Wenn wir versucht werden

Sommermeinung
Ausgabe Nr. 28
  • Spiritualität
Autor:
Sommermeinung: Der heilige Antonius der Große (251–356) ist der bekannteste „Wüstenvater“.
Sommermeinung: Der heilige Antonius der Große (251–356) ist der bekannteste „Wüstenvater“. ©wiki commons/public domain

Sommerzeit ist Lesezeit: In der „Sommermeinung“ macht der SONNTAG alte Texte aus fast 2.000 Jahren neu zugänglich – klar, direkt und erstaunlich anschlussfähig für unsere Gegenwart.

Die Wüstenväter lebten im vierten und fünften Jahrhundert meist in Ägypten ihr Mönchsein als entschiedenes Christentum. Sie sind bekannt für ihren Realismus.

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Altvater Antonios

Als der Altvater Antonios einmal in verdrießlicher Stimmung und mit düsteren Gedanken in der Wüste saß, sprach er zu Gott: „Herr, ich will gerettet werden, aber meine Gedanken lassen es nicht zu. Was soll ich in dieser meiner Bedrängnis tun? Wie kann ich das Heil erlangen?“ Bald darauf erhob er sich, ging ins Freie und sah einen, der ihm glich. Er saß da und arbeitete, stand dann von der Arbeit auf und betete, setzte sich wieder und flocht an einem Seil, erhob sich dann abermals zum Beten, und siehe, es war ein Engel des Herrn, der gesandt war, Antonios Belehrung und Sicherheit zu geben. Und er hörte den Engel sprechen: „Mach es so und du wirst das Heil erlangen.“ Als er das hörte, wurde er von großer Freude und mit Mut erfüllt, und durch solches Tun fand er Rettung. 

Sommermeinung: „Kann der Mensch täglich einen neuen Anfang machen?“

Altvater Moses fragte den Altvater Silvanus: „Kann der Mensch täglich einen neuen Anfang machen?“ Der Greis antwortete: „Wenn er ein Arbeiter ist, kann er sogar jede Stunde einen Anfang machen.“ Vom Abbas Pior erzählte Abbas Poimen, dass er jeden Tag einen Anfang machte. Abbas Antonius sagte: „Vom Nächsten her kommen uns Leben und Tod. Gewinnen wir nämlich den Bruder, so gewinnen wir Gott. Geben wir hingegen dem Bruder Ärgernis, so sündigen wir gegen Christus.“

„Kann der Mensch täglich einen neuen Anfang machen?“

Sommermeinung: Die Wüstenväter

Ein Bruder in der Sketis (ägyptischen Wüste) war gefallen. Man hielt eine Versammlung ab und schickte zu Abbas Moses. Der aber wollte nicht kommen. Daraufhin sandte ihm der Priester den Auftrag: „Komm, denn das Volk erwartet dich!“ Moses erhob sich und kam. Er nahm einen durchlöcherten Korb, füllte ihn mit Sand und nahm ihn auf die Schulter. Die Brüder gingen ihm entgegen und sagten zu ihm: „Was ist das, Vater?“ Da sprach der Greis zu ihnen: „Das sind meine Sünden. Hinter mir rinnen sie heraus, und ich sehe sie nicht, und nun bin ich heute gekommen, um fremde Sünden zu richten.“ Als sie das hörten, sagten sie nichts mehr zu dem Bruder, sondern verziehen ihm.

Vom Umgang mit den Leidenschaften

Ein Altvater sprach: Die Augen der Schweine sind so gebildet, dass sie aus Notwendigkeit sich ständig auf die Erde richten, ohne jemals zum Himmel aufblicken zu können. So ist es auch mit der Seele dessen, der sich an den Freuden der Wollust ergötzt: Denn wenn sie einmal in die Pfütze der Unzucht versunken ist, kann sie nur mehr schwer wieder zu Gott aufschauen oder an etwas Gotteswürdigem Geschmack finden. Die Altväter lehrten: „Wenn wir versucht werden, sind wir demütiger. Denn Gott sieht dann unsere Schwachheit und schützt uns. Wenn wir uns aber rühmen, nimmt er seinen Schutz von uns und wir verderben.“ Abbas Enagrios sagte: „Nimm die Versuchung hinweg, und es wird niemand gerettet.“ Ein Bruder fragte den Altvater Agathon wegen der Unzucht. Er erklärte ihm: „Wohlan, wirf dein Unvermögen vor Gott, und du wirst Ruhe finden.“

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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