Die Problematik der Geschlechtsangleichung
Transgender bei Jugendlichen
Faika El-Nagashi war jahrelang grüne Politikerin, zuerst auf Bezirksebene, dann im Wiener Landtag und zuletzt als Nationalratsabgeordnete. „Immer mit dem Schwerpunkt Menschenrechte im weitesten Sinn, Frauenrechte und spezialisiert auch auf die Rechte von Migrantinnen und anderen Minderheiten“, sagt sie zum SONNTAG. Jetzt hat sie einen Verein gegründet, das „Athena Forum“, der sich mit dem Thema Geschlechtsidentität in der Politik und den Maßnahmen auf der politischen Ebene beschäftigt. El-Nagashi will aufklären, „ohne in ein Rechts-Links-Schema hineinzufallen“, sondern um sich für die Rechte von Frauen, von Lesben und Schwulen und den Schutz von Kindern und Jugendlichen einzusetzen.
Geschlechtsangleichung: Jährlich 100 Brustentfernungen
Wie wir mit der Zunahme von Transsexualität, also der Frage nach der Identität bei Jugendlichen, umgehen sollen? „Es geht nicht nur darum, dass viele dieser Jugendlichen meinen, im falschen Körper zu sein“, sagt El-Nagashi. „Viele der jungen Menschen haben Depressionen, Autismus oder sie haben sexuelle Traumatisierung erlebt oder Missbrauch.“ Bei der Großzahl dieser Jugendlichen handle es sich um Mädchen. „Das ist an sich kein neues Phänomen, dass genau in der Zeit der Pubertät die Auseinandersetzung mit der Weiblichkeit, mit dem weiblichen Körper, mit der Veränderung des Körpers und mit dem Frausein sehr zentral wird“, erläutert die Aktivistin. Und eine Ablehnung des eigenen biologischen Körpers stattfindet. „Es ist sehr wichtig, einerseits darauf zu achten, dass die jungen Menschen auch körperlich unversehrt ins Erwachsenenalter kommen, und andererseits, dass sie ganzheitlich unterstützt werden.“
„Es gibt kaum eine Schule, wo sich nicht in der einen oder anderen Klasse Jugendliche finden, die sagen, sie identifizieren sich entweder als trans oder zum Teil auch als nicht binär.“
Faika El-Nagashi
Wie viele Jugendliche schätzungsweise in Österreich von geschlechtsangleichenden Eingriffen betroffen sind? „Wir wissen von der Statistik Austria, dass die Zahl der Mastektomien, der Brustentfernungen, bei über 100 Jugendlichen jährlich liegt.“ Den medizinischen Eingriffen vorgelagert sind hormonelle Behandlungen. Davor gibt es auch die Möglichkeit der sogenannten sozialen Transition, wenn Jugendliche in ihrem meist schulischen Umfeld, zum Teil auch im familiären Umfeld, schon als das andere Geschlecht quasi behandelt und benannt werden. El-Nagashi: „Es gibt kaum eine Schule, wo sich nicht in der einen oder anderen Klasse Jugendliche finden, die sagen, sie identifizieren sich entweder als trans oder zum Teil auch als nicht binär. Wie geht dann das gesamte Umfeld, nicht nur die Schule, mit dem Umstand um, dass der Junge, den sie gerade noch als Jungen gekannt haben, jetzt plötzlich ein Mädchen ist?“
Die Folgen der Geschlechtsangleichung
Welche Folgen gibt es bei geschlechtsangleichenden Eingriffen? „Geschlechtsangleichende Eingriffe sind hochexperimentelle Medizin. Das sind zum einen Hormonbehandlungen, auch mit schwerwiegenden Langzeitfolgen. Und das sind zum anderen die medizinischen Eingriffe, also Genitaloperationen“, erläutert El-Nagashi. „Diese Genitaloperationen versuchen, chirurgisch Geschlechtsteile zu bauen, die dem des anderen Geschlechts optisch nahekommen, bringen aber zum einen nie das Ergebnis, das sich hier die Betroffenen vorstellen.“ Zum anderen betrifft es eine Körperregion mit vielen anderen Funktionen, etwa Harn- oder Darmtrakt. „Für den sogenannten Penoidaufbau wird ein Hautlappen entnommen von einem anderen Körperteil, vom Arm oder vom Oberschenkel. Hier entstehen sehr große Narben. Es gibt oft Nachoperationen und auch den Bedarf an späteren Operationen. Und das ist etwas, das auch lebenslang medizinisch begleitet werden muss. Auch die Hormontherapien werden im Grunde als lebenslange Therapien verstanden.“ Und: „Es gibt bei den Pubertätsblockern Auswirkungen auf das Körperwachstum und auf die mentale, sexuelle und körperliche Reifung, auf das Erleben der eigenen Sexualität.“
Eingriffe erst bei Erwachsenen
Ihr Resümee: „Daher sollten solche Eingriffe erst bei Volljährigen, ab einem Alter von 25 Jahren, möglich sein, sowohl hormonelle als auch medizinische Eingriffe, die allesamt irreversibel sind.“ Denn was passiert, wenn diese Entscheidung später bereut wird, wenn Transgender-Personen de-transitionieren, also zu ihrem biologischen Geschlecht zurückkehren wollen? El-Nagashi: „Dies bringt großes Leid mit sich, weil dies die Erkenntnis bringt, sich falsch entschieden zu haben oder auch nicht ehrlich aufgeklärt worden zu sein und nicht verstanden zu haben, was das bedeutet, bestimmte körperliche Funktionen oder Körperteile für immer zu verlieren.“