„Ich bin dem Zauber Gottes verfallen“
Papstbesuch in SpanienBei einer Begegnung mit Teilnehmern aus Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport in Madrid am 7. Juni würdigte der Schauspieler Antonio Banderas den Papstbesuch als besonderes Zeichen des Dialogs mit der Gesellschaft. Als gemeinsame Sprache zwischen Kirche und Gesellschaft hob der Schauspieler die Kunst hervor und sagte: „Wir irren uns wohl nicht, wenn wir sagen, dass die Kirche der größte Kunstproduzent in der Geschichte der Menschheit war.“ Im Mittelpunkt dieses kulturellen Erbes stehe Jesus Christus, „der große Protagonist im Film des Lebens“, der Künstler aller Epochen inspiriert habe. Anschließend schilderte der mit Filmen wie „Zorro“ und „Desperado“ bekannt gewordene Schauspieler Erinnerungen an die Karwochenfeiern seiner Heimatstadt Málaga, die ihn schon als Kind geprägt hätten.
Papst Leo traf Schauspieler Antonio Banderas
In der Verbindung von Volksfrömmigkeit, Kunst und Gemeinschaft sei erstmals die Frage nach Gott in ihm aufgetaucht. Antworten habe er im Glaubensleben seiner Familie und in den Traditionen seiner Heimat gefunden. Zum Abschluss gestand der tiefgläubige Katholik Banderas: „Ich bin heute hier, um zu bekennen, dass ich dem Zauber Gottes verfallen bin.“ Leo XIV. forderte bei dieser Begegnung eine Wertschätzung für das christliche Erbe Europas: „Kann man wirklich glauben, dass das Europa, das wir so sehr lieben, ohne die Spuren des Glaubens dasselbe wäre?“
„Katholische Majestäten“ begleiteten Papst Leo XIV.
Spaniens König Felipe VI. und Angehörige der königlichen Familie begleiteten den Papst auf sämtlichen Stationen. Auch wenn Spanien keine Staatsreligion kennt, sind die Verbindungen der Königsfamilie zur katholischen Kirche stark. Seit Jahrhunderten führen Spaniens Monarchen den vom Vatikan verliehenen Ehrentitel der „Katholischen Majestäten“. Papst Leo XIV. hatte am 6. Juni Europa aufgerufen, interne Konflikte zu überwinden und nicht populistischen Ideologien zu folgen. Im Königspalast in Madrid warnte er vor der „Versuchung, durch das Schüren von Polarisierungen an Popularität zu gewinnen“. Das Geschenk Europas an die Welt sei diese Haltung: „Die Vielschichtigkeit schätzen und ergründen, lernen, sie nicht zu leugnen und sie als Segen anzunehmen, jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern.“
Papst Leo lud Jugendliche zu Menschlicheit ein
Bei einer Gebetsvigil am Abend des 6. Juni in Madrid lud Leo XIV. die Jugendlichen zu Menschlichkeit, Glaubenszeugnis und gesellschaftlichem Engagement ein. Zugleich warb er für die Suche nach Stille und Wahrheit sowie für einen Glauben, der sich in tätiger Nächstenliebe verwirklicht. Vor der Jugendvigil hatte der Papst das Sozialzentrum CEDIA im Madrider Stadtteil Carabanchel besucht, das Menschen ohne festen Wohnsitz sowie Personen in schwierigen sozialen Situationen begleitet. „Fronleichnam bedeutet das Zurückkehren zu den Wurzeln des Glaubens“, sagte Leo XIV. am 7. Juni bei einer Festmesse zum Fronleichnamsfest. Leos Auftrag an das Spanien von heute und morgen: „Dass die Frömmigkeit, die das Land beseelt, kein Museum sei, sondern eine Schule des Glaubens.“
Papst weihte Kirchturm von Sagrada Família
Am 9. Juni reiste Leo XIV. weiter nach Barcelona, wo er den höchsten Kirchturm der Welt einweihte: den 172,5 Meter hohen Christusturm der Basilika Sagrada Família. Am 11. Juni flog er auf die Inseln Gran Canaria und Teneriffa, auf denen besonders viele Bootsmigranten aus Afrika anlanden, und thematisierte Migration und Menschenrechte. Der 10. Juni ist zugleich der 100. Todestag von Antoni Gaudí (1852-1926), Baumeister des Wahrzeichens der katalanischen Hauptstadt.
