Inkognito für alle

Anekdoten
Ausgabe Nr. 5
  • Heiter bis heilig
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Johannes Lackner ist Priester in der Erzdiözese Salzburg und seit November 2022 Seelsorger für das olympische und paralympische Team Österreichs.
Johannes Lackner ist Priester in der Erzdiözese Salzburg und seit November 2022 Seelsorger für das olympische und paralympische Team Österreichs. ©Markus A. Langer

Johannes Lackner ist leidenschaftlicher Seelsorger des österreichischen olympischen und paralympischen Teams. In dieser Funktion begleitete er die Sportler zu den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024.

Lackner ist ein großer Tennis-Fan und wollte sich das berühmte Stadion Roland Garros, wo auch die French Open stattfinden, schon vor einem Spiel anschauen, für das er eine Karte hatte. Außerdem hatte er gehört, dass ein neues Stadion gebaut worden war, der Court Simonne-Mathieu. Dieses schaut von außen aus wie ein Glashaus.Da es in dem Park, in dem es steht, einige Glashäuser gibt, fällt es nicht weiter auf, was sehr gelobt wurde. Lackner wollte das selbst sehen. Jetzt war das aber keine Spielstätte bei den Olympischen Spielen. Und davor war ein Gitter, und das war abgesperrt. Der junge Priester – in zivil und ohne Ausweis, also nicht erkennbar, ging zum Gitter und schaute sich durch die Gitterstäbe das Stadion an. 

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Auf einmal hörte er hinter sich eine Stimme. Ein Polizist fragte ihn auf Englisch, was er da tue. Er antwortete wahrheitsgemäß, dass er sich das Stadion anschauen wolle. Warum er das wolle? – „Ich bin ein Fan, und ich habe gehört, dass das ein großartiges Stadion ist und ich möchte es sehen.“ Aber jetzt kam der Verdacht: ob er übers Gitter klettern wollte. „Nein, ich will nur schauen!“ Der Polizist glaubte ihm nicht: „Ich habe es gesehen, Sie wollten hinaufklettern. Ich konnte es sehen.“ Lackner beteuerte: „Nein, ich habe nur geschaut.“ 

Leiberl vom österreichischen olympischen Team

Dann entdeckte der Polizist auf einmal, dass Lackner ein Leiberl vom österreichischen olympischen Team anhatte. Er fragte ihn, ob er von diesem Team sei. „Ja.“ Ob er ein Athlet sei? – Jetzt wurde es schwierig. Lackner traute sich nicht zu sagen, dass er Seelsorger sei, denn er hätte es nicht beweisen können und wollte den Polizisten nicht weiter reizen. Also suchte er nach einer Antwort, die nicht gelogen war. Schließlich fiel ihm ewas ein: „Ich bin kein Athlet, ich bin ein Trainer.“ – „Für welche Sportart?“ Der Polizist traute ihm sichtlich nicht. Es wurde sehr eng. In seiner Not antwortete er: „Für alle Sportarten.“ Das stimmte insofern, als er Seelsorger des ganzen Teams war, aber für den Polizisten war nun endgültig klar, dass mit ihm was nicht stimmt. Er ließ ihn seinen Rucksack abnehmen und vollständig auspacken und auf den Boden legen. Aber da, ganz unten!, lag seine Akkreditierung. Die hatte er immer dabei, aber in dem Moment vergessen. Da glaubte ihm der Polizist und ging weg. Und ein bisschen was vom Stadion konnte Lackner nun sehen.

©Wiener Domverlag

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Autor:
  • Bernadette Spitzer
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