Ein Segen für Queere
RegenbogenpastoralEin knallbunter Blumenstrauß auf dem Altar, darüber in großen Lettern „Dein Reich komme“, das Anliegen des Gebetsabends in der reformierten Stadtkirche in der Dorotheergasse war bestens visualisiert.
„Die Kirche war gefüllt mit gutem Geist und vielen Menschen aus unterschiedlichsten Lebenssituationen“
freut sich Gregor Jansen vom Leitungsteam der römisch-katholischen Regenbogenpastoral über den regen Zuspruch.
Die Veranstalter hatten queere Menschen, Verbündete sowie alle Interessierten eingeladen, „gemeinsam Glauben, Hoffnung, Widerstandskraft und Gemeinschaft zu feiern“.
Ein Segen für Queere
Die Glocken läuteten den Abend unter dem Gedanken „Atmen und Aufstehen“ ein. Vermittelt wurde allen,: „Du bist nicht allein“. Alle sind angenommen, so wie Christus alle angenommen hat. In den Lesungen und den Liedern ging es um die Botschaft des Propheten Jesaja 43,1:
„Fürchte dich nicht, ich habe dich beim Namen gerufen.“
Ein besonderer Moment ist der angebotene Einzelsegen – ein auf die Stirn gezeichnetes Kreuz: „Sei gesegnet und gestärkt.“
Jansen berichtet, dass er immer wieder von Personen angesprochen werde, die ihm für diese Initiative dankten „und sich so auch mit der Kirche versöhnen können“, denn leider komme es immer noch vor, dass queere Menschen in ihren Kirchen keinen Platz finden. Es gehe „um den Respekt vor einer anderen Person und ihrer Lebensgeschichte“, meint er. Viele hätten lange mit ihrer Identität im Spannungsfeld von Glauben und Kirche gerungen, „wie sie in Bezug auf ihren Glauben und in ihren Kirchen ihre Identität furchtlos leben und zeigen können. Das nötigt mir großen Respekt ab.“
Eine ökumenische Gruppe nimmt auch jedes Jahr an der Vienna Pride über die Wiener Ringstraße teil. Jansen ist immer mit dabei. Dabei würden die Mitglieder der Gruppe immer wieder positiv angesprochen, berichtet der Pfarrer von Wien Breitenfeld.
Die Menschen fänden es gut, „dass Religionen vertreten sind und gläubige Menschen ein Zeichen für ein Miteinander setzen“. Ziel ist es, kirchliche Räume als Orte der Sichtbarkeit, Stärkung und Begegnung für queere Menschen zu öffnen - und das bewusst über Kirchengrenzen hinweg.
Ob man dabei Gott weiblich ansprechen muss, sei jedem einzelnen überlassen. Beim Verlassen der Kirche bleibt ein Gefühl der Berührung, das nachklingt. Auch das ist Kirche.