Den zentralen Turm des Monumentalbauwerks krönt ein fast 100 Tonnen schweres Kreuz aus Stahl und Glas, das am Abend hell erleuchtet war. Mit dem begehbaren Kreuz überragt die Kirche das Ulmer Münster, das mehr als 135 Jahre den höchsten Kirchturm der Welt vorweisen konnte, um rund elf Meter. Für die Öffentlichkeit soll das Kreuz ab 2027 zugänglich sein.
Segnung am Vorplatz der Sagrada Família
Vor der eigentlichen Segnung am Vorplatz der Sagrada Família hatte Leo XIV. eine Messe in der Basilika gefeiert, an der auch das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia sowie Ministerpräsident Pedro Sánchez teilnahmen. Zudem besuchte er die Krypta mit dem Grab Gaudís. In seiner Predigt sagte der Papst, das Gotteshaus sei ein "sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes, zu dessen Ehre ihre Türme emporragen".
Mit dem Bau der Kirche Sagrada Família wurde 1882 begonnen. Architekt Gaudí starb nach 40 Jahren Arbeit nach einem Straßenbahn-Unfall in der Nähe der Baustelle. Seit 2000 läuft für ihn ein Seligsprechungsverfahren. Die Fertigstellung des Gotteshauses, seit 2005 Unesco-Welterbe, soll in den 2030er Jahren erfolgen. Papst Benedikt XVI. (2013-2025) hatte das ungewöhnliche Gotteshaus mit den 18 Türmen im Jahr 2010 in den Rang einer Basilika erhoben.
Papst: Nein zum Krieg
"Die Basilika Sagrada Família ist weit mehr als nur ein Denkmal; sie ist bis heute ein Bauwerk im Entstehen, das uns daran erinnert, dass das christliche Leben stets ein Weg ist, denn es handelt sich um ein Projekt, das Gott verwirklicht", sagte Papst Leo. Die Unvollkommenheit der weiterhin im Bau befindlichen Kirche sei "kein Mangel, denn sie zeugt von einer Sehnsucht; sie bedeutet nicht ein Fehlen von etwas, sondern drückt ein Versprechen aus, das wir konsequent einhalten wollen".
Durch seine Menschwerdung werde Gott für die Menschen "zur Quelle der Gnade und der Vergebung, des Heils und des neuen Lebens", erinnerte der Papst. "Meine Lieben, wir können nicht an Jesus glauben und Krieg führen. Wir können nicht an Jesus glauben und Unschuldige töten. Wir können nicht an Jesus glauben und diejenigen im Stich lassen, die leiden, die weinen, die vor der Not fliehen", sagte Leo XIV. Ausdrücklich forderte der Papst mehr Aufmerksamkeit für die armen und leidenden Menschen auf der Welt. Das Kreuz auf der Spitze des Christusturms sei auch "das Kreuz der Letzten, die die Ersten werden, der Sünder, die Heilige werden, der Toten, die auferstehen werden".
Gaudi-Porträt im Nachthimmel über Barcelona
"Wir wissen, dass wir in schwierigen Zeiten leben, doch wir wollen keine Untergangspropheten sein, sondern Hoffnungsträger", sagte der Erzbischof von Barcelona Kardinal Juan José Omella am Ende des Gottesdienstes. Die Sagrada Familia und der Christusturm ermutigten dazu, "den Blick auf das Licht zu richten, das von diesem Turm mit dem Kreuz Christi ausstrahlt und Christus in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen".
Am Ende der Segnung des Kirchturms erleuchteten Lichter und ein Feuerwerk die Fassade der Basilika. In einer Lichtershow mit Drohnen wurde zudem das Porträt Antoni Gaudis in den nächtlichen Himmel über Barcelona gezeichnet.
Appell des Papstes für Integration und gegen Schlepper
Kurz vor Ende seiner Spanienreise hat Papst Leo XIV. leidenschaftliche Appelle für Integration und gegen Menschenhandel verkündet. Integration bedeute nicht, Parallelwelten zu schaffen. Sie sei ein wechselseitiger Prozess, sagte der Papst am Freitag auf Teneriffa bei einem Treffen mit Migranten und Aufnahmehelfern in San Cristóbal de La Laguna. "Wer ankommt, lernt, sich in einem neuen Land einzuleben, und wer aufnimmt, lernt, sein eigenes Zuhause zu erweitern, ohne dabei seine Identität zu verwässern", sagte Leo XIV.
