Christus ist geboren! Wahrhaftig ist er geboren!

Orthodoxe Weihnachten
Ausgabe Nr. 2
  • Weltkirche
Autor:
Wasserweihe: Nach dem dreimaligen Untertauchen werden mit dem Kreuz der Donaukanal, alle Gewässer, die Anwesenden und die ganze Stadt Wien gesegnet.
Wasserweihe: Nach dem dreimaligen Untertauchen werden mit dem Kreuz der Donaukanal, alle Gewässer, die Anwesenden und die ganze Stadt Wien gesegnet. ©Rupprecht/kathbild.at

Während für viele katholische Familien die Weihnachtszeit bereits ausklingt, beginnt sie für orthodoxe Christen erst. Am 7. Jänner feiern viele von ihnen die Geburt Christi – nicht aus einem anderen Glauben heraus, sondern aus derselben Hoffnung. Als Praktikantin mit serbisch-orthodoxem Hintergrund schreibe ich über ein Weihnachtsfest, das von Fasten und Bräuchen geprägt ist.

Der Blick auf das orthodoxe Weihnachtsfest beginnt oft mit dem Datum. Tatsächlich ist es der auffälligste Unterschied – und zugleich nur ein äußerer. Viele Kirchen, darunter vor allem die serbisch und russisch-orthodoxen, orientieren sich am julianischen Kalender. Andere, etwa die griechisch- und rumänisch-orthodoxen Kirchen, haben den gregorianischen Kalender übernommen und feiern Weihnachten am 25. Dezember. Der unterschiedliche Kalender führt dazu, dass der Weihnachtsfestkreis nicht überall zur selben Zeit begangen wird. Am theologischen Verständnis des Festes ändert das jedoch nichts. In allen orthodoxen Kirchen steht die Feier der Geburt Jesu Christi im Mittelpunkt.

Werbung

Ein einfacher Eichenzweig

Die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest beginnt in der orthodoxen Tradition lange vor dem eigentlichen Festtag. Ein zentraler Bestandteil ist die 40-tägige Fastenzeit, in der auf Fleisch, Milchprodukte und andere tierische Erzeugnisse verzichtet wird. Der 6. Jänner, auch als „Badnji dan“ (Heiligabend) bekannt, ist ein besonders strenger Fasttag. Er ist ein Tag der Stille und der inneren Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Das Fasten erinnert daran, dass Weihnachten nicht mit Überfluss beginnt. Ein zentrales Symbol dieses Tages ist der Badnjak, ein Eichenzweig oder kleiner Eichenstamm. Nach Tradition wird er am Morgen geschlagen und am Abend vor dem Haus oder in der Kirche verbrannt. Vor vielen orthodoxen Kirchen gibt es die Möglichkeit, auch direkt einen Badnjak zu kaufen. Sein Licht und seine Wärme stehen sinnbildlich für Christus, der als Licht in die Welt kommt. In vielen Gemeinden versammelt man sich am Abend zu einem feierlichen Gottesdienst. Badnji dan ist zugleich ein Familientag. Die gemeinsame Zeit, das einfache Essen und das Gebet prägen den Abend.

Hristos se rodi, vaistinu se rodi!

Am Morgen des 7. Jänner erreicht das orthodoxe Weihnachtsfest seinen Höhepunkt. Mit dem traditionellen Gruß „Hristos se rodi!“ – „Christus ist geboren!“ – und der Antwort „Vaistinu se rodi!“ – „Wahrhaftig ist er geboren!“ begegnet man sich an diesem Tag. Viele Familien besuchen früh am Morgen oder in der Nacht zuvor den Gottesdienst. Der Weihnachtstag ist in der serbisch-orthodoxen Tradition eng mit Bräuchen verbunden. Die Česnica, ein rundes Weihnachtsbrot, ist einer davon. In das Brot wird eine Münze eingearbeitet, die beim gemeinsamen Brechen zufällig einer Person zufällt. Sie gilt als Zeichen für Glück und Segen im kommenden Jahr. Mit dem gemeinsamen Mahl wird schließlich das Fasten beendet und das Weihnachtsfest in der Familie gefeiert.

Die große Wasserweihe

Ein weiteres besonderes Fest im orthodoxen Glauben ist die Wasserweihe zum Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie). Die Wasserweihe wird in fließenden Gewässern vollzogen, wo Wasser in Behältnissen bereitgestellt wird. Die Gläubigen nehmen das Wasser im Anschluss an die Liturgie in Flaschen mit nach Hause, wo sie in den kommenden acht Tagen jeweils am Morgen einen Schluck trinken. Zudem besuchen auch die Priester die Gläubigen zu Hause und segnen diese mit dem geweihten Wasser. In Wien wird die Wasserweihe nach dem gregorianischen Kalender am 6. Jänner am Donaukanal gefeiert, wo der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios das Wasser segnet. Der Ritus erinnert an die Taufe Jesu im Jordan und bringt nach orthodoxem Verständnis die Weihe der gesamten Schöpfung zum Ausdruck. Das orthodoxe Weihnachten folgt eigenen Traditionen und Abläufen. Fasten, Liturgie und alte Bräuche prägen den Weg zum Fest. Doch abseits unterschiedlicher Kalender und Traditionen steht dasselbe im Mittelpunkt: die Geburt Jesu Christi. Weihnachten verbindet Christen über Konfessionsgrenzen hinweg, nämlich im Glauben daran, dass Gott Mensch geworden ist

Autor:
  • Lilo Krüger
Werbung

Neueste Beiträge

Advertorial
Advent- und Weihnachtszeit
Kunst und Kirche

Wer für Advent und Weihnachten auf der Suche nach Dingen ist, die nicht nur das Herz erfreuen, sondern auch die Sehnsucht nach Tiefe stillen, ist bei „Kunst und Kirche“, dem Fachgeschäft für religiöses Kunsthandwerk und Kultur am Stephansplatz genau richtig.

| Kunst und Kultur
Ausstellung

Eine kleine Ausstellung im Wien Museum zeigt bis 8. Februar 2026 das Leben der armenischen Gemeinschaft in Wien.

| Heiter bis heilig
Anekdoten

Traditionell gibt es in Wien viele Chöre, doch es wurden oft Sänger gesucht.