Zirkuskunst trifft Kirchenraum

Performance Über Göttliches und Menschliches
Ausgabe Nr. 16
  • Kunst und Kultur
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Die Artistinnen wollen elementares Menschsein mit Zirkuskunst sichtbar machen.
Die Artistinnen wollen elementares Menschsein mit Zirkuskunst sichtbar machen. ©Viertelfestival

Mit „Plötzlich:Mensch“ verwandelt das CIRCle Circus Collective vier Weinviertler Kirchen – Korneuburg, Laa an der Thaya, Großrußbach und Mistelbach – in außergewöhnliche Bühnen. Die Performance verbindet Artistik, Musik und Projektionen zu einem eindrucksvollen Erlebnis über das Menschsein.

Was macht uns eigentlich menschlich? Dieser Frage widmet sich das Zirkusstück „Plötzlich:Mensch“, das in Kooperation des NÖ Viertelfestivals und der Bildungsakademie Weinviertel in vier Weinviertler Kirchen zur Aufführung gelangt. Die Performance der Künstlergruppe CIRCle Circus Collective verbindet darin Artistik, Objektmanipulation – das kunstvolle Bewegen von Gegenständen –, Musik und Projektionen zu einem Gesamtkunstwerk.

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Zirkuskunst will zeigen, was uns menschlich macht

Vier Artistinnen – Alma Gall, Clara Zeiszl, Lisa Hochrainer und Rosa Dreher – erzählen ohne Worte, dafür unter anderem mit Hula Hoops, Aerial Hoop (ein großer Metallring, der an Seilen von der Decke hängt) und körperlichem Ausdruck von Empfindungen, die uns alle prägen: Freude, Wut, Trauer, Hoffnung, Angst und Liebe. Die musikalische Gestaltung stammt von Gilbert Handler und Manuel Fröschl, während Resa Lut und Marcus Saravia die Szenen in atmosphärische Licht- und Medienkunst tauchen. Unter der Dramaturgie von Colleen Rae Holmes entsteht ein Werk, das wohl auch ein junges Publikum anspricht. 

Die Künstlerinnen nehmen dafür den sechsten Schöpfungstag als Ausgangspunkt: die Erschaffung des Menschen. Im Werden und Wachsen, im Ringen und Versöhnen zeigen sie, wie sehr Menschsein von Beziehung lebt – und wie heilsam Verbundenheit in einer zersplitterten Zeit sein kann. Kirchenräume werden damit zu Orten, in denen sichtbar wird, was sonst oft nur spürbar ist. 
 

Wichtige Lebensmomente verorten sich im Kirchenraum

Für Weihbischof Stephan Turnovszky, der als Bischofsvikar das Nordvikariat vertritt, eröffnet „Plötzlich:Mensch“ im Kirchenraum mehr als eine ästhetische Erfahrung. Die Performance ermögliche „eine Begegnung von Himmel und Erde, von Geist und Materie, von Schöpfer und Schöpfung“, betont der Bischof. Der Kirchenraum sei dafür ein idealer Ort – nicht trotz, sondern wegen seiner Geschichte als Raum für die großen Themen des Menschseins. Seit Jahrhunderten seien Kirchen Stätten, an denen Menschen ihre entscheidenden Lebensmomente verorten: Geburt und Neubeginn, Entscheidungen und Bindungen, Abschied und Hoffnung. All das bilde die Atmosphäre, in der die Artistinnen ihr „elementares Menschsein“ künstlerisch sichtbar machen. 

Zirkuskunst für eine Haltung des Staunens

Stephan Turnovszky erinnert daran, dass Kunst und Kirche seit jeher eng miteinander verwoben sind: in Architektur, Malerei, Skulptur, Musik – und nicht zuletzt in den mittelalterlichen Mysterienspielen, die ebenfalls in Kirchen stattfanden. Diese Tradition mache es nicht nur plausibel, sondern geradezu selbstverständlich, dass eine zeitgenössische Zirkusperformance ihren Platz im sakralen Raum finde. Dabei gehe es auch um eine Haltung des Staunens. Denn Kirchen seien Feierräume, an denen sich die menschliche Sehnsucht nach Beziehung und Sinn verdichte. 

Besonders deutlich unterstreicht Weihbischof Stephan Turnovszky die Würde und Einzigartigkeit des Menschen: „Keine künstliche Intelligenz kann den lebendigen Menschen ersetzen.“ Menschsein bedeute Leibhaftigkeit, Begegnung, Resonanz – genau jenes Spannungsfeld, das die Künstlerinnen im Raum der Kirche sinnlich erfahrbar machen. 

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Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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