Das Staunen wieder neu lernen

Meinung zu 10 Jahre Laudato Si‘
Ausgabe Nr. 21
  • Meinung
Autor:
Als Papst Franziskus am 24. Mai 2015 die Enzyklika Laudato Si’ veröffentlichte, hat Jana Roschitz gerade mit ihrem Lehramtsstudium Mathematik und katholische Religion begonnen. ©Ordensgemeinschaften

Jana Roschitz hat gerade mit dem Lehramtsstudium Mathematik und katholische Religion begonnen, als Papst Franziskus am 24. Mai 2015 die Enzyklika Laudato Si’ veröffentlicht. Sie ist davon überzeugt, das wir das Staunen wieder neu lernen müssen – in der Natur, über Gottes Schöpfung, über uns Menschen.

 

Als Papst Franziskus am 24. Mai 2015 die Enzyklika Laudato Si’ veröffentlichte, habe ich gerade mit meinem Lehramtsstudium Mathematik und katholische Religion begonnen.

Ich erinnere mich noch gut: Ich habe den Text mit einer Gruppe junger Erwachsener gelesen. Nach dem ersten Kapitel waren wir sehr demotiviert weiterzulesen, weil der Papst die Situation unserer Erde, die ausgeplündert und misshandelt (vergleiche Laudato Si’ 2) wird, klar benennt. Franziskus war der erste Papst, der die Umweltkrise so deutlich angesprochen und mit den sozialen und wirtschaftlichen Fragen der Welt verknüpft hat. Immer wieder schreibt er: „Alles ist miteinander verbunden.“ (Vergleiche Laudato Si’ 138)

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Ich verwende lieber den Begriff Schöpfungsverantwortung als Umweltschutz, denn im Zentrum steht nicht der Mensch, der die Welt vor sich schützen muss, sondern Gottes Schöpfung – und daraus erwächst unsere Verantwortung. Die biblischen Schöpfungserzählungen verdeutlichen, Gott hat die Welt gut geschaffen und wir sind Ebenbilder Gottes. Daher hat auch jeder Mensch eine zu achtende Würde, aus der resultiert, dass wir achtsam miteinander und mit dem umgehen, was uns anvertraut ist. Im Alltag heißt das bewusster Konsum, Mülltrennung, regional und saisonal einkaufen, lieber mit der Bahn als mit dem Auto – und manchmal einfach den eigenen Kaffeebecher mitnehmen. So können schon kleine Änderungen einen neuen Lebensstil bewirken.

Ich freue mich, dass der Nachfolger von Papst Franziskus, Papst Leo XIV., auch ein Ordensmann ist, und dass er den Namen Leo gewählt hat. Leo XIII. hat 1891 die erste Sozialenzyklika – damals zur Arbeiterfrage – veröffentlicht. Ich hoffe, dass unser neuer Papst das soziale und ökologische Erbe seiner Vorgänger weiterführt. Was können wir konkret tun, um Hoffnung in der Klimakrise zu geben? Vorbilder sein. Klein anfangen. Uns nicht entmutigen lassen. Verbündete suchen – denn gemeinsam geht vieles leichter. Und ich glaube, wir müssen das Staunen wieder neu lernen – in der Natur, über Gottes Schöpfung, über uns Menschen. Wir werden dankbarer werden und ganz automatisch Verantwortung übernehmen.

Der Kommentar drückt die persönliche Meinung der Autorin aus!

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  • Jana Roschitz
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