Im Takt der sanften Hügel: Auf dem Jakobsweg Weinviertel

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Landschaftsbild mit Weinreben
Inmitten von Weinreben: Am Weinviertler Jakobsweg warten nicht nur eine weite Landschaft, sondern auch malerische Weingärten. ©Kellergassen Niederösterreich 2016 / Wikimedia Commons
Pilger auf dem Weg zu einer Kirche
Er ist ein Geheimtipp unter den Pilgerwegen in Österreich: der Jakobsweg Weinviertel. Der Michelberg ist mit seinem herrlichen Ausblick und der Kapelle zum Innehalten sehr beliebt. ©Weinviertel Tourismus/Christine Wurnig
Kellergasse in Poysdorf
Genuss wird im Weinviertel großgeschrieben: Nach geschaffter Etappe kann man den Tag mit einem Gläschen Wein in einer der zahlreichen lauschigen Kellergassen entlang des Pilgerweges wunderbar ausklingen lassen. ©Kellergassen Niederösterreich 2016 / Wikimedia Commons

Eine weite Landschaft, malerische Weingärten und lauschige Kellergassen erwarten die Pilgerinnen und Pilger am Jakobsweg Weinviertel. Fernab vom Massentourismus kann man den Alltagsstress ablegen und dem Takt der sanften Hügel folgen.

Schon seit 2010, also seit mittlerweile 15 Jahren, kann man im niederösterreichischen Weinviertel einen Abschnitt des Jakobswegs bewandern. Die 153 Kilometer lange Strecke führt von Drasenhofen, einer Ortschaft im nördlichsten Teil des Weinviertels knapp vor der tschechischen Grenze, bis Krems an der Donau. Es wird empfohlen, den Weg in sechs Etappen zu bestreiten, wobei die Teilstrecken zwischen 16 und 30 Kilometer pro Tag betragen.

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Im Weinviertel treffen Natur und Genuss aufeinander

Entstanden ist der Pilgerweg durch eine Zusammenarbeit von Kirche, Landespolitik und der Weinviertel Tourismus GmbH. Für den Streckenverlauf wurden von einem Historiker alte Wegelisten aus dem Mittelalter studiert, wegen der Nordautobahn wurden einige Abschnitte jedoch abgeändert. Anfangs traute man dem Weinviertel nicht recht zu, viele pilgerfreudige Menschen anzuziehen: Die Schönheit der Gegend werde von den Einheimischen oft unterschätzt. Franz Knittelfelder, Direktor der Bildungsakademie Weinviertel, ist gebürtig aus der Steiermark, lebt aber seit vielen Jahren im Weinviertel. „Bei uns gibt’s ja nichts. Wer soll denn da kommen?“, habe er anlässlich der Planungen für den Pilgerweg öfters vernommen.

Doch die Weite der Landschaft, die dichten Wälder, die Weinreben und Kellergassen des Jakobsweg Weinviertel begeistern Wanderfreudige zu jeder Jahreszeit. Es ist aber vor allem die Ruhe, die jährlich von 2.500 Wanderinnen und Wanderern auf dem Teilabschnitt des Camino de Santiago (Spanisch für „Jakobsweg“) gesucht und auch gefunden wird. Und nach geschaffter Etappe laden die lokalen Heurigen dazu ein, den Tag mit einem Glas Wein und einer Brettljause stimmungsvoll ausklingen zu lassen.

 

Vier Jakobskirchen am Jakobsweg Weinviertel

Auf der Strecke befinden sich nicht weniger als vier Jakobskirchen. Zu einer Besichtigung der Jakobskirche in Falkenstein wird allerdings besonders geraten: Idyllisch am Fuße der hochmittelalterlichen Burgruine Falkenstein gelegen, macht sie mit ihrer frühbarocken Architektur ihrem „Weihevater“, dem heiligen Apostel Jakobus dem Älteren, alle Ehre. Die ursprünglichsten Bestandteile des Gotteshauses gehen bis ins elfte Jahrhundert zurück.

In der Jakobskirche in Falkenstein ist neben einem außergewöhnlichen Altarbild – die Dreifaltigkeit dargestellt als Christus-Drilling in jeweils identischer Himmelskönigspose – auch eine der zahlreichen Stempelstationen des Weinviertler Jakobswegs zu finden.

