Neuer Prager Erzbischof Stanislav Přibyl

Friede als Auftrag
Ausgabe Nr. 18
  • Weltkirche
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Im Prager Veitsdom wurde Stanislav Přibyl als Erzbischof willkommen geheißen.
Im Prager Veitsdom wurde Stanislav Přibyl als Erzbischof willkommen geheißen. ©CC/Pigiret
Möchte Brücken bauen und Versöhnung schaffen: Erzbischof Stanislav Přibyl.
Möchte Brücken bauen und Versöhnung schaffen: Erzbischof Stanislav Přibyl. ©Stephan Schönlaub

Die Herausforderungen des neuen Prager Erzbischof Přibyl sind unter anderem, Versöhnung zu schaffen und Reformstaus anzugehen: Mit Stanislav Přibyl übernimmt ein erfahrener Seelsorger und Kirchenfunktionär die Erzdiözese Prag. Der Redemptorist bringt den Friedensgedanken nicht nur als Motto, sondern als konkreten Auftrag mit.

Vor drei Monaten, am 24. Jänner, stand Bischof Stanislav Přibyl von der nordböhmischen Diözese Leitmeritz neben Kardinal Christoph Schönborn und dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner im Altarraum des Wiener Stephansdoms. Zu dritt weihten sie Josef Grünwidl zum Bischof. Das ist nur eine der zahlreichen Verbindungen zwischen Stanislav Přibyl und seinen österreichischen Bischofskollegen. Als der damals 52-jährige Redemptoristenpater vor zwei Jahren in Litoměřice (Leitmeritz) zum Bischof geweiht wurde, bat er Kardinal Christoph Schönborn um die Festpredigt. Dieser war 1945 auf einem Schloss unweit des Leitmeritzer Bischofssitzes zur Welt gekommen.

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Neuer Prager Erzbischof: Brücken bauen zwischen Tradition, Glaube und moderner Gesellschaft

Mit einem Festgottesdienst im Veitsdom hat am Samstag nun die Erzdiözese Prag ihren neuen Erzbischof Stanislav Přibyl willkommen geheißen. In seiner Predigt unterstrich der neue Erzbischof Přibyl seine Bereitschaft und seinen Wunsch, „Brücken“ zwischen Tradition, Glaube und moderner, säkularer Gesellschaft zu bauen. Als Bischof sei es seine Aufgabe, Kirche und Menschen gleichermaßen zu dienen und auch die Gemeinschaft zwischen Priestern und Laien innerhalb der eigenen Diözese zu stärken. Glaube, Bildung, Authentizität und missionarische Offenheit seien „Grundlage jeder kirchlichen Erneuerung“, so Přibyl.
Wie Schönborn stammt auch Přibyl aus einem Orden: Er ist Redemptorist. Kardinal Schönborn nennt er seit Langem ein Vorbild. In einem Podcast beschrieb sich Přibyl als „hörenden Bischof“ und als „Mittelfeldspieler“. Dieses Bild verbindet er mit seinem bischöflichen Wahlspruch „Friede sei mit euch!“ (Lk 24,36), den er auch als Prager Erzbischof beibehalten will. Der Friedensgruß des auferstandenen Christus habe ihn bereits lange vor seiner Bischofsweihe geistlich begleitet, sagt er.

Konkret werden soll dieser Friedensgedanke im von Přibyl ausgerufenen „Jahr der Versöhnung“ 2026 in der Diözese Litoměřice. Es erinnert an die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese bezeichnete der Bischof als „eiternde Wunde“, die geöffnet werden müsse, um heilen zu können. Geplant sind ökumenische und interreligiöse Friedensgottesdienste an jenen Orten, an denen Menschen im Zuge der Vertreibung ums Leben kamen.

Herausfordernde Region

Nordböhmen gilt kirchlich als besonders herausfordernde Region, da es kaum gewachsene religiöse Bindungen gibt. Přibyl sieht darin jedoch auch eine Chance. Die kleine Diözese Litoměřice bezeichnete er einmal als „Avantgarde“, von der größere Diözesen lernen könnten. Als Erzbischof von Prag wird er diese Erfahrung gut brauchen: In der Erzdiözese hat sich über Jahre ein Reformstau aufgebaut. Sein Vorgänger Jan Graubner verstand seine Amtszeit ausdrücklich als Übergang, Kardinal Dominik Duka davor polarisierte durch politische Nähe zu Rechtspopulisten und umstrittene öffentliche Positionen.
 

Herausforderungen für den musikalisch begabten Prager Erzbischof

Zu den aktuellen Baustellen zählt ein seit Jahren schwelender Konflikt an der Theologischen Fakultät der Karlsuniversität, deren Großkanzler Přibyl nun ist. Zudem wurde das lange verhandelte Konkordat zwischen dem Vatikan und der Tschechischen Republik kürzlich vom Verfassungsgericht gekippt – vor allem wegen Einwänden gegen das Beichtgeheimnis. Das ist ein herber Rückschlag für die kirchenrechtliche Klärung.

Erfreuliches gibt es dennoch: Der musikalisch begabte Erzbischof wird am 15. Juni die neue Orgel im Veitsdom einweihen – möglicherweise auch selbst an der Orgel. Die Musik ist eine weitere Verbindung nach Wien und ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft kirchlicher Zusammenarbeit in Mitteleuropa.

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