„Ich bin Missio-narrisch“
Sommergespräch: Johannes Laichner
Aufgewachsen im sogenannten heiligen Land Tirol in einer gläubigen Familie und ausgebildet am traditionsreichen Stiftsgymnasium des Zisterzienerordens in Stams, lernte Johannes Laichner schon in der Schule die spannende Arbeit von Missio kennen.
Johannes Laichnerr über seinen Weg zur Missionsarbeit
Was hat Sie denn als junger Mensch im Gymnasium so begeistert an den Themenwelten der Mission?
Johannes Laichnerr: Das waren die authentischen Berichte von Missionaren, von Menschen in ganz unterschiedlichen weltkirchlichen Kontexten, mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen bis hin zum Thema Christenverfolgung. Das war für mich als jungen Burschen sehr faszinierend. Damals habe ich meine Mutter geschockt mit der Ankündigung, selbst einmal in die Mission zu gehen.
Erst vor Kurzem habe ich mit ihr darüber gesprochen. Es hat sich aber jetzt bewahrheitet, zwar in einer anderen Art, dass ich Mission betreibe von Wien aus mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der päpstlichen Missionswerke. Man kann es nicht vergleichen mit dem Einsatz und mit dem Eifer der Missionare, der Ordensfrauen, die für uns in sicher unwegsamen Gebieten die Freude am Glauben verbreiten. Dass ich sie jetzt als Nationaldirektor der päpstlichen Missionswerke alle unterstützen darf, ist für mich ein Geschenk von oben.
Prägende Erfahrungen in der Weltkirche
Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie denn in der Mission gemacht? Wo konnten Sie sich ein Bild vor Ort machen, wo die päpstlichen Missionswerke im Einsatz sind?
Der erste Einblick war für mich während des Theologiestudiums. Ich durfte einen Monat Kardinal Rodolfo Quezada Toruño auf seiner Missionsreise durch seine Diözese Santiago de Guatemala begleiten. Die Problematik der Kirche in Lateinamerika mit den Stichworten Befreiungstheologie, mit dem aggressiven Werben der evangelikalen Gemeinden, mit der bitteren Armut war für mich einerseits ein Schock, andererseits auch eine Bestätigung, dass es sich lohnt, verbunden im Glauben seinen Weg zu gehen, und dass man die Hoffnung nicht aufgeben soll.
Von Kamerun aus den Blick auf die Weltkirche geweitet
Der zweite für mich sehr prägende Einblick war eine Missionsreise in den frankophonen Teil in Kamerun. Dort galt es, im Auftrag der päpstlichen Missionswerke Partnerprojekte zu besuchen. Das prägt unheimlich und das öffnet einfach die Augen für eine ganz andere Realität der Weltkirche. Das hilft uns auch zu bemerken, dass wir nicht der Nabel der Weltkirche sind, auch wenn wir das immer glauben im deutschsprachigen Raum, wenn wir die Wortführer sind in vielen Themen. Weltkirche ist viel komplexer, vielfältig und bunt. Das Geschenk der Weltmission an uns ist die Glaubensfreude. Das beginnt schon bei der Begrüßung, mit der Aussage: „Ich bin Christ und das macht mir Freude. Es ist schön, dass du da bist.“
Missio als Brücke zwischen Kulturen
Mission hat in diesem Zusammenhang immer wieder den Beigeschmack des Kulturimperialismus. Wie haben Sie das bis jetzt erlebt?
Also in dieser Richtung überhaupt nicht. Mir gefällt das Bild, Mission ist wie ein Gang über die Brücke, wo man sich in der Mitte trifft. Beide legen eine Wegstrecke zurück und bemühen sich um diese Begegnung. Das ist keine Einbahnstraße, sondern es ist ein Zueinander, ein Miteinander auf Augenhöhe. Das muss die Arbeit der päpstlichen Missionswerke auszeichnen.
Wo sich Theologie und Archäologie begegnen
Pfarrer Laichner, Sie sind nicht nur Theologe, sondern Sie haben auch ein anderes Steckenpferd: die Archäologie. Wie ist das gekommen und passt das gut zusammen?
Mein Interesse für die Geschichtswissenschaft war immer schon ausgeprägt, auch durch die Kultururlaube meiner Eltern. Mir persönlich war zum Theologiestudium ein zweites Standbein wichtig. Und das war die klassische Archäologie mit dem Schwerpunkt Rom und Griechenland. Das ist der Kulturkreis, in dem sich das frühe Christentum ausgebreitet hat.
Man kann die Theologie ohne die griechische Philosophie weniger verstehen. So war diese Ausbildung zum klassischen Archäologen für mich eine Bereicherung.
Auf den Spuren des heiligen Paulus
Der berühmteste Missionar der katholischen Kirche ist der Apostel Paulus, also einer Ihrer Vorgänger sozusagen. Es gibt viele archäologische Spuren, die man im Mittelmeerraum entdecken kann bis Rom, wo er ja gemeinsam mit Petrus im Gefängnis war. Kennen Sie diese Orte? Was bedeutet Ihnen der Apostel Paulus als Missionar?
