Adieu, Toni!

Ihnen gesagt
Ausgabe Nr. 22
  • Meinung
2027 warten neue Aufgaben auf Toni Faber.
2027 warten nach 38 Jahren Dienst am Dom neue Aufgaben auf Toni Faber. ©Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub

Chefredakteurin Sophie Lauringer über den Abschied von Toni Faber als Dompfarrer im Wiener Stephansdom.

Ich kann die Gespräche über den stets authentischen Toni Faber nicht zählen. Alle haben eine Meinung über ihn, egal ob sie den Dompfarrer persönlich oder nur von Boulevard-Medienauftritten kennen, auf welchem Tanzparkett auch immer.

Dennoch: Sein Interview in der Süddeutschen Zeitung hat mir im Vorjahr den Heiligen Abend ziemlich vermiest. Die journalistische Absicht heiße ich nicht gut, zu Weihnachten darüber zu schreiben, wie die Kirche „so einen aushält“. Im Interview erklärt er: „Wenn ich mit meiner Botschaft der Menschenfreundlichkeit immer nur in der Kirchenzeitung Beachtung fände, so würde ich nur 0,1 Prozent der Leute erreichen.“ Diese flapsig formulierte Einschätzung haben weder die Leserinnen und Leser noch unsere Kirchenmedien verdient.

Werbung

Der Menschenfreund

Und dann gibt es die andere Seite des Dompfarrers, wenn seine Berufung als Priester und Menschenfreund spürbar ist. Vor wenigen Wochen hat er mit Tränen in den Augen berührend über ein Erstkommunionkind gesprochen, das als Scheidungswaise nach der Erstbeichte Angst vor dem Loslassen eines Luftballons hatte. Diese herzerwärmenden Momente haben bei uns Platz, ganz ohne Seitenblicke.

Und nun warten nach 38 Jahren Dienst am Dom, davon 30 Jahre als Dompfarrer, 2027 neue Aufgaben auf ihn. Erzbischof Josef Grünwidl und er sind darüber im gemeinsamen Gespräch und Gebet – es wird keine Schmutzwäsche gewaschen. Ich finde das wohltuend, auch wenn wir lange auf die Information gewartet haben. Ebenso lange haben wir im SONNTAG keine Spekulationen betrieben. 

Adieu! Dieser Abschiedsgruß bedeutet wörtlich „zu Gott (hin)“, man meinte damit früher auch „Gott befohlen“.

Ich bin sicher: Toni Faber wird weiterhin an vielen Orten und bei vielen Menschen willkommen sein, denn unbestritten ist er ein begeisterter Seelsorger und das will er auch bleiben.

Schlagwörter
Werbung

Neueste Beiträge

| Spiritualität
Glaubenszeugnis

Barbara Schwenk hat einige Kirchen besucht, um die zu finden, in der sie sich wohlfühlt. Heute gehört sie zur Schottenpfarre und arbeitet dort in der Erstkommunion-Vorbereitung mit.

| Politik
Verteufelung oder Gespräch

Für die einen ist der philosophisch-theologisch interessierte amerikanische Unternehmer Peter Thiel fast der Gottseibeiuns. Für die anderen, wie etwa für den Innsbrucker Theologen Wolfgang Palaver, ist Thiel ein Gesprächspartner, den er aber auch sachlich und inhaltlich kritisiert.

| Spiritualität
Bausteine für eine alltagstaugliche Spiritualität

Wie Christen gemäß dem Neuen Testament „ohne Unterlass“ beten können – und das ganz ohne Leistungsdruck. Und sogar beim Kochen.