Care-Arbeit und ihr Wert

Albertina
Ausgabe Nr. 22
  • Kunst und Kultur
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Wischmopp statt Gesicht: Wer Care-Arbeit leistet, bleibt oft geradezu  unsichtbar. Das gilt für bezahlte Arbeit ebenso wie für unbezahlte.
Wischmopp statt Gesicht: Wer Care-Arbeit leistet, bleibt oft geradezu unsichtbar. Das gilt für bezahlte Arbeit ebenso wie für unbezahlte. ©Courtesy SAMMLUNG VERBUND, Wien © Kelly O‘Brien

Nicht nur die ungerechte Verteilung von Care-Arbeit ist Thema der Ausstellung „CARE MATTERS“ in der Albertina, sondern auch die Unsichtbarkeit all jener, die Arbeit leisten, die eines der Fundamente unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens ist.

Die Botschaft ist klar: „Bitte leise putzen“ steht auf dem grün-weiß karierten Geschirrtuch hinter der Plexi­glasscheibe. Nicht auffallen also. Wohl auch: nicht darüber reden, dass hier geputzt wird. Oder andere Care-Arbeit, auch reproduktive Arbeit genannt, geleistet wird. Das Geschirrtuch, ein Werk der österreichischen Künstlerin Christine Lederer, ist eines von rund 50 Werken von 33 österreichischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die die Albertina noch bis zum 28. Juni zeigt und die das Thema Care-Arbeit von verschiedensten Seiten und in unterschiedlichsten Aspekten thematisiert.

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Gesellschaftliche Schieflage bei der Care-Arbeit

In Fotos und Filmen, aber auch Skulpturen wird deutlich gemacht, wer Care-Arbeit verrichtet und was für eine gesellschaftliche Schieflage damit entsteht. Es geht dabei nicht nur um die ungerechte Verteilung zwischen Frauen und Männern, sondern auch um den Zusammenhang zwischen Care-Arbeit und Rassismus. Und auch darum, wie unsichtbar diejenigen sind, die die Care-Arbeit verrichten. Kritisch und unmissverständlich, aber zum Teil auch mit einer Portion Humor und feiner Ironie bringen die Künstlerinnen und Künstler den Unmut und Frust über die zunehmende Last des Sorgetragens zum Ausdruck. Da ist etwa das Foto einer Frau in der Arbeitskleidung einer Reinigungskraft, die sich einen Wischmopp vor das Gesicht hält und damit geradezu als Person verschwindet – ein gelbes Putzwarnschild auf dem Boden wandelt die Warnung um: Nicht „Caution! Wet floor!“ steht da, wie man es sonst von diesen Schildern kennt, sondern „Caution! Invisible Worker here!“ 

Care-Arbeit und Ungleichheiten

Fotos von Künstlerinnen aus Panama, Peru, Brasilien und Südafrika beleuchten, wie reproduktive Arbeit an schwarze und indigene Frauen ausgelagert wird, und machen dabei deutlich: Wenn Care-Arbeit in dieser Form geleistet wird, zeigen sich die Ungleichheiten auf einer ganz anderen Ebene. Ein Film, der mittels einer auf einem Helm befestigten Kamera aufgenommen wurde, zeigt, was die Filmende genau sieht und wie die monotone Tätigkeit des Geschirr-Abwaschens wie selbstverständlich jeden Tag aufs Neue in den Alltag der Care-Arbeiterinnen einfließt.

Care-Arbeit: Wo bleibt die Wertschätzung?

Auch die Komplexität des Alltags in der Elternschaft wird thematisiert – wenn etwa ein ausklappbarer Wickeltisch, wie man ihn aus öffentlichen WCs kennt, gezeigt wird – hier allerdings künstlerisch veredelt und mit dem Hinweis versehen, dass Derartiges meist nur in Damen-Toiletten zu finden ist. Nicht zuletzt widmet die Ausstellung auch dem Thema des Älter-Werdens und seinen Auswirkungen auf die Care-Arbeit einen eigenen Raum und zeigt unter anderem eine Fotoserie über generationsübergreifenden Zusammenhalt in Japan.

Am Ende bleiben die Fragen

Am Ende bleiben die Fragen: Wenn Care-Arbeit essenziell für unser Zusammenleben ist – warum erfährt sie so wenig gesellschaftliche und ökonomische Anerkennung und Wertschätzung? Und: Warum wird der Großteil der Sorgearbeit weiterhin von Frauen, oft unter prekären Verhältnissen, verrichtet? Fragen, die auch lange nach dem Besuch der Ausstellung noch nachwirken.

Autor:
  • Portraitfoto von Andrea Harringer
    Andrea Harringer
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