Wiesenvogel mit Weitblick
Schöpfungsverantwortung für den Vogel des Jahres 2026
Ob beim Kartenspiel, im Schachklub oder sogar im Gerichtssaal: Der Kiebitz ist der neugierige Zuschauer, dem angeblich „kein Spiel zu teuer“ ist. Wer „kiebitzt“, macht mit offenen Augen einen Schritt zur Seite: Er schaut zu, späht über Schultern, beobachtet das Geschehen aufmerksam – ohne selbst mitzuspielen. Wie passend, dass auch jene Menschen, die Gerichtsverhandlungen aus Interesse, Neugier oder purer Lust am Zuschauen verfolgen, als „Gerichtskiebitze“ bezeichnet werden.
Der Kiebitz hat kein leichtes Leben
Doch der Kiebitz ist nicht nur eine sprachliche Figur und Bezeichnung für neugierige Beobachter in der Gesellschaft. Seinen Namen verdankt der „Gerichtskiebitz“ schließlich einem echten Vogel – und der hat das aufmerksame Beobachten zur Lebenskunst gemacht. Oft steht der Wiesenvogel am Rand der Felder und mustert wachsam seine Umgebung.
Passionierte Vogelbeobachterinnen und -beobachter erkennen den Kiebitz leicht aufgrund seines markanten Aussehens: Er ist ein kräftiger, etwa taubengroßer Vogel, schwarz-weiß gefärbt mit metallisch grünem Glanz am Rücken und einer langen, dünnen Federholle – so nennt sich der spitz zulaufende Federschopf auf seinem Hinterkopf. Im Flug fallen vor allem seine breit gerundeten Flügel auf. Auch sein Ruf ist unverkennbar: Er produziert verschiedene langgezogene, heisere Rufe, die ähnlich klingen wie „kiju-wit“, was ihm auch seinen Namen gegeben hat. Laut wird der Kiebitz vor allem während der Brutzeit, um sein Revier zu markieren und Weibchen anzulocken oder um sein Nest zu verteidigen.
Der Kiebitz gehört zu den Feld- und Wiesenvögeln und damit zu jener Vogelartengruppe, denen es in Österreich am schlechtesten geht. Seine Bestände sind in den vergangenen Jahrzehnten um mehr als die Hälfte eingebrochen. Aktuell werden nur rund 3.800 bis 6.900 Brutpaare österreichweit gezählt, ein Minus von 57 Prozent seit 1998. Der Kiebitz gilt in Österreich laut Roter Liste als potentiell gefährdet und ist auf der BirdLife-Ampelliste in der Kategorie mit der höchsten Handlungspriorität geführt.
Große Herausforderungen
Ursprünglich war der Kiebitz ein Bewohner feuchter und mager bewachsener Wiesen mit guter Rundum-Sicht. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und weil sumpfige Wiesen weitgehend entwässert und kultiviert wurden, hat der Kiebitz sein ursprüngliches Habitat verloren. Geeignete Brut- und Nahrungsflächen zu finden, ist zur Herausforderung geworden. Der Vogel schaffte jedoch teilweise den Umstieg auf einen Ersatzlebensraum mit Rundum-Sicht, die Ackerlandschaft. Doch weil der Kiebitz seine Eier bevorzugt auf unbebaute Äcker ablegt und dort brütet, gerät er seit Jahrzehnten in die Mühlen der modernen Technik der Feldbewirtschaftung. Besonders während der empfindlichen Brutzeit von März bis in den Juni ist er dort zahlreichen Gefahren ausgesetzt: Auf den Ackerflächen sind das sowohl das Vorbereiten des Bodens als auch das Einsäen und zum Teil auch die Düngung der Flächen, was die Nester zerstört, noch bevor die Küken schlüpfen können.
