Das „Tasten“
Fünf Sinne
Kinder lernen durch das Greifen und Berühren von Gegenständen nicht nur die Welt kennen, auch die eigene Körperwahrnehmung wird gestärkt. Schon lange bevor Kinder ihre ersten Wörter sprechen, tasten sie ihre Umgebung ab. Dieses Urvertrauen bei der Erkundung der Welt begegnet uns immer wieder auch im Erwachsenenalter, wenn wir uns geborgen fühlen oder unser Vertrauen besonders in das setzen, was jeder auch sofort „begreifen“ und „ertasten“ kann.
Anfassen und begreifen können
Nur das, was wir anfassen und ertasten können, überzeugt uns am meisten. Deshalb erwarten wir, dass den Worten auch Taten folgen. Wir suchen Politiker, die „zum Anfassen“ sind, die nicht nur über unsere Probleme reden, sondern sie auch „anpacken“, selbst wenn es „heiße Eisen“ sind. Auch wir möchten viele Dinge selbst „in die Hand nehmen“.
Wer in den sozialen Netzwerken nach Freunden sucht, braucht sie nur „anzuklicken“. Echte Freunde aber müssen wir in den Arm nehmen.
Gott – das Unbegreifliche begreifen
Als Erwachsene müssen wir immer mehr „begreifen“, dass Gott kein abstrakter „Begriff“ sein kann. Unsere Begriffe stammen aus der sichtbaren und erfahrbaren Welt und lassen sich nicht einfach auf Gott übertragen.
Wenn wir über Gott sprechen, müssen wir deshalb versuchen, das Nicht-Sagbare ins Sagbare, das Unsichtbare ins Sichtbare und das Unbegreifliche ins Begreifliche zu „übersetzen“. Wenn es in der Bibel heißt: „Gott wohnt in einem unzugänglichen Licht“ (1 Tim 6,16), bleibt er für unsere Augen wohl im Dunkeln. Dennoch sehnen wir uns danach, dass sein Licht unsere Herzen „erwärmt“ und „berührt“.
Genau dieses Ziel hatte Jesus in seinem Leben. Beim Evangelisten Johannes heißt es: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“
Gottes Liebe spürbar erfahren
Diesen „unbegreiflichen“ Gott mit unserem Herzen zu erfassen und zu spüren, dass er wie ein liebender Vater zu uns ist, hat Jesus nicht in abstrakten Lehrsätzen, sondern mit einfachen Worten ausgedrückt. Er erinnert uns daran, in welchen Notsituationen des Lebens unsere Barmherzigkeit gefragt ist.
„Sie sollten Gott suchen,
ob sie ihn ertasten und finden könnten.“
Apostelgeschichte 17,27
Es ist im wahrsten Sinne „B-Arm-Herzigkeit“: das Zusammenwirken von spürbar helfenden Armen und einem mitfühlenden Herzen. Der hungrige Mensch fasst Vertrauen, wenn er gesättigt wird, der Durstige, wenn sein Durst gestillt wird, der Fremde, wenn er angenommen, der Nackte, wenn er beschützt und der Kranke, wenn er nicht isoliert wird.
Wenn nichts mehr „begreifbar“ ist
Jeder von uns kennt Situationen, in denen unsere Hoffnung nicht mehr „zu greifen“ scheint, wenn nichts mehr „auf die Reihe“ kommt und vieles sich nur noch „unfassbar“ anfühlt. Gerade dann kann uns ein Wort des heiligen Paulus Trost geben: „Und der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, sei mit uns allen!“ (vgl. Phil 4,7)