Barfuß durch den Advent

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 48
  • Hirtenhund
Autor:
Weihnachtssocken
Der Advent sollte nicht die Zeit der Überfülle sein, sondern der Bedürftigkeit. ©Ellads
Der Hirtenhund bellt dieses Mal über die päpstlichen Nike-Sneaker.
Der Hirtenhund bellt dieses Mal über die päpstlichen Nike-Sneaker. ©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt diese Woche über einen verlorenen Papst-Schuh in Vorarlberg und die Widersprüche des Advents zwischen Luxus und Bedürftigkeit.

Einem Papst steht es gut an, barfuß zu gehen. An den Rändern der Welt und Gesellschaft, dort wo Franziskus die Kirche sehen will, kann das zwar unangenehm werden, aber Christus zog ja bekanntlich auch nicht in Prada-Pantöffelchen durch Galiläa.

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Der verlorene Schuh des Papstes

Tatsächlich soll genau einer jener Päpste, der für seine barocke Lebensart und seine Hofstaatführung berühmt war, einen Teil seiner heiligen Beschuhung im Ländle verloren haben – Papst Pius IX. (1846–1878). Sie haben richtig gelesen: in Vorarlberg. Dort nämlich, auf dem Dachboden eines Klosters in Lauterach, hat man mal wieder ordentlich durchgewischt und dabei einen roten Schuh und eine Kappe, die Papst Pius IX. zugerechnet werden, entdeckt. Denkbar sei, dass die Papst-Puschen von Missionaren mitgebracht wurden, spekuliert man. Ich frage mich: Wo ist der andere Schuh? Hat der arme Mann die Entwendung des edlen Leders nicht bemerkt? Und schließlich: Muss gar die Geschichte des Schusterhandwerks neu geschrieben werden und die unscheinbare Wohnstraße „Prada 165a–165c“ in Gaschurn, nur 50 Minuten vom Kloster entfernt, als Ursprungsort der Edel-Gerberei verstanden werden? Schließlich trägt nicht nur der Teufel Prada.

Kontraste auf dem Christkindlmarkt

Solcherlei ging mir durch den Kopf, als ich mich über den Christkindlmarkt am Stephansplatz treiben ließ. Denn auch dort zeigte sich eine mir unerträgliche Spannweite von Dekadenz und Bedürftigkeit auf engstem Raum: Ein Adventkranz etwa wird um 595 Euro angeboten, während wenige Meter daneben ein neuer Carla-Shop der Caritas die Türen geöffnet hat, wo Bedürftige um kleines Geld einkaufen können. Und noch so etwas Widersprüchliches: In der Krise habe die Bevölkerung mehr als zehn Milliarden Euro an Kaufkraft eingebüßt – zugleich geht die Wirtschaft von einem goldenen Weihnachtsgeschäft aus: Es habe sich die Zahl jener verdoppelt, die bereit seien, über 1.000 Euro für Geschenke auszugeben. 

Ein Aufruf zur Besinnung im Advent

Dabei sollte doch der Advent nicht die Zeit der Überfülle sein, sondern der Bedürftigkeit! Gott kommt schließlich nicht auf roten Sohlen, sondern barfuß, nackt. Sie merken: Ich bin jetzt schon des Advents müde. Papst Franziskus scheint das ähnlich zu sehen – und schafft Fakten: Seine im Vatikan beschäftigten Kardinäle werden künftig weniger Gehalt bekommen. Günstige Wohnungen in römischer Top-Lage gibt es schon länger nicht mehr für sie. Aber vielleicht wird ihr Glaubenszeugnis so authentischer werden. Ich werde jedenfalls weiter meine Runden um den Steffl ziehen – wie bisher auch: barfuß. 

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  • Redaktion
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