Mit Wolfgang und Toni im Beichtmobil

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 2
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt diese Woche über eine christliche Statistik, einen Bericht über Dompfarrer Faber in der Süddeutschen und einen Online-Medienbericht.

Vor einigen Wochen habe ich das Hohelied der Liebe des Salomo angestimmt: „Siehe, schön bist du, meine Freundin (…) Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, / die Zwillinge einer Gazelle, / die unter Lilien weiden.“ Damals ging es um christliche Statistik zur schönsten Nebensache der Welt. Nun wurde mir durch zwei Berichte bewusst, wie sträflich ich eine wichtige Personengruppe dabei vernachlässigt habe: die Priester. Zu Weihnachten – vermutlich, weil Fest der Liebe – erschien in der „Süddeutschen“ eine Homestory über unseren Dompfarrer, der bekanntlich nicht nur auf allen Hochzeiten tanzt, sondern dabei auch stets dekorative Mittänzerinnen zur Hand hat und der den Zölibat für einen „dehnbaren Begriff“ halte. In epischer Breite wird alles entfaltet, was hierzulande schon vor Jahren durch die Gazetten gejagt wurde.

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Zu Silvester erschien dann in einem deutschen Online-Medium ein Bericht über eine Annonce pikanten Inhalts: „Schwule Pfarrhaus-WG sucht dritten Mitbewohner: Der neue Mitbewohner sollte schwul sein und mit der katholischen Kirche etwas anfangen können.“ Aufgegeben von Wolfgang F. Rothe. Der Priester ist in Deutschland ein bunter Hund, von dem sich in Sachen Self(ie)-PR selbst unser Toni noch ein Scheibchen abschneiden kann: Auf Facebook breitet der „Whisky-Vikar“ sein gesamtes Leben zwischen Pfarrhaus, Society-Parkett und neuerdings seiner Tätigkeit als Rechtsberater der Goldensteiner Nonnen aus. Das alles ist umso erstaunlicher, als es sich um eben jenen Wolfgang Rothe handelt, der vor 22 Jahren im Zuge des Skandalfundes von Tausenden pornographischen Fotos und Filmen auf Rechnern des Sankt Pöltner Priesterseminars – Bischof Krenn sprach von „Buben-Dummheiten“ – als Subregens des Sankt Pöltner Priesterseminars zurückgetreten war.

Bericht in der "Süddeutschen Zeitung"

Ich bin bei Gott nicht bigott! Doch die Frage der „Süddeutschen“ – „Wie hält die katholische Kirche so einen aus?“ – ist gar nicht so plakativ, wie sie auf den ersten Blick scheint. Denn sie wirft ein Licht auf jenen schmalen Grat des angewandten Kirchenrechts, von dem man in zwei Richtungen abstürzen kann: in Richtung der Unmoral auf der einen Seite und in Richtung juristischer Härte auf der anderen Seite. Wie will man wiederverheiratet Geschiedenen erklären, dass sie auf die Eucharistie als Höhepunkt des Glaubenslebens verzichten müssen, wenn sie aus den Händen jener gereicht wird, die offensiv kokett gegen kirchliche Normen verstoßen? Aber Gott sei Dank haben wir ja das Sakrament der Buße. Vielleicht wäre dies ein willkommener Anlass für KIA, erneut das „Beichtmobil“ zur Verfügung zu stellen. Darin könnten dann Toni und Wolfgang Platz nehmen. Ausnahmsweise aber mal knieend auf der anderen Seite des Gitterfensters. Und Josef darf ihnen dann zuhören.

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