Missverstehen Sie mich bitte richtig!

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 5
  • Hirtenhund
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Der Hirtenhund bellt diese Woche über die Wahlen in den USA.
Der Hirtenhund bellt diese Woche über die Wahlen in den USA. ©Der SONNTAG

Der Kirchenhund bellt diese Woche über das Spannungsfeld zwischen Kirche, Gläubigkeit und Glosse.

Fast fünf Jahre darf ich inzwischen auf der letzten Seite des „SONNTAG“ mein Haxl heben. Meine Kolumne nimmt etwa zwei Prozent des gesamten Blattes ein. Es irritiert und ehrt mich zugleich, dass diese wenigen Zeilen offenbar dazu angetan sind, Leserinnen und Lesern die Freude am „SONNTAG“ zu verderben oder sie genau wegen dieser Zeilen wiederzuentdecken. Zuletzt war für manche offenbar wieder mal der Napf voll und sie griffen vermehrt zur digitalen Feder, um mir ob meiner Flegeleien die Leviten zu lesen.

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Gedanken zur Kirche

Ein „Missgriff“ sei mein Versuch, mir unseren Dompfarrer im Beichtmobil zu denken; meine Wortspielerei zur Bischofsweihe – Stichwort: an urologische Untersuchung erinnernde Prostratio – sei eine „Verhöhnung unserer Religion“ und habe die „Grenze der religiösen Ehrfurcht überschritten“. Andere werteten gerade diese Texte im Übrigen als „treffsichere Satire“ und „erfrischende Bemerkungen“. Offenbar hat die Glosse also mal wieder das gemacht, was sie soll: durch Ironie, Übertreibung und Wortspiele anregen. Meinen Texten liegt im Übrigen insgesamt die Überzeugung zugrunde, dass Kirche und Glaube zu wichtig sind, um sie unkommentiert und unkritisiert sich selber zu überlassen. Auch wenn meine Kritiker es nicht für möglich erachten – ich empfinde Leidenschaft für meine Kirche. Auch in dem Sinne, dass sie Leiden schafft, wo sie nicht glorios ist, sondern bevormundend, autoritär, gleichgültig den Anliegen ihrer Schäfchen gegenüber und auf eine teils groteske Weise in ihrer barocken Pracht gefangen. Ich leide an ihr, weil sie so viel mehr sein kann. In stillen Momenten, in einfachen Gottesdiensten kommt sie mir nahe. Und gerade auch dann, wenn sie sich vergisst, sich entäußert und gemeinmacht mit den Bedürftigen am Rand.

Die Kirche aus einem anderen Blickwinkel

Was Kurt Tucholsky dem Satiriker ins Poesiealbum schreibt, nehme ich daher gern für mich in Anspruch: „Der Satiriker (nein, Hirtenhund) ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt (nein, Kirche) gut haben. Sie ist schlecht (in Teilen, eh nicht ganz), und nun rennt er gegen das Schlechte an.“ Und das eben mit Humor, manchmal auch etwas Geknurre. Insofern lade ich Sie ein: Wagen Sie weiterhin den „anderen Blick“ mit dem Hund auf die katholische Welt. Und wer mich immer noch in die Wüste oder besser noch zu Toni ins Beichtmobil schicken möchte, dem antworte ich mit dem großen steirischen Philosophen A. Schwarzenegger. Der hat zuletzt das Angebot von Papst Leo, ihm die Beichte abzunehmen, mit den Worten abgelehnt: „Das wollen Sie nicht machen – das würde drei Stunden dauern.“ Mindestens.

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