„Für einen Habit brauche ich zehn Stunden“
Glaubenszeugnis
Pater Matthias Reich ist gebürtiger Steirer und ist vor über 13 Jahren bei den Kapuzinern eingetreten, einem Orden, der in der Tradition des heiligen Franz von Assisi steht. Er lebt im Kloster in Wiener Neustadt.
Vorbild Franziskus
Pater Matthias, wir befinden uns mitten im Franziskus-Jubiläumsjahr. Was bedeutet Ihnen als Kapuziner der heilige Franziskus persönlich?
Franziskus ist mir ein Vorbild in seiner Zufriedenheit. Er nahm immer das an, was ihm Gott und das Leben gaben. Zweitens ist er mir Vorbild in seiner Entschiedenheit, alles liegen und stehen zu lassen, wenn er erkannte, dass er dem Herrn noch besser dienen kann.
Sie wurden 2013 als Kapuziner eingekleidet. Wie haben Sie den Orden kennengelernt?
Mit den Kapuzinern war meine Familie immer schon verbunden. Dazu kommt, dass ich als 14-Jähriger im Kapuzinerkloster in Leibnitz oft Orgel gespielt und dort die Brüder näher kennengelernt habe. Ihr Wirken zu erleben, fand ich sehr schön. Sie hatten alle einen sehr lebhaft-dynamischen Seelsorgestil, das heißt, sie waren sehr unkompliziert und hatten eine Art zu reden, dass ich ihnen gern zugehört habe. Ihre Bereitschaft zur Hingabe berührte mich. Jeder hatte seine Aufgabe und man unterstützte einander. Das ist auch heute noch so.
„Mit den Kapuzinern war meine Familie immer schon verbunden.“
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Wann haben Sie entschieden, selbst Kapuziner zu werden?
Die Idee, Priester zu werden, tauchte bei mir das erste Mal auf, als ich noch ein Kind war. Später, in der siebten Klasse Gymnasium, habe ich mich intensiv damit beschäftigt und schließlich die Entscheidung getroffen, Priester zu werden. Ich bin nach dem Bundesheer zuerst ins diözesane Priesterseminar eingetreten. Das war eine sehr schöne Zeit, aber immer wieder stellte ich mir die Frage: ‚Hätte ich nicht doch Kapuziner werden sollen?‘ Ich beschloss, dem nachzugehen. Mein geistlicher Begleiter empfahl mir, mir zuerst mehrere Ordensgemeinschaften anzuschauen. Aber es war eigentlich klar: Wenn ein Orden, dann die Kapuziner. Mit ihnen verband ich immer ein Gefühl von Heimat. Es war eine Intuition von innen heraus.
Sie sind während Ihres Kapuzinerdaseins schon viel herumgekommen.
Ich bin jetzt seit über sechs Jahren in Wiener Neustadt. So lange war ich noch nirgends! In den ersten fünf Jahren bin ich sechs Mal übersiedelt. Ich lebte in der Schweiz, machte das Noviziat in Salzburg, lebte in Wien, Innsbruck, dann in Sofia. Das Zurücklassen ist jedes Mal schwer gewesen. Aber das Ankommen war immer ein Geschenk. Als Kapuziner kommt man in ein neues Kloster und ist sofort einer unter den anderen Brüdern. Da ist schon mal ein Grundverhältnis zu den Menschen, die kommen, da.
Welche Aufgaben übernehmen Sie im Kloster?
Hauptsächlich bin ich Seelsorger. Wir bieten bei uns jeden Tag acht Stunden Beichtrufbereitschaft, das sind im Wochenschnitt 50–100 Beichten. Zu den Stoßzeiten wie Weihnachten und Ostern wesentlich mehr. Außerdem betreue ich verschiedene Gruppen, unseren Jugendgebetskreis ‚Overflow‘ und die Legion Mariens. Ich bin fürs Postulat zuständig – ah, und ich bin für den Orden der Schneider.
Was schneidern Sie?
Die Habite der Brüder. Wenn jemand einen braucht, setze ich mich hin und nähe. Das habe ich im Orden gelernt. Für einen Habit brauche ich etwa zehn Stunden.
Wie viele Habite besitzt denn ein Kapuziner?
Drei ist die übliche Zahl. Damit kommt man normalerweise gut durch mit dem Waschen. Wir unterscheiden nicht zwischen Feiertags- und Alltagshabit, aber sicher, die Habite sind in unterschiedlichen Zuständen. Da teilt man es sich am besten so ein, dass man zu Ostern den frischgewaschenen Habit anziehen kann. (Lacht.)
Bruder Matthias Reich
Alter: 37
Wohnort: Kloster Wiener Neustadt
Lebensmotto: die gute Laune mit Gottes Hilfe erhalten
Gott ist für mich: das Leben
Sonntag bedeutet für mich: Messe