Kältewelle: Ein Ort zum Aufwärmen

Wärmestuben in Wien und Niederösterreich
Ausgabe Nr. 3
  • Soziales
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Zeit zum Rasten: Die Wärmestuben der Pfarren bieten täglich warme Getränke, Essen und einen geschützten Raum gegen die Kältewelle.
Zeit zum Rasten: Die Wärmestuben der Pfarren bieten täglich warme Getränke, Essen und einen geschützten Raum gegen die Kältewelle. ©Lilo Krüger

Minusgrade halten Österreich derzeit fest im Griff. Während viele die Kälte nur kurz auf dem Weg außerhalb der eigenen vier Wände spüren, wird sie für andere zur täglichen Bedrohung. In einer der Pfarrwärmestuben, betrieben gemeinsam mit der Caritas, zeigt sich, was Nächstenliebe an diesen frostigen Tagen bedeutet.

Schon im Vorraum ist die Geräuschkulisse auffällig heiter. Gelächter, lebendige Gespräche, das Klirren von Tassen. Als sich die Tür zur Pfarrstube am Lainzerbach im 13. Wiener Gemeindebezirk öffnet, schlägt einem nicht nur die Wärme entgegen, sondern eine Atmosphäre von Geborgenheit. 

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Kältewelle herrscht in Österreich

Menschen sitzen an Tischen, reden miteinander, manche hören einfach zu. Es ist gemütlich hier, fast wie in einem Wohnzimmer. Dass draußen eine Kältewelle in Österreich herrscht, scheint für einen Moment weit weg. Die Wärmestuben mehrerer Pfarren in Wien und Niederösterreich, die in Zusammenarbeit mit der Caritas geführt werden, sind an diesen Tagen besonders gefragt. Die Pfarren beteiligen sich an dem Angebot und wechseln sich ab – jeden Tag öffnet eine andere Pfarre ihre Türen, sodass im Winter durchgehend Anlaufstellen zur Verfügung stehen. Die Gründe hierherzukommen sind unterschiedlich. Menschen ohne feste Wohnung sind ebenso hier wie jene, die sich das Heizen kaum noch leisten können. Manche suchen nur Wärme, andere auch einfach nur Gemeinschaft und gute Gespräche. „Wenn es so kalt ist, kommen mehr Menschen und sie bleiben länger“, erzählt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Pfarre. 

Kältewelle verschärft Armut

Österreich erlebt derzeit eine der härtesten Kältephasen dieses Winters. Nächtliche Temperaturen weit unter null, eisiger Wind und Glatteis machen den Alltag schwierig, besonders für Menschen, die ohnehin wenig haben. Die Caritas warnt davor, dass Kälte Armut verschärft und bestehende Notlagen sichtbar macht. Wärmestuben, Notschlafstellen und Kältetelefone werden ausgeweitet, vielerorts mit Unterstützung von Pfarren.

Die Kältewelle bringt Vorteile: Zwischen den Tischen entstehen Gespräche

Die Wärmestube ist kein Ort nur für Menschen in finanzieller Not. Viele kommen, weil sie die Gemeinschaft schätzen, weil sie gern unter Leuten sind oder weil ihnen zu Hause die Stille zu groß wird. Zwischen den Tischen entstehen Gespräche über Alltägliches, das Wetter und das Leben. Hier begegnen sich Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen auf Augenhöhe. Dabei zählt es nicht, woher jemand kommt oder was er gerade hat – sondern, dass er einfach nur da ist. Getragen wird das Angebot von freiwilligen Teams. Ehrenamtliche bereiten Essen zu, schenken Getränke aus und sorgen dafür, dass sich alle willkommen fühlen. 

Warmer Tee und Nächtsenliebe gegen die Kältewelle

Auch junge Menschen tragen zur Atmosphäre der Wärmestube bei. Immer wieder kommen Schülerinnen und Schüler vorbei, bringen selbst gekochtes Essen mit. Was als Schulprojekt beginnt, wird schnell zu einer Erfahrung, die auf beiden Seiten in Erinnerung bleibt. Als draußen langsam die Dämmerung hereinbricht, wird noch einmal Tee nachgeschenkt. Manche Gäste bleiben noch sitzen, andere machen sich auf den Weg. Die Kälte wartet bereits vor der Tür. Doch für einige Stunden war sie ausgesperrt durch Wärme, Gespräche und Gemeinschaft. Was bleibt, ist das Gefühl, nicht allein zu sein, und eine offene Tür, die zeigt, dass Nächstenliebe ganz konkret werden kann. 

Autor:
  • Lilo Krüger
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