Im Grünland ist es vor allem die frühe Mahd. Viele Erstgelege des Bodenbrüters werden zumeist vollständig durch die maschinelle Bewirtschaftung im April vernichtet. Und auch wenn es Küken schaffen zu schlüpfen, stehen sie vor einem ernsthaften Problem: In den Getreideanbaugebieten steht ab Mai die Vegetation so dicht und hoch, dass diese Flächen für die Kiebitze nicht mehr nutzbar sind. In den Maisanbaugebieten treffen die Jungvögel auf eine trockene und nahezu insektenfreie Umgebung, in der eine effiziente Nahrungsaufnahme unmöglich ist.
Der Kiebitz ist nicht verloren
Doch die gute Nachricht ist: Dieser negative Ablauf kann mittels einfacher Maßnahmen gestoppt werden. Einerseits schützt eine verzögerte Aussaat von Mais und Soja die Erstgelege der Kiebitze. Andererseits können die Gelege-Standorte mit einer Art kleinen Fahne, die gut sichtbar in alle Richtungen in die Höhe steht, markiert werden, sodass die Gelege bei der Feldbewirtschaftung ausgespart werden können. Ein gezielter Lebensraumschutz für den Kiebitz umfasst aber auch, wo möglich, die Anlage und den Erhalt von feuchten Mulden – sogenannten „Sutten“ – Brachen sowie Feuchtwiesenresten in der Ackerlandschaft. Bis Mitte Juni können unbewirtschaftete „Kiebitz-Inseln“ in Feldern einen großen Unterschied machen.
Die österreichweite Initiative „Gemeinsam für den Kiebitz“ unter der Federführung der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich und dem Verein thema:natur setzt sich gezielt für den Schutz des Kiebitzes und weiterer gefährdeter Bodenbrüter in der heimischen Agrarlandschaft ein. Aktuell arbeitet BirdLife in rund 14 Projektregionen österreichweit ganz gezielt – in enger Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten – für den Schutz des Kiebitzes in Österreich.
Schutzschirm für andere
Denn ob es den Kiebitz in Österreich weiter gibt oder nicht, ist nicht egal. Der Kiebitz nämlich ist eine sogenannte Schirmart – eine Tierart, deren Schutz nicht nur das eigene Überleben sichert, sondern indirekt auch das vieler anderer Arten in diesem Ökosystem. Denn die Schirmart stellt hohe Ansprüche an ihren Lebensraum und kann nur weiterexistieren, wenn dieser vielfältig und ressourcenreich ist. Sie bildet also quasi einen Schutzschirm für das System. Für das Ackerland bedeutet das, dass der Kiebitz wesentlich dazu beitragen kann, den dramatischen Verlust an Biodiversität zu bremsen.
Winterfütterung für Vögel
Während der Kiebitz in den Wintermonaten in den Süden zieht, bleiben andere heimische Vogelarten in den kalten Monaten hier bei uns in Österreich. Meise, Rotkehlchen, Spatz und Co. sind an die härteren Bedingungen im Winter zwar gut angepasst, freuen sich aber trotzdem über gut platzierte und durchdachte Unterstützung. Das Füttern der Vögel am Futterhäuschen etwa kann vielen durch diese Zeit helfen. Wichtig ist dabei, die Tiere fachgerecht zu füttern, um ihnen nicht zu schaden!
▸ Körnerfresser wie Finken, Sperlinge und Ammern brauchen Samen, Sonnenblumenkerne, Getreide und gehackte Nüsse.
▸ Weichfutterfressern wie Rotkehlchen, Amseln, Meisen und Zaunkönigen füttert man getrocknete Beeren, Rosinen, ganzes Obst, Haferflocken, Nüsse, Kleie und Fettfutter.
▸ Meisenknödel und Meisenringe sind als fertige Futtermischungen im Handel erhältlich. Aber bitte Vorsicht: Es kommt immer wieder vor, dass sich Vögel mit ihren Füßen in den Meisenknödelnetzen verfangen! Bieten Sie Meisenknödel daher besser lose oder in dafür vorgesehenen Metallkörben an.
▸ Speisereste oder gesalzene Lebensmittel dürfen den Vögeln nicht angeboten werden! Auch Brot eignet sich nicht als Vogelfutter.