Wenn der Sommer Musik wird

Sommerklänge
Ausgabe Nr. 2
  • Kunst und Kultur
Autor:
radio klassik Stephansdom hat Musik-Empfehlungen für den Sommer für Sie.
radio klassik Stephansdom hat Musik-Empfehlungen für den Sommer für Sie. ©Unsplash
Auf dem schwar-weiß Foto sind junge Damen im sommerlichen Gewand im Sommer zu sehen.
Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? ©Austrian National Library

Eine Reise im Sommer durch Hitze, Träume und Musik von Vivaldi bis Gershwin.

Bei Sommermusik denken klassisch geschulte Musikfans sofort an die „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Der Komponist setzt vor jedes der vier Violinkonzerte ein selbst verfasstes Sonett, das die Grundstimmung beschreibt. Das Konzert „L’estate – Der Sommer“, Op. 8 Nr. 2, RV 315 beschreibt in seinen drei Sätzen die schwüle Sommerhitze mit dem Warten auf die kühlenden Winde, einen von Mücken gestörten Schläfer und – im Schlusssatz, der sicher der bekannteste aus dem Sommer ist – das stürmische Gewitter. Das Kürzel RV steht übrigens für Ryom-Verzeichnis, das 1973 von dem dänischen Musikwissenschaftler Peter Ryom veröffentlicht wurde und sich in der Fachwelt gegen andere Werk Verzeichnisse für Vivaldi durchsetzen konnte.

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Vivaldi, Sommer und Heavy-Metal-Stil

Vivaldi war einer der ersten Komponisten, die sich intensiv mit sogenannter Programmmusik beschäftigten. Von ihm gibt es noch vertonte Jagden oder Meeresstürme. Die „Vier Jahreszeiten“ sind eines der am öftesten aufgenommenen Stücke der Klassikwelt. Die Interpretationen reichen von radikalem Originalklang bis hin zu verträumtem romantischen Vibratospiel. Einzelne Themen der insgesamt zwölf Sätze finden sich regelmäßig in den unterschiedlichsten Arrangements wieder: Vom kitschigen Synthesizer- Klang bis zum virtuosen Gitarrensolo im Heavy-Metal-Stil. Gute Musik verträgt letztendlich alles!

Gute Musik verträgt letztendlich alles!

Christoph Wellner

"Recomposed" by Max Richter

Dass andere von der Bekanntheit dieser Konzerte profitieren wollten, liegt nahe. In letzter Zeit hat der englische Komponist Max Richter für Aufsehen gesorgt: In der Reihe „Recomposed“ des Plattenlabels Deutsche Grammophon sollten „klassische“ Aufnahmen neu gemischt, verfremdet oder bearbeitet werden. Richter hat sich für die „Vier Jahreszeiten“ unter der Leitung des Dirigenten Trevor Pinnock entschieden, dann aber eine radikale Wende vorgenommen und den Zyklus „neu vertont“ und vom Geiger Daniel Hope einspielen lassen. Diese CD hatte sensationellen Erfolg – und damit war Vivaldis Komposition endgültig im 21. Jahrhundert angekommen. Eine empfehlenswerte Entdeckung ist auch die Version für Kammerorchester und Jazzquartett von und mit Klarinettist Eddie Daniels.
 

Sympson? Sampson? Simpson!

Allerdings war Vivaldi nicht der erste Komponist, der die Jahreszeiten zyklisch vertont hat: Der Engländer Christopher Simpson wurde zwischen 1602 und 1606 geboren, vermutlich in Egton, North Yorkshire. Er war der älteste Sohn von Christopher Sympson, einem Mann aus Yorkshire, der gewöhnlich als Schuhmacher (cordwainer) beschrieben wird, der jedoch auch Leiter einer Theatertruppe war, die von wohlhabenden katholischen Familien aus Yorkshire gefördert wurde. Es gibt eine Theorie, dass Christopher Simpson der Jüngere, mit jenem Simpson (oder Sampson) identisch gewesen sein könnte, der auf dem europäischen Festland eine jesuitische Ausbildung erhielt und 1629 zum katholischen Priester geweiht wurde. „The Seasons“ von Christopher Simpson der Jüngere wurden von der Geigerin Hille Perl mit dem Ensemble Sirius Viols im Jahr 2016 eingespielt und auf CD veröffentlicht.

Sommer: Von Tango bis Theremin

Der Tangokomponist Astor Piazzolla hat mit „Las cuatro estaciones porteñas“ (spanisch für „Die vier Jahreszeiten in Buenos Aires“) seinen Beitrag zu diesem Thema geliefert. Der finnische Komponist Kalevi Aho hat sogar „Acht Jahreszeiten“ vertont – und dafür ein Konzert für Theremin geschrieben. Das Theremin (benannt nach seinem Erfinder Lew Termen bzw. Leon Theremin) ist das einzige Musikinstrument, das man spielt, ohne es zu berühren! Beim Theremin steuert die Position der Hände gegenüber zwei Elektroden (als Spielantennen fungierende Metallstäbe als Hochfrequenzsender) die Tonhöhe sowie die Lautstärke. Die Ausgabe des Tones erfolgt nach Verstärkung über einen Lautsprecher. Sieben Sätze beschäftigen sich bei Aho mit der dunklen Jahreszeit. Das Finale ist dann die strahlende Mitternachtssonne.

Sommernachtstraum

Nicht zu vergessen – und hier stichwortartig aufgezählt: „Die Jahreszeiten“, das Oratorium von Joseph Haydn mit dem Text von Gottfried van Swieten. „Ein Sommernachtstraum“, die Schauspielmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy mit dem berühmten Hochzeitsmarsch. Wienerisch wird’s beim Walzer „Sommernachtsträume“ von Johann Strauss Vater (sowie mit gleichem Namen von Joseph Gungl) oder dem „Sommernachtsgalopp“ von Josef Strauss. „Im Sommerwind“ ist ein großes Orchesteridyll von Anton von Webern, das leider viel zu selten gespielt wird.

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

Rudi Carell

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“

Außerhalb der sogenannten Klassik muss man unbedingt den Standard „Summertime“ aus George Gershwins „Porgy & Bess“ erwähnen. Ein Stück, das 1935 uraufgeführt wurde und seitdem ungebrochen in seiner Popularität ist. Von „Summertime“ gibt es noch mehr Aufnahmen als von Vivaldis Jahreszeiten, darunter legendäre von Perry Como, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald oder John Coltrane. Und im Schlager werden wir im deutschsprachigen Raum wohl nie an den Sommer denken können, ohne Nana Mouskouris „Guten Morgen, Sonnenschein“ oder Rudi Carrells „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“. Aber das ist eine andere Geschichte …

©David Kassl

Radio-Tipp


Sommermusik Montag, 15. Juni 2026, 11:00 Uhrradioklassik.at


radio klassik Stephansdom empfangen Sie in Wien und Umgebung auf 107,3 MHz und österreichweit digital auf DAB+.radioklassik.at RADIO

 

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Autor:
  • Christoph Wellner
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