"In dieser Tradition stehen wir in Europa"

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 18
  • Spiritualität
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Das Abendgebet ist für Georg Lundström-Halbgebauer ein absoluter Fixpunkt mit seinem kleinen Sohn. ©Privat

Georg Lundström-Halbgebauer ist Generalsekretär der Paneuropabewegung und als politischer Referent der NEOS tätig. Ein Spannungsfeld, sagt der 35-Jährige, der sich vor zwei Jahren firmen ließ.

Die Paneuropabewegung wurde in den 1920er-Jahren gegründet und ist eine überparteiliche europäische Einigungsbewegung.

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Europa und der Glaube

Herr Lundström-Halbgebauer, Sie sind ein politisch sehr engagierter und ein gläubiger Mensch. Inwieweit beeinflusst das christliche Welt- und Menschenbild Ihre politische Tätigkeit? 
Ich sehe mich da in einem Spannungsfeld. Als Generalsekretär bei Paneuropa ist es einfach: Die Bewegung bekennt sich klar zur jüdisch-christlichen Tradition des Abendlandes und tritt dafür ein, diese zu bewahren. NEOS hingegen ist eine liberale Partei, die Religion als Privatsache sieht. Einige Positionen in der Partei sind nicht zu hundert Prozent mit dem vereinbar, was die Amtskirche vorgibt. Wobei der
Grundimpetus meiner Arbeit immer die Nächstenliebe ist. Dieser zieht sich überall durch, ob es nun um Menschen, die geflüchtet sind, geht, um sozial Schwächere oder um Menschen, die anders denken. 

Sind Sie in einer gläubigen Familie aufgewachsen?
Ich komme aus einer christlichen Familie mit einem katholischen und einem evangelischen Zweig. Meine Urgroßmutter war eine der ersten Frauen in Österreich, die evangelische Theologie studiert haben. Es gibt auch mehrere Malteser in der Familie. Der Glaube hat bei uns also immer eine Rolle gespielt. Ich habe mich als Jugendlicher aber nicht firmen lassen, weil es für mich Fragen gab, auf die mir damals niemand gute Antworten geben konnte. Das waren zum einen die Theodizee-Frage, also die Frage, warum Gott das Leid zulässt, und zum anderen jene der Unfehlbarkeit des Papstes.

Sie sind schon als Jugendlicher sehr ernsthaft an den Glauben herangegangen.
Mir war es zu wenig, nur wegen eines neuen Fahrrads, einer Uhr oder ‚weil man es halt so macht‘ zur Firmung zu gehen. Im Zuge meines Philosophiestudiums habe ich wieder tiefer zum Glauben gefunden, zurückgekommen bin ich dann mit Ende 20, und gefirmt wurde ich mit 33 Jahren.  

Wie drückt sich der Glaube in Ihrem Alltag aus?
Ich bete jeden Tag. Das Abendgebet ist ein absoluter Fixpunkt mit meinem kleinen Sohn. Wir haben angefangen, auch vor den Mahlzeiten zu beten. Und gemeinsam mit meiner Frau gehen wir jeden Sonntag in die Kirche. Ich bin außerdem Mitglied bei den Grabesrittern. Einmal im Monat ist das Ordenskapitel, und wenn ich es am Freitag schaffe, bete ich um 15:00 Uhr das Ordensgebet.

Paneuropa-Bewegung

Zurück zu Paneuropa: Die Bewegung betont das christliche Fundament Europas. Was genau ist damit gemeint?
Dahinter steckt ein philosophischer Zugang: Die westliche Philosophie mit ihrer Idee von den Menschenrechten und dem Individuum kommt aus einer langen geistigen Tradition, die in der griechischen Antike begonnen und im Christentum zur Vollform gelangt ist. In dieser Tradition stehen wir in Europa, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, und das hat einen Wert. Im politischen Alltag erlebe ich leider oft einen Mangel an Nächstenliebe. Ein ‚Ich komm zuerst, meine Nation kommt zuerst, unsere Leute kommen zuerst‘. Unsere Gesellschaft im Westen ist fragmentiert, bis zu einem gewissen Grad ist uns die gemeinsame Basis verloren gegangen. Es ist wichtig, dass wir einander zuhören und aufeinander zugehen. Dafür setzen wir uns bei Paneuropa ein. Wir sind übrigens eine Mitgliederorganisation, die von freiwilliger Arbeit und Spenden getragen wird. Wir freuen uns über jede Unterstützung. 

„Ich komme aus einer Familie mit einem katholischen und einem evangelischen Zweig.“

Viele Menschen fühlen sich heute aufgrund der allgegenwärtigen Krisen hilflos. Wie gelingt es Ihnen – in Ihrer Arbeit und im persönlichen Leben – die Hoffnung zu bewahren?
Wichtig scheint mir, sich nicht von den Tagesnachrichten blenden zu lassen. Ja, es geht uns heute schlechter als vor fünf oder zehn Jahren. Aber historisch betrachtet gab es nie so einen Wohlstand und so viel Frieden wie heute. Es tut mir weh, zu sehen, wie sich Menschen heute zu sehr bemitleiden und nur die Probleme sehen. Es gibt genug Gründe, um dankbar zu sein. Wir müssen das Gute bewahren und beharrlich weiterarbeiten.

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Autor:
  • Sandra Lobnig
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