Priestergewand vom Star-Designer

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 26
Autor:
Für die Eröffnung der Kathedrale Notre-Dame, soll es Designer-Kleidung für Priester geben.
Für die Eröffnung der Kathedrale Notre-Dame, soll es Designer-Kleidung für Priester geben. ©istock
©Der SONNTAG

Priester in französischen Designer-Gewand oder "Jesuslatschen" von Birkenstock: Der Hirtenhund hat nicht nur viel in Sachen Mode zu bellen: Denn zum Schulschluss wurden auch wieder Stimmen zur Abschaffung des Religionsunterrichts laut.

Zum Schulschluss also nochmal ein richtiger Knaller: Mehr muslimische Schülerinnen und Schüler in Wiener Volksschulen als katholische! 

Werbung

Abschaffung des Religionsunterrichts

Skandal, ruft die einschlägig dieses Thema bearbeitende, wahlwerbende dunkle Seite der Macht. Skandal, rufen auch die vermeintlich Neuen, die NEOS. Und sie fordern als Antidot nicht etwa (was eine gewisse Stringenz und Witz hätte) einen verpflichtenden katholischen Religionsunterricht für alle, sondern genau das Gegenteil: die Abschaffung des Religionsunterrichts. Natürlich nicht wirklich.

Roter Bürgermeister für Kircheneintritt

Es war wohl eher der Versuch des Wiener Vizebürgermeisters, in trübem Polit-Wasser zu fischen. Bürgermeister Michael Ludwig erwies sich indes als Vorzeigekatholik und ließ bei einer Veranstaltung im Stephansdom jüngst verlauten, wer sich über die konfessionelle Zusammensetzung an Volksschulen ärgere, der solle dies nicht den anderen Religionen (gemeint: dem Islam) anlasten, sondern „einfach nicht austreten“ aus der katholischen Kirche – „oder wieder eintreten“. Nochmal langsam zum Mitschreiben: Die ansonsten auf ihr bürgerliches Image bedachten NEOS wollen nicht nur die jungen Muslime, sondern gleich alles, was nach Religion riecht, aus den Pflichtschulen verbannen; und ein roter Bürgermeister ruft dazu auf, wieder katholisch zu werden. Verdrehte Welt. 
 

Priestergewand vom vom französischen Star-Designer

Verdreht können wir Katholiken aber auch ganz gut. Das kam mir jedenfalls in den Sinn, als ich eine Nachricht über die anstehende Wiedereröffnung der Kathedrale Notre-Dame in Paris las. Dort werden im Dezember zu einem großen Eröffnungsgottesdienst rund 2.000 Priester und Bischöfe erwartet. Und sie sollen dann nicht wie üblich und liturgisch wünschenswert in schlichtem priesterlichen Gewand an den Altar treten, sondern in eigens vom französischen Star-Designer Jean-Charles de Castelbajac gestalteten Gewändern. Gewiss, die Gewänder sollen „edle Schlichtheit“ ausstrahlen, lese ich. 

Priestergewand und Jesuslatschen á la Birkenstock

Aber das tun Brioni-Anzüge auch. Und doch erscheint mir ein so edler Stoff um betkrummes priesterliches Beinfleisch ein wenig unangebracht. Oder bin ich da zu sehr in Klischees verhaftet? Am Ende stattet dann vielleicht im Gegenzug die Firma Birkenstock unsere Priester mit einem Jesuslatschen-Update aus. Modell „Himmlisch leicht“. Werbesujet: Jesus über die Wogen des Sees Gennesaret gehend. Werbeslogan: „Treten Sie in seine Fußstapfen.“ Eine eingeschränkte Zielgruppe, gebe ich zu; aber ein Erfolg wäre nicht ausgeschlossen. Ich würde sogar ein Paar für Bürgermeister Ludwig spendieren. Und für Toni Faber. Mal sehen, wer sie tatsächlich tragen würde … 

Schlagwörter
Autor:
  • Hirtenhund
Werbung

Neueste Beiträge

| Wien und Niederösterreich
Himmel & Erde

In unserem neuen Pfingst-Magazin haben wir uns die Vielfalt innerhalb der katholischen Kirche in Wien näher angeschaut und stellen Ihnen einige der vielen Anderssprachigen Gemeinden der Erzdiözese Wien vor.

| Meinung
Kommentar

Wien war immer ein Melting Pot – ein Schmelztiegel – vieler Kulturen und Völker. Jeder fünfte Katholik in der Hauptstadt ist Ausländer oder ausländischer Herkunft. Das Referat für anderssprachige Gemeinden kümmert sich mit großer Freude um die Menschen aus aller Herren Länder.

| Wien und Niederösterreich
Spanischsprachige Gemeinde

Grauer Brutalismus außen, lebendige Gemeinschaft innen: In Wiens spanischsprachiger Pfarre Maria Namen wird gebetet, gebastelt und gefeiert. Warum Sprache hier Heimat schafft und Kirche Familie ist, erzählen die zwei Gemeindemitglieder Ana und Sandra sowie Padre Jesús David Jaén Villalobos.