Glauben ohne Sonntagsmesse

Ist das möglich?
Ausgabe Nr. 8
  • Brückenbauer
Autor:
Sonntagsmesse
Für Christen hingegen ist der Gottesdienst am Sonntag konstitutiv, für Katholiken in der Form der Sonntagsmesse. ©kathbild.at/Rupprecht

Frage an den Brückenbauer: „Warum soll ich in die Kirche gehen? Mein Glaube zeigt sich ja nicht darin, ob ich die Messe besuche.“

Eine interessante Frage. Bleiben wir zunächst beim Wortlaut: „Mein Glaube zeigt sich ja nicht darin, ob ich die Messe besuche.“ Ja und nein: Der Glaube zeigt sich in der Lebensführung. Sie besteht vor allem im Verhalten im Alltag, aber zur Lebensführung gehört auch die explizite religiöse Praxis.

Die Mitfeier der Sonntagsmesse reicht bei weitem nicht aus, um ein christliches Leben zu führen, aber ohne sie geht es auch nicht. Denn zum Glauben gehören laut Jesu Hauptgebot notwendigerweise Gottesliebe und Nächstenliebe.
Nun könnte man einwenden, die Gottesliebe könne sich auch anders zeigen als durch die Mitfeier des Sonntagsgottesdienstes. Stimmt, das ist bei Nichtchristen der Fall: Ihr Glaube an Gott zeigt sich nicht im sonntäglichen Gebet. Für Christen hingegen ist der Gottesdienst am Sonntag konstitutiv, für Katholiken in der Form der Sonntagsmesse.

Werbung

Katholiken, die meinen, sie könnten gläubig sein, ohne die Sonntagsmesse mitzufeiern, haben sich meistens die tiefe Bedeutung von „Kirche“ nicht zu eigen gemacht. Worin besteht sie? Jesus hätte leicht als solistischer Wunderheiler wirken können, tat er aber nicht. Sondern er sammelte und sandte die zwölf Apostel sowie weitere Männer und Frauen in seinem Namen. Er beauftragte sie und übertrug ihnen das Wirken in seinem Namen. Warum? Weil seine zentrale Botschaft darin besteht, dass Gott durch Menschen zu Menschen kommt, in erster Linie durch den Menschen Jesus von Nazaret. Das steht in der Mitte der sonntäglichen Versammlung: dass Jesus nicht nur in exklusiven Herzensbeziehungen (die auch nötig sind) erreichbar ist, sondern mir sakramental vermittelt durch die Kirche begegnet.

Einen Hinweis gibt das letzte Wort in der gestellten Frage: „Mein Glaube zeigt sich ja nicht darin, ob ich die Messe besuche.“ Tatsächlich: Wenn man die Messe nur besucht wie eine Veranstaltung, zeigt sich darin kein Glaube, weil man ein distanzierter Beobachter bleibt. Wenn ich sie allerdings mitfeiere, dann drückt sich darin mein Glaube aus, der gegebenenfalls auch bereit ist, für diese Mitfeier ein Opfer zu bringen.

Autor:
  • Stephan Turnovszky
Werbung

Neueste Beiträge

| Kunst und Kultur
Sommergespräch Philipp Hochmair

Die Rolle des Jedermann beschäftigt den Wiener seit 2013. Für das im Stück dominierende Thema Tod hat er sich schon als Jugendlicher interessiert. Wie außerdem seine Zeit als Ministrant in Wien-Ottakring in seiner Paraderolle nachwirkt, das hat er Bernadette Spitzer erzählt.

| Weltkirche
Sommergespräch: Franz Xaver Brandmayr

Das Österreichische Pilger-Hospiz in Jerusalem, gegründet 1863, ist das älteste christliche Gästehaus in der Heiligen Stadt. Der bekannte Priester Franz Xaver Brandmayr (70) wurde jetzt zum Rektor ernannt. Er hofft in Anlehnung an ein geflügeltes jüdisches Wort auf ein Wiedersehen vieler Pilgerinnen und Pilger nächstes Jahr in Jerusalem.

| Spiritualität
Marienjahr

So heißt der Titel eines der schönsten Marienlieder im „Gotteslob“, dem Gebets- und Liederbuch unserer Kirche. Zum Marienmonat Mai und zum Rosenkranzmonat Oktober kommen größere Marienfeste und kleinere Gedenktage im Laufe eines Kirchenjahres, die die Facetten des Lebens von Maria feiern.