Weihnachten feiern im Heiligen Land

Nicht nur am 24. Dezember
Ausgabe Nr. 51
  • Weltkirche
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Der lateinische Patriarch von Jerusalem wird in Bethlehem Weihnachten feiern.
Der lateinische Patriarch von Jerusalem Pierbattista Pizzaballa wird auch in diesem Jahr in der Katharinenkirche in Bethlehem die Christmette feiern. ©MUSSA ISSA QAWASMA / REUTERS / picturedesk.com

Wie vielfältig das Christentum ist, besonders auch, wenn es zum Thema Weihnachten feiern kommt, wird speziell im Heiligen Land deutlich. Hier wird aufgrund unterschiedlicher kirchlicher Traditionen und Kalender gleich mehrmals Weihnachten gefeiert. Klingt verwirrend? Der SONNTAG bringt Klarheit in die Frage der Feiertermine.

Diese Bilder gehören zu den eindrucksvollsten, die in der Weihnachtszeit aus dem Heiligen Land kommen: Am 24. Dezember pilgert der lateinische Patriarch von Jerusalem nach Bethlehem und zelebriert dort die Mitternachtsmette in der katholischen Katharinenkirche, die unmittelbar an die Geburtsbasilika angrenzt. Das Weihnachten feiern im Heiligen Land hat damit begonnen.

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Weihnachten feiern nach dem gregorianischen Kalender

Es ist der Heilige Abend, wie wir ihn im Westen gewohnt sind. Am 25. Dezember folgt dann der Christtag. Die katholische Kirche orientiert sich dabei am gregorianischen Kalender, dem weltweit meistgebrauchten Kalender. Nebenbei bemerkt: Die reformatorischen Kirchen und die Anglikaner machen das genauso. Auch einige orthodoxe Kirchen, die in Jerusalem präsent sind, wie etwa die rumänisch-orthodoxe Kirche, feiern den Heiligen Abend und das Christfest am 24./25. Dezember des gregorianischen Kalenders.

Zwei Kalender bei den Orthodoxen - unterschiedliches Weihnachten feiern

Andere orthodoxe Kirchen – vor allem das Patriarchat von Jerusalem, die „Mutter aller Kirchen“, und die russisch-orthodoxe Kirche – halten sich an den julianischen Kalender: Der 24. und 25. Dezember dieses Kalenders fallen auf den gregorianischen 6./7. Jänner. Demnach lässt sich das Weihnachtsfest auch in orthodoxer Version in Jerusalem zweimal erleben.

Weihnachten feiern am 6. Jänner?

Der Höhepunkt des orthodoxen Weihnachtsfestes ist am 6. Jänner die Pilgerfahrt des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem nach Bethlehem. Festliche Umzüge von Pfadfinder-Musikgruppen leiten die Ankunft des Patriarchen – wie auch schon die des katholischen Patriarchen zwei Wochen davor – ein.

Das Vorrecht der orthodoxen Patriarchen

Der Patriarch und seine Begleitung werden in Bethlehem vom zuständigen orthodoxen Erzbischof zusammen mit angesehenen Bürgerinnen und Bürgern begrüßt. Unter dem arabischen und griechischen Gesang von zwei Chören geht es zur bescheidenen Pforte der Geburtsbasilika. Dort wird der Patriarch vom griechischen Generalkonsul und dem Bürgermeister von Bethlehem in Empfang genommen. Er schreitet sodann über den Mittelgang der Basilika – ein Vorrecht, das nur dem orthodoxen Patriarchen zusteht – zur Ikonostase, um durch die Nikolauskapelle zur Geburtsgrotte hinabzusteigen.

Weihrauch-Opfer und Basilius-Liturgie

Nach dem Gebet in der Geburtsgrotte folgen die eigentlichen liturgischen Feiern: das Weihrauch-Opfer, die Vesper und die Basilius-Liturgie, die nur bei wenigen Festen im Jahr gefeiert wird. Entsprechend dem Status quo aus osmanischer Zeit ist die orthodoxe Liturgie bereits um 15.30 Uhr beendet. Es folgt ein Festmahl im nahen orthodoxen Kloster.

Taufe des Herrn

Am 6./7. Jänner sind die Feierlichkeiten rund um die Geburt des Herren in Jerusalem und Umgebung aber noch nicht zu Ende. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche nämlich lebt im Alltag zwar großteils nach dem gregorianischen Kalender, bei ihren religiösen Festen aber orientiert sie sich ebenfalls am julianischen Kalender und das führt dazu, dass sie Epiphanie, die Taufe Jesu, an unserem 19. Jänner begeht.

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  • Portraitfoto von Andrea Harringer
    Andrea Harringer
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