Hussitenkrieg in Retz

Der blutige „Katharinen-Tag“
Ausgabe Nr. 47
  • Chronik
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Grausamer Tod: Jan Hus wurde am 6. Juli 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Grausamer Tod: Jan Hus wurde am 6. Juli 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt. ©wikicommons/Kamil Vladislav Muttich/public_domain

Am 25. November 1425, dem Gedenktag der heiligen Katharina von Alexandrien, wurde die Stadt Retz durch die Hussiten erobert, mehr als 1.000 Menschen wurden getötet. Am 600. Jahrestag wird in der Rathauskapelle Retz aller Toten dieses unseligen Krieges gedacht.

Retz gehörte zu den von den Hussitenkriegen (1419–1436) am stärksten betroffenen Gebieten. Nach vierzehntägiger Belagerung wurde die Stadt durch die Hussiten erobert und vollständig zerstört. Zu den mehr als 1.000 Toten kamen an die 6.000 Männer und Frauen, darunter der Stadtherr Graf Johann von Hardegg, die in die Gefangenschaft verschleppt wurden. Auch die umliegenden Orte wurden gebrandschatzt. Am 25. November 2025, dem 600. Jahrestag der Eroberung, wird in der Rathauskapelle Retz aller Toten dieses unseligen Krieges gedacht, ebenso der Opfer aller Auseinandersetzungen bis in die Gegenwart.

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Wer war eigentlich Jan Hus?

Anlässlich des 600. Todestages des böhmischen Reformators hatte Papst Franziskus vor zehn Jahren sein „tiefes Bedauern über den grausamen Tod“ des Jan Hus (1370–1415) geäußert und zu einer Neubewertung des Falls aufgerufen. Nötig sei ein „Weg der Versöhnung und des Friedens“, sagte Franziskus damals. Geboren wurde Jan Hus 1370 als Sohn eines Fuhrmanns in Husinec. Die nach ihm benannte Bewegung der Hussiten geht zum Teil auf sein Wirken zurück. Nach dem Besuch der Lateinschule begann Jan Hus 1386 ein Theologiestudium an der Prager Universität, zehn Jahre später erhielt er den Grad des Magister Artium. 1400 wurde er zum Priester geweiht und begann seine theologischen Vorlesungen. Die theologischen Überzeugungen von Hus näherten sich jenen des englischen Bibelübersetzers John Wyclif an. Wie dieser trat er für die Autorität des Gewissens ein und kritisierte den weltlichen Besitz der Kirche, wobei er seine theologischen Aussagen mit tschechisch nationalen Ideen vermischte. 

Gedenken in Retz

1402 wurde Hus Professor der Theologie. Über die Predigten von Hus gingen beim Bischof Beschwerden ein, mit der Folge, dass er sein Priesteramt nicht mehr ausüben konnte. 1410 verlor Hus sein Amt als Professor und wurde aus Prag verbannt. 1414 fand auf Anregung des römisch-deutschen Königs Sigismund von Luxemburg das Konzil von Konstanz statt, um die Einheit der Kirche und des Reiches zu bewahren. Hus hatte der König freies Geleit zugesagt. Trotzdem wurde Hus in Konstanz verhaftet und unter den Augen des Königs am 6. Juli 1415 zusammen mit seinen Schriften verbrannt. Danach und mit dem ersten Prager Fenstersturz 1419 brachen die Hussitenkriege aus. Bald kam es zu einer unheilvollen Vermischung der religiösen Anliegen mit nationalistischen, revolutionären und machtpolitischen Interessen.

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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