„Ein unglaubliches Gefühl, so in den Sommer zu starten“
Glaubenszeugnis
Viele Pfarren laden im Sommer eine oder mehrere Wochen ins Jungscharlager ein. Die Pfarre am Lainzerbach, Heimatpfarre von Jakob Gulder, fuhr dieses Jahr nach Laa an der Thaya.
Veranstaltung des Jungscharlagers
Herr Gulder, Anfang Juli veranstaltete Ihre Pfarre das jährliche Jungscharlager. Sind Sie mitgefahren?
Jakob Gulder: Das erste Mal, seitdem ich acht Jahre alt war, war ich heuer nicht dabei. Und das fühlt sich für mich ganz komisch an! Für mich markierte das Lager immer den Beginn des Sommers. Es ist ein unglaubliches Gefühl, mit den besten Freundinnen und Freunden in den Sommer zu starten. Es ist sich heuer aber zeitlich einfach nicht ausgegangen.
Jungschar bereits in der Kindheit
Sie nahmen als Jungscharkind an den Lagern teil, leiteten später die Lager und waren zuletzt Hauptverantwortlicher. Was macht ein Jungscharlager so besonders?
Als Kind ist es so: Man kommt mit seinem großen Koffer, mit Isomatte und Schlafsack an und weiß gar nicht so genau, was passieren wird. Der Lagerplatz liegt in der Natur, die Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter haben dort schon alles aufgebaut. Man taucht also sofort in eine ganz andere Welt ein. Oft haben die Kinder schon im Vorfeld einen Brief bekommen, der in die vorbereitete ‚Storyline‘ einführt. Die ganze Woche steht unter einem bestimmten Motto. Die Spiele sind sehr kreativ und passen zum jeweiligen Motto. Abends gibt es Lagerfeuer, da darf das Jungscharlied natürlich nicht fehlen. Insgesamt ist das eine wunderbare Welt, in der man sich ausleben kann.
„Wenn ich etwas bewirken will, muss ich dabei sein.“
Vorsitzender der Jungschar
Sie sind als Sechsjähriger zur Jungschar gekommen, waren Gruppenleiter in der Pfarre und sind seit einem Jahr Vorsitzender der Jungschar in der Erzdiözese Wien. Die Jungschar gehört zu Ihrer Identität – oder ist das zu viel gesagt?
Kennen Sie die Theorie des dritten Ortes? Um aufzublühen, braucht ein Mensch drei Orte: das Zuhause, die Schule bzw. den Beruf und einen Ort wie die Jungschar, wo das Sozialleben stattfindet.
Es gibt derzeit einen viralen Hit im Internet, in dem es heißt ‚Du bist gut genug‘. Das ist der Spirit der Jungschar! Man ist willkommen, wie man ist. Und zusammen bilden wir eine Gemeinschaft. Was mir noch gefällt: Der Glaube wird hier sehr alltagsnahe gelebt, modern und kreativ. Zum Beispiel das Mittagsgebet beim Jungscharlager: Das singen wir nach der Melodie von ‚We will rock you‘. Deshalb habe ich vor einem Jahr auch Ja gesagt, als man mich gefragt hat, ob ich mir vorstellen kann, mich auch auf diözesaner Ebene einzubringen.
Sie arbeiten ehrenamtlich mit?
Ja. Genauso wie viele andere Menschen in den Pfarren. Deshalb sind die Jungscharlager auch so günstig. Das ist mir sehr wichtig zu erwähnen: Die Lager sollen auch für sozioökonomisch benachteiligte Familie leistbar sein. Oft gibt es in den Pfarren selbst auch noch einmal Sozialtöpfe, sodass wirklich jeder mitfahren kann, der möchte. Ein niederschwelliges Angebot für alle.
Sie studieren, schreiben derzeit Ihre Bachelorarbeit und stecken viel Ihrer Zeit in die Jungschar.
Ich werde oft gefragt, warum ich das mache. Auch warum ich mich gerade in der katholischen Kirche einbringe. Dann sage ich immer: Wenn ich etwas bewirken will, muss ich dabei sein. Ich sehe viele Möglichkeiten, wo sich die Kirche weiterentwickeln muss, zum Beispiel bei den Ämtern für Frauen oder bei der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare. Aber wenn ich will, dass sich was ändert, geht das nur, wenn ich mitarbeite.
Jakob Gulder
Alter: 23
Lebensmotto: Be the change you wish to see in the world.
Gott ist für mich: gemeinschaftsstiftend.
Sonntag bedeutet für mich: Entschleunigung.