Zur Moral von KI

Meinung
Ausgabe Nr. 40
  • Meinung
Autor:
Wie moralisch ist KI?
Wie moralisch ist KI? ©iStock/koyu

Wie moralisch ist KI? Zu diesem Thema schreibt Theologe und Kulturphilosoph Clemens Cavallin im SONNTAG.

Was ist KI eigentlich? Vereinfacht gesagt, handelt es sich um Computersysteme, die Aufgaben ausführen können, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern. 

Werbung

KI kann kreativ tätig sein

Das Besondere ist, dass diese Systeme nicht mehr starr programmiert werden, sondern sie lernen aus riesigen Datenmengen. KI kann sowohl analysieren als auch „kreativ“ tätig sein. Der Vatikan hat sich bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt. Ein Dokument mit dem Titel „Antiqua et Nova“ – das Alte und das Neue – ruft uns dazu auf, den heutigen Herausforderungen mit alter und neuer Weisheit zu begegnen. Es erinnert uns daran, dass die menschliche Intelligenz ein Geschenk Gottes ist, ein wesentlicher Aspekt unserer Schöpfung als „Abbild Gottes“. Die Kirche betont, dass wir dieses Geschenk verantwortungsvoll nutzen sollen, um die Schöpfung zu bebauen und zu hüten.  

KI und Empathie

Ein zentraler Gedanke dieses Dokuments ist, was man als „verkörperten Humanismus“ bezeichnen könnte. Es wird betont, dass keine KI-Anwendung jemals in der Lage sein wird, echte Empathie zu empfinden. Echte Empathie bleibt dem Menschen vorbehalten. Daher ruft uns das Aufkommen der KI dazu auf, eine neue Wertschätzung für alles Menschliche zu entwickeln. Menschliche Intelligenz entwickelt sich organisch. Sie wird geformt durch unzählige leibliche Erfahrungen: durch unsere Sinne, unsere Emotionen, unsere sozialen Interaktionen. KI hingegen hat keinen Körper. Es fehlt ihr die gelebte, persönliche Erfahrung, die jeden von uns einzigartig macht. Deshalb kann KI, auch wenn ihre Fähigkeiten unglaublich erscheinen, nur einen kleinen Teil dessen abbilden, was den menschlichen Geist ausmacht. Sie kann kein moralisches Urteil fällen oder echte Beziehungen aufbauen. 

Der Mensch und die KI

Künstliche Intelligenz zwingt uns, neu darüber nachzudenken, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Die Antwort der Kirche darauf kann nicht in Angst oder Ablehnung bestehen, sondern in der Entwicklung einer neuen, zeitgemäßen Soziallehre, die auf dem reichen Erbe unseres Glaubens aufbaut und uns hilft, diese Zukunft weise und menschenwürdig zu gestalten. 

Der Kommentar drückt die persönliche Meinung des Autors aus!

Schlagwörter
Autor:
  • Clemens Cavallin
Werbung

Neueste Beiträge

Advertorial
Ausbildung am Konservatorium für Kirchenmusik
Diözesankonservatorium

In den drei Ausbildungszweigen "Kirchenmusik", "Lied-Messe-Oratorium" sowie "Neues Geistliches Lied“ werden Schülerinnen und Schüler auf die vielfältigen Aufgaben, als Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker vorbereitet.

| Leben
5. Mai, Tag des Lokaljournalismus

Was passiert eigentlich in unseren Pfarrgemeinden? Wer berichtet über Kirchenfeste sowie neue Projekte und gibt Einblicke in Kultur und Glauben? Genau hier zeigt sich, wie wichtig Lokaljournalismus für das kirchliche Leben ist. Doch was ist „Lokaljournalismus“ überhaupt?

| Weltkirche
Friede als Auftrag

Die Herausforderungen des neuen Prager Erzbischof Přibyl sind unter anderem, Versöhnung zu schaffen und Reformstaus anzugehen: Mit Stanislav Přibyl übernimmt ein erfahrener Seelsorger und Kirchenfunktionär die Erzdiözese Prag. Der Redemptorist bringt den Friedensgedanken nicht nur als Motto, sondern als konkreten Auftrag mit.