Make the church great again!

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 10
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Den Hirtenhund beschäftigt diese Woche der Bestseller – „Die Benedikt-Option“. Ein Buch, in dem er angesichts der globalen Krisensituation empfahl, auf die kleinzellige Pflege gläubiger Gemeinschaften zu setzen.

Denmarkification“ – 270.000 Menschen haben bereits eine Petition unterzeichnet, die sich unter diesem Titel für den Kauf Kaliforniens ausgesprochen haben. Also eine „Verdänemarkung“ Kaliforniens als Antwort auf Trumps Ambitionen, Grönland an sich zu reißen. Ein vom US-Präsidenten verbreitetes KI-Video zeigt ihn indes im Liegestuhl an einem Strand in Gaza – der „Riviera des Nahen Ostens“ … Kurz: Wozu noch Satire betreiben, wenn Satire plötzlich Realpolitik wird? Bislang war ich tatsächlich davon ausgegangen, dass wir uns noch auf die „checks and balances“ in der ältesten Demokratie der Erde verlassen können. Doch dass sie durch „Donald, the Dealer“ außer Kraft gesetzt werden könnten, das macht mir langsam wirklich Angst.

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Droht also die Endzeit? Nun, biblisch betrachtet spricht das gehäufte Auftreten falscher Messiasse und Propheten dafür. Dann Kriege und Hungersnöte und die allgemeine Malaise. Offen scheinen mir noch die Verdunklung von Sonne, Mond und Sternen, die Sache mit den sieben Siegeln und Posaunen und eine 1.260-   tägige Flucht der Christen vor dem Antichristen. Das kann man als biblische Spinnerei abtun – gleichwohl haben Überlegungen dieser Art immer wieder zu fatalen Schulterschlüssen geführt: Denn schon seit biblischen Zeiten haben sich die Menschen gefragt, wer bitteschön die Ankunft dieses Reiches verzögert, wer der „Aufhalter“ ist – der „Katechon“. Allzuoft wurden in der Geschichte die großen Reiche und brutalen Fürsten mit der Figur des Katechon gleichgesetzt – und ihnen damit eine Rolle im Heilswerk Gottes zugesprochen. Schließlich stemmen sie sich dem endzeitlichen Chaos mit ihrer harten Hand entgegen. Kein Schmäh! Das schrieb so ähnlich schon 2019 der bekannte konservative Journalist Rod Dreher. Und zwar über seinen Hero, über Donald Trump.

Was hat das bitteschön mit Kirche zu tun? Nun, Dreher schrieb aus dieser endzeitlichen Gestimmtheit heraus einen Bestseller – „Die Benedikt-Option“. Ein Buch, in dem er angesichts der globalen Krisensituation empfahl, auf die kleinzellige Pflege gläubiger Gemeinschaften zu setzen. Wenn die großen Säulen in endzeitlichen Kämpfen wanken, bleibt nur der Rückzug ins Kleinklein des hauskirchlichen Schrebergartens. Bye-bye Weltkirche, aloha kleine auserwählte Herde. Ich werde jedenfalls der Endzeit trotzen. Zum einen, weil ich mich noch nicht reif dafür finde. Zum anderen, weil ich – mit Dietrich Bonhoeffer – der Meinung bin, dass wir das Diesseits nicht vorzeitig aufgeben dürfen. Ein dänisches Kalifornien klingt einfach zu verlockend. Make California great again! Und vielleicht auch the church … Meine Stimme habt ihr.

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