Bleibend aktuell

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 6
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Kirchenhund knurrt diese Woche über unnötige Floskeln wie "bleibend aktuell" in der deutschen Sprache.

Im Prinzip ist die deutsche Sprache, muss ich gestehen, eine bleibend aktuelle Sprache, die am Ende des Tages sehr exakt ist, wenn sie nicht ständig, wie gesagt, durch unnötige Floskeln quasi verunstaltet wird ... Zuletzt häufte sich in Medienberichten die Floskel „bleibend aktuell“. Ob Zweites Vatikanisches Konzil, die spirituelle Suche junger Menschen oder die Lehren Kardinal Newmans: Der Stempel „bleibend aktuell“ soll Dinge der Geschichte entreißen und in den Stand der Unantastbarkeit heben. In den Berichten über den Tod des beliebten Linzer Altbischofs Maximilian Aichern – gilt „beliebter Bischof“ inzwischen eigentlich als Oxymoron? – las ich: „Unvergesslich bleibt Aicherns Beitrag zur Erstellung des ökumenischen ‚Sozialwortes‘ von 2003, das nichts an Dringlichkeit verloren habe.“ Unvergesslich! Dringlichkeit! – Quasi im Prinzip die Steigerungsform von „bleibend aktuell“. 

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„Bleibend aktuell“ als Sozialwort

Also nahm ich besagtes „Sozialwort“ zur Pfote. Es entstand aus einem vierjährigen Prozess heraus, an dem sich mehr als 1.000 Personen und 100 Organisationen beteiligt haben, und war vielleicht eines der letzten Projekte, in denen die christlichen Kirchen in Österreich ihre Kräfte sozial-integrierend bündeln konnten. Tatsächlich finden sich darin viele Sätze, die der katholischen Soziallehre damals wie heute zu neuer Ehre gereichen. Anderes wiederum wirkt nach dem Bekanntwerden des kirchlichen Missbrauchsskandals 2010 von erstaunlicher Blauäugigkeit, etwa: „Die Kirchen bieten Räume für Schutz und Heilung, für die Aufarbeitung von Schuld und das Erlernen eines gewaltfreien Umgangs.“ „Bleibend aktuell“ ist das Sozialwort im Blick auf den Grundimpuls, dass Kirche nicht zur spirituellen Heil- und Bedürfnisanstalt verkürzt werden darf, sondern die sozialen Vollzüge des Menschen zu dem gehören, was Kirche angehen sollte. Diese Vollzüge jedoch ändern sich. Das hat man erkannt und mit „Sozialwort 10+“ und „Sozialwort 20+“ zwei Updates versucht. Es zeugt vom Zustand der christlichen Kirchen, dass das Resultat zum 10-Jahres-Jubiläum nur eine schmale Broschüre war – und das 2023er-Update-Projekt bis heute unabgeschlossen ist. 

„Bleibend aktuell“ bis zum "Anfang der Nacht"

Vielleicht schaffen es junge Christen ja, das Projekt dank der nun schulisch zu fördernden KI-Bildung zu Ende zu bringen. Sie verstehen dann vielleicht nicht mehr die vielen Lehnwörter, die wir dem Latein verdanken, aber wozu sollten sie die auch brauchen, wenn sie erstmals einen Campus betreten, dort die Mensa suchen und eine Mordsgaudi haben, weil sie vielleicht gar Cannabis rauchen …? Sie können dann vielleicht kein richtiges Deutsch mehr, aber wer braucht das schon? Wo uns das hinführt? Am Ende des Tages vermutlich an den Anfang der Nacht. 

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