigen auf der Website der traditionsreichen römischen Papst-Schneiderei „Gammarelli“. Päpstliche Purpur-Slipper um 175 Euro dienen als Einstiegsschnäppchen. Allerlei verzierte liturgische Werkzeuge und Behänge zu vielstelligen Beträgen gibt’s dazu; ebenso ganze Prachtgewänder, die optisch zwischen schwerem 50er-Jahre-Brokat-Vorhang und Trachtenverein changieren. Dagegen ist Leos Baseball­kappe tatsächlich ein Accessoire ironischer Lässigkeit.

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