Harald auf dem zweiten Bildungsweg

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 3
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Der Hirtenhund bellt dieses Mal über den päpstlichen Führungsstil und die Kirche in Europa.
Der Hirtenhund bellt dieses Mal über den päpstlichen Führungsstil und die Kirche in Europa. ©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt diese Woche über Österreichs Priesterseminare und Harald Mahrers vermeintlichen "zweiten Bildungsweg".

In den österreichischen Priesterseminaren bereiten sich derzeit rund 100 Männer auf das Priesteramt vor. 20 bis 25 treten pro Jahr ein, weil sie die Berufung zum Priester verspüren, in etwa dieselbe Zahl wird pro Jahr geweiht und auf die Gläubigen losgelassen. Vor 20 Jahren lag die Zahl der Seminaristen und Neueintritte noch um fast 50 Prozent höher. Die Zahl der Weihen aber nicht. Wo sind all diese Kandidaten hin? Manch einen wird man vielleicht beim Durchwischen durch die langen wie leeren Gänge der prunkvollen Seminare als ewigen Studenten aufstöbern können. Viele aber dürften schlichtweg an den Vorgaben – sprich: Zölibat, persönliche Reife – gescheitert sein. Und manche könnten sich gedacht haben: Priester schön und gut, aber so ganz ohne Frau? Da werde ich doch lieber Diakon … Tatsächlich stieg deren Zahl kontinuierlich an – um fast 50 Prozent in 20 Jahren. 

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Überlegungen für Priesterseminare

Solche Überlegungen mögen die Regenten der Priesterseminare angestellt haben, als sie ihren neuesten Coup ersannen: die Eröffnung eines „zweiten Weges“ ins Priesteramt. Nein, der Zölibat wird dabei nicht links liegen gelassen. Es geht vielmehr um eine zweite Chance für Spätberufene, die den „Ruf“ vielleicht schon lange gespürt, aber nicht wahrhaben wollten. Und vielleicht auch um Diakone, die gemerkt haben, dass der Zölibat auch Vorteile hat. Quasi Priester auf dem zweiten Bildungsweg: Künftig kann Mann zwischen 45 und 60 Jahren in Österreich berufsbegleitend diesen Weg einschlagen. Das Theologiestudium bleibt Voraussetzung, auch die Ausbildungselemente in den Seminaren. Aber es gibt mehr Flexibilität und „individuelle Anpassungen“, die einen bestehenden Zivilberuf berücksichtigen, heißt es. 

Harald Mahrer im Priesterseminar?

Ungeahnte Zielgruppen könnte der Passus der Leitlinien ansprechen, demnach für Kandidaten dieses Weges „in Ausnahmefällen die Möglichkeit (besteht), den Zivilberuf auch nach der Priesterweihe in adäquatem Umfang auszuüben“. Man munkelt, es gäbe deswegen bereits ein erstes Bewerbungsschreiben: „Sehr geehrte Damen und Herren. Ich bin 52 Jahre alt. Nach dem Verlust meiner nebenberuflichen Einkünfte als Präsident von Nationalbank, Wirtschaftskammer und Wirtschaftsbund weiß ich um die Situation der Menschen am Rand der Gesellschaft und suche nach neuen (neben-)beruflichen Herausforderungen. Mit freundlichen Grüßen, Harald Mahrer.“ 

Ich formuliere gleich mal eine Antwort: „Sehr geehrter Herr Mahrer, vielen Dank für Ihre Bewerbung. Da sie allerdings verheiratet sind, steht Ihnen – einstweilen – leider nur der Weg in den Diakonat offen. Oder angesichts Ihrer offenkundig prekären Situation jener in einen Bettelorden.“

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