Füreinander einstehen

Meinung
Ausgabe Nr. 3
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Matthias Geist (56) ist evangelischer Pfarrer, Gefängnisseelsorger und Superintendent.
Matthias Geist (56) ist evangelischer Pfarrer, Gefängnisseelsorger und Superintendent. ©J. Obermaier

Matthias Geist (56) ist evangelischer Pfarrer, Gefängnisseelsorger und Superintendent. In seinem Kommentar plädiert er dafür, dass wir wieder mehr füreinander einstehen.

Dialogischer Religionsunterricht kann was. Seelsorge im Gefängnis oder im Krankenhaus kann auch was. Telefonseelsorge sowieso. Denn wo das Evangelium zeitgemäß gefragt ist und bleibt, spielt die „offizielle“ Konfession immer weniger eine Rolle. Noch vor 50 Jahren: Da wurde wechselseitig und übereinander von „Ketzern“ gesprochen. Man mied einander und bewahrte die eigene Tradition. 

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Religionsgemeinschaften sollten füreinander einstehen

Im Dezember 2024 durfte ich im Rahmen einer Aktion zu „20 Jahre Sozialwort“ in einer römisch-katholischen Kirche predigen. Das ist längst zur Gewohnheit geworden: Das Interesse füreinander ist erwacht, wird belebt und als von je einer Tradition geprägte Menschen stehen wir sogar füreinander ein. Das Gebet um Einheit hilft dabei, denn es heißt, die innere Haltung zu ändern und sich aufeinander zuzubewegen. Selbst im Zuge interreligiöser Begegnung schätzen wir einander über die Konfessionen und Religionsgemeinschaften hinweg dadurch am meisten, dass wir auch füreinander eintreten. Wir setzen uns ein, wenn eine Religion angegriffen wird. Wir wagen auch den Diskurs mit säkularer Welt oder mit agnostischen Perspektiven. Denn gemeinsam versuchen wir das Beste: achtsam zuzuhören und das Gemeinsame zu suchen.

Mehr als Mitchristinnen und -christen

Doch: Wer in Wien oder Niederösterreich evangelisch ist, lebt mit einer besonderen ökumenischen Erfahrung. Wir sind sichtbar – aber selten tonangebend. Gastfreundlich eingeladen, aber kaum Gastgeber. Diese Minderheitenposition prägt auch unseren Blick auf die Ökumene – zu Ihnen und Euch als Mitchristinnen und -christen. Die einen unter uns bringen evangelischen „Glaubens- und Hoffnungsschatz“ mit. Die anderen setzen Akzente im Umgang mit Pluralität, mit begrenzter Macht und sogar mit der Freiheit, Dinge anders zu denken. 

Ich träume von hervorragenden Menschen in der Seelsorge, die gemeinsam „der Stadt Bestes suchen“ – in Gebet, Gemeinschaft(smahl) und Freude aneinander. Hoffen wir es gemeinsam! Und leben wir es – überall dort, wo Kirche nicht als Institution, sondern als verlässliche Stimme wahrgenommen wird. 

Der Kommentar drückt seine persönliche Meinung aus!

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