Adieu, Toni!
Ihnen gesagt
Ich kann die Gespräche über den stets authentischen Toni Faber nicht zählen. Alle haben eine Meinung über ihn, egal ob sie den Dompfarrer persönlich oder nur von Boulevard-Medienauftritten kennen, auf welchem Tanzparkett auch immer.
Dennoch: Sein Interview in der Süddeutschen Zeitung hat mir im Vorjahr den Heiligen Abend ziemlich vermiest. Die journalistische Absicht heiße ich nicht gut, zu Weihnachten darüber zu schreiben, wie die Kirche „so einen aushält“. Im Interview erklärt er: „Wenn ich mit meiner Botschaft der Menschenfreundlichkeit immer nur in der Kirchenzeitung Beachtung fände, so würde ich nur 0,1 Prozent der Leute erreichen.“ Diese flapsig formulierte Einschätzung haben weder die Leserinnen und Leser noch unsere Kirchenmedien verdient.
Der Menschenfreund
Und dann gibt es die andere Seite des Dompfarrers, wenn seine Berufung als Priester und Menschenfreund spürbar ist. Vor wenigen Wochen hat er mit Tränen in den Augen berührend über ein Erstkommunionkind gesprochen, das als Scheidungswaise nach der Erstbeichte Angst vor dem Loslassen eines Luftballons hatte. Diese herzerwärmenden Momente haben bei uns Platz, ganz ohne Seitenblicke.
Und nun warten nach 38 Jahren Dienst am Dom, davon 30 Jahre als Dompfarrer, 2027 neue Aufgaben auf ihn. Erzbischof Josef Grünwidl und er sind darüber im gemeinsamen Gespräch und Gebet – es wird keine Schmutzwäsche gewaschen. Ich finde das wohltuend, auch wenn wir lange auf die Information gewartet haben. Ebenso lange haben wir im SONNTAG keine Spekulationen betrieben.
Adieu! Dieser Abschiedsgruß bedeutet wörtlich „zu Gott (hin)“, man meinte damit früher auch „Gott befohlen“.
Ich bin sicher: Toni Faber wird weiterhin an vielen Orten und bei vielen Menschen willkommen sein, denn unbestritten ist er ein begeisterter Seelsorger und das will er auch bleiben.