Jakobskirche Falkenstein von außen
Mit ihrer barocken Fassade sieht die Jakobskirche in Falkenstein nicht nur von außen schön aus – es zahlt sich auch aus, einen Blick hineinzuwerfen. ©Werner Kraus

Der Weg ist das Ziel – und die Stempel

Wenn man möchte, kann man im Pilgerpass des Weinviertler Jakobswegs Stempel sammeln und so zeigen, wie viele Stationen des Weges man bereits geschafft hat. Zu jeder Station gibt es auch ein passendes Gebet oder einen spirituellen Text zur mentalen Unterstützung der Wanderinnen und Wanderer für den restlichen Weg.

Franz Knittelfelder weiß: „Die Leute lieben sowas.“ Auch besonders beliebt sind die erwerbbaren Jakobsmuscheln, die von den Pilgerinnen und Pilgern üblicherweise an ihren Wanderstöcken oder Rucksäcken befestigt werden.

 

Mehr als ein Reisemitbringsel: Die Jakobsmuschel und ihre Bedeutung

Seit Jahrhunderten begleitet die Jakobsmuschel Gläubige aus aller Welt auf ihrer Reise entlang des Jakobswegs. Früher wurde den Pilgern bei ihrer Ankunft im spanischen Santiago de Compostela, dem eigentlichen Zielort eines jeden Jakobswegs, wo die letzte Ruhestätte des heiligen Apostels Jakobus vermutet wird, so eine Muschel überreicht. Heutzutage wird dieses Symbol häufig bereits beim Antritt der Pilgerreise entgegengenommen – als Begleiter entlang des Weges.

Das Muschelsymbol geht auf eine alte Legende zurück: Ein Reiter barg den Sarg mit dem Leichnam des heiligen Jakobus aus dem Meer. Nachdem er die wertvolle Fracht an Land gebracht hatte, waren sowohl der Retter als auch der Sarg mit Muscheln überzogen. Der Legende nach stellen die an einem Punkt zusammenlaufenden Furchen der Muschel die verschiedenen Wege dar, die im spanischen Santiago de Compostela zusammentreffen. Diese Symbolik lässt sich auch heute noch im Logo des Jakobswegs wiederfinden. Das blau-gelbe Design soll außerdem die europaübergreifenden Dimensionen des Wegnetzes des vermutlich berühmtesten Pilgerwegs der Welt symbolisieren.

Logo Jakobsweg
Das ist das offizielle Logo des Jakobswegs. Ein geschichtsträchtiges Symbol, das Pilgerinnen und Pilger in ganz Europa zu ihrem Zielort leitet. ©Waldschmidt, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons
Symbolbild Jakobsmuschel
Die Jakobsmuschel ist schon seit langer Zeit Symbol, Wegbegleiter und Erkennungszeichen für die Pilgerinnen und Pilger am Camino de Santiago. ©anaterate/pixaby

Neuerungen im Jubiläumsjahr

Anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums sollen einzelne, bereits etwas verblichene Info-Tafeln erneuert werden, erklärt Franz Knittelfelder. Sich zu verlaufen ist am Weinviertler Jakobsweg angesichts der allgemein sehr guten Beschilderung generell so gut wie unmöglich.

Der Zielort, der „Dom der Wachau“ in Krems, soll im Zuge des Jubeljahres ebenso in neuem Glanz erstrahlen. Obendrein gibt es demnächst, ähnlich wie für die Absolventen des Camino nach Santiago de Compostela, eine Pilgerurkunde für alle Pilgerinnen und Pilger, die das Ziel erreicht haben.

Am Weinviertler Jakobsweg lässt sich also optimal Pilgerluft schnuppern. Gerade für „Pilger-Anfänger“ stellt der Weg mit seinen sanften Anhöhen eine gute Möglichkeit dar, vielleicht zum allerersten Mal eine solche spirituelle Reise zu wagen – und so hoffentlich dem Alltag etwas entfliehen zu können und wieder mehr zu sich und zu Gott zu finden.

/kath

 

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Autor:
  • Miriam Pühringer
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