Unterwegs – als Betende
Bausteine für eine alltagstaugliche Spiritualität
Es gibt wohl keinen Menschen, der sich nicht in irgendeiner Weise als „spirituell“ bezeichnen wird, als „religiös“ oder gar „fromm“ hingegen werden sich weniger Menschen deklarieren. Das Feld ist weit: Manche werden mit „Spiritualität“ eher Meditation, Yoga, „Energiesteine“, Räucherstäbchen, Klangschalen verbinden, anderen wiederum fallen beim Stichwort „Spiritualität“ Ikonen, Taizé-Gesänge, Psalmen, Exerzitien, Kerzen und das Wort „Mystik“ ein. Nicht wenige sind „obdachlos“ geworden, sie sind unterwegs als Suchende oder, wie ein Trend seit Jahren zeigt, als Pilgerinnen und Pilger.
Christentum: Pilger und Betende
Das Wissen, dass das Christentum das Unterwegs-Sein immer auch als Pilger-Dasein verstanden hat, scheint verloren gegangen zu sein und wird wahrscheinlich auf neue Weise oft wieder entdeckt – aber außerhalb der Kirche. Aber auch in der Kirche selbst: Das Pilgern boomt auch unter Katholikinnen und Katholiken, wie beispielsweise die neue Homepage beweist, die alle Pilgerwege in Österreich erfasst (pilgern.at). Und auch das Wallfahren kam nie ganz aus der Mode:
Spiritualität: Not und Segen des Gebetes
Nach einer notwendigen „Unterscheidung der Geister“ und einer umfassenden Klärung des nicht ganz so eindeutigen Begriffs „Spiritualität“ soll zuerst das weite Land des „Betens“ abgeschritten werden. Beten ist so vielfältig, es reicht von A wie Anbetung über B wie Bittgebet bis V wie Vaterunser. Und wenn das Beten nicht „gelingen“ will? Nicht erst der große Jesuiten-Theologe Karl Rahner wusste darum: Er hat 1946 – vor 80 Jahren – fulminante Fastenpredigten in München gehalten, daraus entstand sein bis heute aktueller Bestseller „Von der Not und dem Segen des Gebetes“. „Beten lernt man vor allem dadurch, dass man betet, so wie man eine Sprache vor allem dadurch lernt, dass man diese Sprache spricht“, betont der Spiritual des Grazer Priesterseminars, der Jesuit Thomas Neulinger. Im Unterschied zur Esoterik, die sich oft schamlos beim Christentum, bei der Philosophie, der Psychologie und den alten Hochreligionen bedient, steht bei der Spiritualität, wie der Name schon sagt, der „Spiritus Dei“, der „Geist Gottes“, im Mittelpunkt. Christlich verstanden als der Heilige Geist.
Betende Spiritualitätsfamilien
Wie bunt diese Landschaft der auch in der Erzdiözese Wien beheimateten Spiritualitätsfamilien ist, wird in der Serie anhand der Frauen und Männer vorgestellt, die nach diesem jeweiligen Geist hier leben. Denn es waren heilige Männer wie Frauen, die mit ihrer jeweiligen Spiritualität Generationen von Menschen geprägt haben – und noch immer weltweit prägen: Augustinus, Benedikt von Nursia, Franz von Assisi, Dominikus, Ignatius von Loyola, Teresa von Avila oder Johannes Bosco. Alle diese Heiligen haben ihre eigene Spiritualität, also eigene Schwerpunktsetzungen in der Nachfolge Jesu.