Der Kirchenaustritt und seine Folgen

Ausgabe Nr. 20
  • Brückenbauer
Autor:
Mann verlässt Kirche
©iStock/lucamato

Frage an den Brückenbauer: „Ist ein Austritt aus der Kirche rechtlich und sakramententheologisch möglich? Bei der Eingliederung in die konkrete christliche Gemeinde ist doch das Sakrament ein unauslöschbares Prägemal. Gibt es also einen heilenden, barmherzigen und toleranten Jesus auch außerhalb der Gemeinschaft der Kirche?“

Menschen treten aus der katholischen Kirche aus und haben dabei sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Bedeutung dieses Schrittes. Da gehen die Meinungen von „Mit Jesus und der Kirche will ich nichts mehr zu tun haben“ bis „Das ist nur ein rechtlicher Schritt ohne Bedeutung für meinen Glauben“. Wie sieht das denn die Kirche selbst?

Das Sakrament der Taufe (und der Firmung) ist tatsächlich unauslöschlich, daran kann auch ein Kirchenaustritt nichts ändern. Bedeutungslos ist er dennoch nicht.

Werbung

In einer Familie sind Geschwister untereinander unauslöschlich verbunden

Mir hilft das Bild von der Familie. Es erscheint mir deshalb so angemessen, weil Jesus dazu aufgefordert hat, Gott als Vater anzusprechen. Daraus ergibt sich, dass wir einander vor Gott Schwestern und Brüder sind: In einer Familie sind Geschwister untereinander und mit den Eltern durch unauslöschliche Blutsbande verbunden. Dennoch kommt es vor, dass sich Einzelne aus der Gemeinschaft der Familie entfernen. Manche gehen aufgrund von Verletzungen auf Distanz, andere sind wegen Missverständnissen verstimmt, andere brechen den Kontakt ganz ab. Damit ändert sich zwar nichts an der Blutsverwandtschaft, sehr wohl aber und in schmerzlicher Weise an der Verbundenheit. Das sehe ich als Analogie zum Kirchenaustritt: Die „Blutsbande der Taufe“ bleiben bestehen, aber die Verbundenheit ist verloren gegangen.

Jetzt mag man rückfragen, ob denn die soziale Verbundenheit für den Glauben so wichtig wäre. Ja, ist sie, denn es ist nicht möglich, ohne Kirche mit Jesus Christus in Beziehung zu bleiben. Damit meine ich nicht nur die röm.-kath. Kirche, sondern die ökumenische Fülle christlicher Gemeinschaften. Weil Gott in Jesus Mensch geworden ist und der Mensch ein Sozialwesen ist, führt der Glaube an Jesus notwendigerweise und immer hin zu einer christlichen Gemeinschaft. Diese fehlt, wenn man als Getaufter „ohne religiöses Bekenntnis“ lebt, und damit fehlt ein wesentliches Moment des Jesus-Glaubens, des Christlichen.

Autor:
  • Stephan Turnovszky
Werbung

Neueste Beiträge

| Kunst und Kultur
„Spiegel“ im Theater Spielraum

Seifenblasen, laute Musik, eine Candy Bar vor dem Eingang: Ehe man sich versieht, scheint man bei „Spiegel“ im Theater Spielraum nicht Zuschauer, sondern Gast einer Hochzeitsgesellschaft zu sein. An die Stelle der Eintrittskarte tritt eine Einladung zur Hochzeit von „Leyla & Joel“. Wer sich als geladener Gast fühlt, ist längst mehr: Mitwisser einer Aufführung, die die Zensur nie genehmigt hätte.

| Spiritualität
Bilderreise zu einem wachen Leben

Stefanie und Gerald Grüssl legen mit dem Buch „Was trägt“, erschienen im Wiener Dom-Verlag, eine bebilderte Hinführung zu den großen Themen des gelingenden Menschseins vor.

| Soziales
Medizin am Lebensende

Zeit: Sie ist eine Ressource, die vor allem am Ende des Lebens knapp wird. Wenn die Gesundheit und die Selbstständigkeit nachlassen, stellt man sich die Frage: Wie ist ein würdevolles Sterben möglich? Ein Blick in das Caritas Socialis Hospiz Verena in der Pramergasse.