Die Bevölkerung rief der Papst dazu auf, Migranten so aufzunehmen, dass "der Fremde von gestern der Bruder und Nachbar von heute sein kann". An die Einwanderer appellierte er, "sich vertrauensvoll der Gesellschaft zu öffnen, die euch aufnimmt, ihre Sprache zu lernen, ihre Gesetze zu respektieren, ihre Lebensgewohnheiten kennenzulernen, am gemeinsamen Leben teilzunehmen und eure Gaben dankbar einzubringen". Zum Auftakt seines Besuchs auf Teneriffa hatte der Papst zuvor "Las Raices", ein großes Aufnahmelager für Bootsmigranten, besucht.
Schleppern drohen göttliche Strafen
Mit scharfen Worten wandte sich Leo XIV. an die Schlepper, die Menschen illegal auf dem lebensgefährlichen Seeweg nach Europa bringen. Er forderte sie zur Umkehr auf und sagte: "An diejenigen, die Todesrouten organisieren, Menschenhandel betreiben, Dokumente einbehalten, Arbeiter ausbeuten, Frauen bedrohen, Familien betrügen und das Leid anderer zum Geschäft machen: Hört auf damit."
Das Geld, das man den Armen in ihrer Schutzlosigkeit abnimmt, bringe weder Frieden noch Ehre noch Zukunft, fuhr er fort. "Für jedes verlorene Leben, jede betrogene Familie, jeden unterdrückten Menschen, jede bedrohte Frau, jeden ausgebeuteten Arbeiter werdet ihr euch vor der göttlichen Gerechtigkeit verantworten müssen!"
Papst besuchte Flüchtlingsaufnahmelager
Vor dem Treffen in San Cristóbal de La Laguna hatte der Papst XIV. in Begleitung der spanischen Migrationsministerin Elma Saiz und von Ortsbischof Alberto Santiago das nahe gelegene Flüchtlingsaufnahmelager "Las Raices" besucht. Die dort untergebrachten Menschen lud er in einer Ansprache dazu ein, ihren eigenen Schatz an Menschlichkeit, Träumen und Kultur auf den Inseln weiterzugeben, sich aber ebenso offen für das Gegenüber zu zeigen. Dieser Austausch müsse verantwortungsvoll gestaltet werden, da die Migration "zu einer Gelegenheit der Begegnung und der gegenseitigen Bereicherung zwischen den Völkern werden" könne, sagte er laut Bericht des Portals "Vatican News".
Leo XIV. ermutigte die Migranten, trotz aller biografischen Umbrüche fest im Glauben und im Vertrauen auf Gott verwurzelt zu bleiben, damit kein Lebenssturm sie von dieser stärkenden Gegenwart trennen könne und sicherte den Menschen und ihren Familien sein Gebet zu. Mit Blick darauf, dass viele der Migranten aus Westafrika stammen, sprach der Papst in seiner Rede auf Französisch.
Vierte Auslandsreise mit vielen Höhepunkten endet
Zum Abschluss des Teneriffa-Besuchs und seiner einwöchigen Spanienreise stand für Leo XIV. noch ein großer Gottesdienst im Hafen von Santa Cruz auf dem Programm. Für 16 Uhr (MESZ) war der Rückflug nach Rom vorgesehen. Seit 6. Juni hatte Leo XIV. in einer Reise voller Höhepunkte mit zahlreichen, vielbeachteten Ansprachen zunächst Madrid und Barcelona besucht, bevor er auf die Kanarischen Inseln weiterreiste. Er sprach als erster Papst im spanischen Parlament und predigte in großen Sportarenen. Er hielt Gottesdienste in weltbekannten Kirchen und an Häfen auf den Kanaren.
Im Zentrum seiner Reden stand die Achtung der Menschenwürde, von den Ungeborenen bis zu den nach Europa kommenden Migranten. Er forderte radikale Nächstenliebe, eine Abrüstung im Denken und Reden sowie eine friedvolle Weltordnung angesichts zahlreicher Kriege. Bei vielen Auftritten bejubelten große Menschenmengen den Papst. Den größten Gottesdienst hielt Leo XIV. am vergangenen Sonntag in Madrid, wo er vor mehr als 1,2 Millionen Teilnehmern auch die Fronleichnamsprozession durch die Stadt führte.
Dieser Artikel wurde zuletzt am 12.06.2026 um 13:57 Uhr geändert.