Wo sich Kunst und Glauben berühren

Rainers Kreuzbilder im Dom
Ausgabe Nr. 9
  • Kunst und Kultur
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„Das Kreuz – das Zeichen das bleibt“: unter diesem Titel werden derzeit in Sankt Stephan Kreuzbilder auf Holz sowie Kaltnadelradierungen von Arnulf Rainer präsentiert.
„Das Kreuz – das Zeichen das bleibt“: unter diesem Titel werden derzeit in Sankt Stephan Kreuzbilder auf Holz sowie Kaltnadelradierungen von Arnulf Rainer präsentiert. ©Kathpress/Pernsteiner

Im Stephansdom laden bis 7. Juni 77 Kreuzdarstellungen Arnulf Rainers (1929–2025) zur Betrachtung ein.

Mit einer feierlichen Eröffnung im vollen Stephansdom hat am Abend vor dem Aschermittwoch die Ausstellung „Das Kreuz – das Zeichen, das bleibt“ begonnen. Bis 7. Juni sind dort 77 Kreuzarbeiten Arnulf Rainers zu sehen – sieben großformatige Holzkreuze und 70 Kaltnadelradierungen aus fast sechs Jahrzehnten. Die vom Domkapitel und der Sammlung Trenker organisierte Schau stand bereits im Vorfeld im Zeichen öffentlicher Diskussionen, weil Rainer einer Präsentation im Dom zuletzt ablehnend gegenüberstand.

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Eröffnung der Ausstellung der Kreuze von Arnulf Rainer im Stephansdom

Erzbischof Josef Grünwidl betonte in seiner Eröffnungsrede, Rainers Werke „gehörten nicht nur ins Museum, sondern auch den Sakralraum“. Die Kreuzbilder hätten „viel zu sagen“ und könnten in der Fastenzeit zur „Veränderung“ anregen – jener Veränderung, die letztlich jede Kunst bewirke. Rainers Credo sei die „permanente Suche“ gewesen. Grünwidl zeigte sich überzeugt, Gott habe sich mit dem Künstler „gut verständigt“ und Rainer sehe das Kreuz nun „leuchtend hell (…) im Licht von Ostern“.

Bundeskanzler Christian Stocker, der den offiziellen Eröffnungsakt setzte, hob die Vieldeutigkeit des Kreuzes hervor. Für viele sei es ein verbindendes Symbol, das sowohl die „vertikale Verbindung zu Gott“ als auch die horizontale zu den Menschen ausdrücke. Angesichts der Debatten im Vorfeld sagte er: „Welche Wirkung die Ausstellung hat, muss jeder selbst beantworten.“ Dompfarrer Toni Faber unterstrich den geistlichen Rahmen vor Beginn der Fastenzeit und stellte klar: „Keine Vereinnahmung dieser Kreuze steht uns an.“ Die Präsentation solle ein offener Raum für unterschiedliche Zugänge zu Kunst und Glaube sein.

Sammler Werner Trenker würdigte Arnulf Rainer

Sammler Werner Trenker würdigte Rainer als Vertreter der österreichischen Nachkriegsavantgarde, dessen Werk sich „der Gefälligkeit verweigert und die Herausforderung sucht“. Jesuit Gustav Schörghofer deutete Rainers Arbeiten als Hinweis auf einen „zweiten Raum“, der sich im Prozess der Betrachtung erschließe. Der SONNTAG empfiehlt: In den Stephansdom gehen, hinsehen und die Kreuze wirken lassen; gemäß dem Titel „Das Kreuz, das Zeichen, das bleibt“.

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  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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