Die Orte kenne ich sehr gut vom Archäologiestudium. Sie inspirieren mich auch jetzt in meiner Aufgabe als Nationaldirektor für die Missionswerke, von der unwiderstehlichen, einladenden Liebe dieses Gottes zu erzählen, der uns die Tür öffnet zu einem ganz, ganz anderen Leben, das sich abhebt von allem, was uns diese Welt oft bietet.
Ich kann nur einladen, dass man auf den Spuren des heiligen Paulus unterwegs ist, nicht nur als kulturinteressierter Mensch auf alten archäologischen Ausgrabungsstätten, sondern dass man ihn im Originaltext liest. Plötzlich eröffnet sich eine ganz andere Realität, die auf ganz neue Wege führt und die Freude macht.
Wir werden versuchen,
die Bäume auszureißen,
für die gute Sache
Als Missionare Gottes gemeinsam unterwegs
Sie unterstehen als Nationaldirektor der päpstlichen Missionswerke Papst Leo. Sind Sie ihm schon begegnet?
Die Beauftragung zum Nationaldirektor erfolgt über ein Dekret in lateinischer Sprache, das man vom Nuntius überreicht bekommt. Aber ich werde sicher Gelegenheit haben, Papst Leo zumindest von der Ferne bei einer Generalaudienz zu sehen, und vielleicht habe ich auch das Glück, gemeinsam mit allen anderen Nationaldirektoren, ihm zu begegnen.
Der Papst war ja selber langjährig als Missionar und später als Missionsbischof in Peru tätig. Es gibt Bilder, wo er auf Eseln und Maultieren in die entlegensten Gegenden geritten ist, um mit den Menschen zu feiern. Also, wir sind alle Missionare Gottes und jeder darf seinen Teil dazu beitragen.
Für die Mission begeistern
Wo sehen Sie denn die Positionierung von Missio in den kommenden Jahren?
Ich möchte mich dieser Herausforderung stellen, dass wir mehr Fenster öffnen in diese faszinierende Welt der Mission und dass man die Leute begeistert, dass sie einerseits durch Gebet, aber auch durch eine großzügige Unterstützung an der Seite dieser Missionare und Missionarinnen stehen und dass sie sich begeistern für die Weitergabe des Glaubens.
Bischof Hermann Glettler hat mir vor kurzem in einem Brief geschrieben, dass er mir wünscht, dass ich sehr „Missio-narrisch“ bin. Er hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Man muss wirklich einen Eifer spüren, der einladend ist, der viel Herz gibt und wo man am Ende sagt, dass man richtig „Missio-narrisch“ ist! Wenn es mir gelingt, in meiner Aufgabe als Nationaldirektor diese Freude zu teilen, dann wäre ich schon sehr glücklich.
Ein neuer Abschnitt in Wien
Die Büroräume sind in der Seilerstätte in der Wiener Innenstadt. Sie bekommen ein sehr gut bestelltes Haus. Wann werden Sie übersiedeln?
Ich werde mit dem ersten September übersiedeln. Bis dorthin darf ich mich in meinen vier Pfarreien Kares, Karösten, Mils und Roppen im Tiroler Oberland verabschieden. Dann besteige ich den Zug nach Wien und werde mich spätestens auf dieser Bahnfahrt emotional und mit Freude darauf einstellen, dass eine ganz neue Zeit für mich beginnt mit engagierten Mitarbeitern, die ich übrigens schon aus meiner Tätigkeit als Missio-Diözesandirektor der Diözese Innsbruck kennen- und auch schätzen gelernt habe. Wir werden versuchen, die Bäume auszureißen, wie man in Tirol sagt, für die gute Sache und für die vielen Menschen in den Ländern der Mission.
Werden Sie mitlaufen beim Run for Hope am 27. September? Ziehen Sie auch die Laufschuhe an?
Ja, immer wieder. In letzter Zeit hab ich auch versucht, an meiner Fitness zu arbeiten, und mal sehen, ob‘s die eine oder andere Runde dann auch beim Lauf ermöglicht. Aber ich bin natürlich beim Anfeuern dabei.
Zur Person
Johannes Laichner war seit 1918 als Missio-Diözesandirektor in Innsbruck tätig. Der studierte Archäologe und Priester übernimmt mit 1. September die Leitung der Päpstlichen Missionswerke in Wien.
Über die bekannte Zeitschrift „Alle Welt” wurde er für die Weltkirche begeistert. Jetzt tritt er die Nachfolge von Pater Karl Wallner als Nationaldirektor von Missio Österreich an. Was ist ihm wichtig? Ein Sommergespräch zum Start einer internationalen Aufgabe.
Sommergespräch
Eine Kooperation von radio klassik und Der SONNTAG. Das ganze Gespräch mit Johannes Laichner hören Sie am 31. August um 19:00 Uhr auf ▶ radioklassik.at
Der Run for Hope ist am 27. 9. im Wiener Prater. Startpreis für den Charitylauf für Missio ist 12,– EUR für Jugendliche, sowie 22,– EUR für 5 Kilometer bis 44,– EUR für 10 Kilometer für Erwachsene.
▶ runforhope.at und ▶ missio.at