Beten wir zu wenig für den Frieden?

Ausgabe Nr. 26
  • Brückenbauer
Autor:
©iStock/seregalsv

Frage an den Brückenbauer: „Beten Sie zu wenig für den Frieden? “

Ja, definitiv. Wir beten zu wenig um den Frieden. Und wir fasten auch zu wenig.

Ich bin davon überzeugt, dass der Krieg in der Ukraine viel schneller ein Ende hätte, wenn weltweit Menschen darum beten und dafür fasten würden. Die Bücher der Heiligen Schrift (vor allem die Evangelien und die Apostelgeschichte) bezeugen die Kraft, die vom Gebet – unterstützt durch das Fasten – ausgeht.

Ja, wir beten zu wenig. Was kann man dagegen tun? Mir scheint, dass unsere Zeit nicht sehr für bischöfliche Aufrufe taugt. Mir ist es lieber, Initiativen zu unterstützen und zu stärken. Wie ich eben auch Sie, lieber Leser oder liebe Leserin, der oder die uns diese Frage gestellt hat, bestärken möchte. Und ich nutze die Gelegenheit, um auch andere Menschen zu erreichen, die diese Kolumne lesen und sich dadurch motivieren lassen.

Die mir gestellte Originalfrage lautete jedoch leicht anders und spricht mich persönlich an: „Beten Sie zu wenig für den Frieden?“

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Ja, wohl auch. Zwar bemühe ich mich darum, die Not der leidenden Menschen in den Kriegsgebieten täglich vor Gott zu bringen und bemühe mich, auch dem Fasten einen Stellenwert zu geben. Dennoch könnte es mehr sein, das gebe ich zu. Doch wie viel ist denn „genug gebetet“?

Noch ein Zweites schwingt in der Frage mit: Zählt das Gebet eines jeden Menschen gleich viel? Oder haben Bischöfe mehr Verantwortung, weil ihr Gebet schwerer wiegt? Mir scheint tatsächlich, dass das Gebet mancher Menschen ein besonderes Gewicht hat. In erster Linie nicht das der Bischöfe, sondern (biblisch gesprochen) das der Armen, der Witwen und der Waisen. Jedenfalls das Gebet der notleidenden Menschen, besonders wenn sie unter fremden Sünden zu leiden haben, die „zum Himmel schreien“. Aber auch Bischöfe und Priester haben eine besondere Verantwortung für das Gebet übertragen bekommen, gerade auch, wo die Mächte des Bösen involviert sind.

Meine Konklusion: Es geht nicht um Gebetsleistungen, sondern um ehrliche, mitunter auch schmerzliche Hingabe an unseren Vater im Himmel, in Solidarität mit den unzähligen leidenden Menschen auf der Welt. Und zwar durch Beten, Fasten und Spenden – mit heiterem Gesicht. So hören wir es jeden Aschermittwoch im Evangelium.

Autor:
  • Stephan Turnovszky
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