In Zeiten wie diesen

Ihnen gesagt
Ausgabe Nr. 16
  • Meinung
Kriege, Inflation und Krisen trüben uns die Stimmung. Was man in "Zeiten wie diesen" tun kann.
Kriege, Inflation und Krisen trüben uns die Stimmung. Was man in "Zeiten wie diesen" tun kann. ©Stephan Schönlaub

Chefredakteurin Sophie Lauringer über die Anspannung in Europa und den Satz "In Zeiten wie diesen...".

Ich darf draußen nicht in die von mir wenig geliebte Sandbahn springen – es gibt keine Outdoor-Aktivitäten und die Mutter meiner Schulfreundin hat eine Art Überlebenskit-Liste aus der Zeitung ausgeschnitten und auf die Pinnwand in der Küche geheftet. Man möge Schokolade einlagern, dazu Wasserkanister, abgepacktes Brot, Nudeln und viele Gemüsedosen. Für noch schlimmere Zeiten als diese.

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In diesen Zeiten: Europa vor 40 Jahren

Nach dem Stadtfest in der Wiener Innenstadt erfahre ich von einer Bekannten, deren Vater Radiologe ist, dass er sie nach dem Abend mit einem Messgerät untersucht habe – sie sei völlig verstrahlt gewesen. In Zeiten wie diesen waren wir vor 40 Jahren in einem Europa, das getrennt war durch einen Eisernen Vorhang, hinter den ich noch nie geblickt hatte und wo eine gottlose Diktatur tagelang die Warnung nach einem Reaktorunfall einfach nicht veröffentlichte. Meine wohl­behütete Teenager-Zeit war unterbrochen in einer Schockstarre der Welt: Uns war allen klar: Atomkraft soll es in Österreich nicht geben, am besten nirgendwo und Gott sei Dank steht die bizarre Ruine in Zwentendorf still. 

Was ist davon übriggeblieben – in Zeiten wie diesen?

Was ist davon übriggeblieben – in Zeiten wie diesen?  Reinhard ­Bödenauer kommentiert zum Thema auf Seite 19 und ich frage mich: Was hätte ich verhindern können seither und in Zeiten wie diesen? Denn ich kann diesen Leitsatz nicht mehr hören: Es sind immer Zeiten wie diese. Es gibt kein Menschheitsjahr ohne Krieg, ohne hungernde Kinder, ohne machtgierige Politik, ohne Mord, Seuchen und Katastrophen. Machen wir doch aus den Zeiten wie diesen diese Zeiten: Zusammenhalten, stärken, zuhören, miteinander sprechen, uns freuen, gemeinsam das Gute suchen und entdecken und wenn es wieder möglich ist, in die Sandbahn springen – ok, das lasse ich auch heute aus.

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