Vor Entscheidungen beten – wie Jesus
Bausteine für eine alltagstaugliche Spiritualität
Jesus betet fast immer und überall
Jesus wuchs im Glauben und in der Glaubenspraxis des Bundesvolkes Israel auf. Er erlernte das Gebet mit jenen Worten und Formen, mit denen sein Volk in der Synagoge von Nazaret und im Tempel betete. So heißt es dann im Lukasevangelium (Kapitel 4, Vers 16) von Jesus: „So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge.“ Die Evangelien kennen nicht wenige Gleichnisse und Weisungen Jesu, wie man gleichsam „richtig“ beten soll. Besonders das „Vaterunser“ nennt den Inhalt des Gebets, worum man beten soll und darf.
Besonders Lukas zeigt Jesus als Betenden
Alle vier Evangelien berichten, dass Jesus lehrt, heilt und betet. Und doch kann man das Lukasevangelium als das Evangelium des Gebetes bezeichnen. Denn laut dem Lukasevangelium betet Jesus vor den entscheidenden Schritten seiner Sendung. Vor seiner Taufe (Kapitel 3, Verse 21 bis 22): „Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ. Und während er betete, öffnete sich der Himmel ...“ Auch bei der Verklärung (Kapitel 9, Verse 28 bis 29): „Es geschah aber: Etwa acht Tage nach diesen Worten nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus zu sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.“ Und auch im Garten von Getsemani (Kapitel 22, Vers 41): „Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete …“
Jesus: auf einen Berg, um zu beten
Jesus betet auch hinsichtlich der Sendung seiner Apostel. So heißt es im sechsten Kapitel, Verse 12 bis 13: „Es geschah aber in diesen Tagen, dass er auf einen Berg ging, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel.“ Jesus betet auch vor dem Christusbekenntnis des Petrus (Kapitel 9, Vers 18): „Und es geschah: Jesus betete für sich allein und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute?“ Und Jesus betet auch darum, dass der Glaube des Petrus, des Hauptes der Apostel, in der Versuchung nicht wanke (Kapitel 22, Vers 32). Im Beten Jesu überlässt sich sein menschlicher Wille vertrauend dem liebenden Willen des Vaters. „Und es geschah: Jesus betete einmal an einem Ort; als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger beten gelehrt hat!“ (Lukasevangelium, Kapitel 11, Vers 1). Als Jüngerinnen und Jünger Christi können wir das Gebet vom Meister lernen. Jesus zieht sich oft, mit Vorliebe in der Nacht, auf einen Berg zurück, um zu beten, so auch nach der Heilung eines Aussätzigen (Lukas, Kapitel 5, Vers 16): „Doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten.“
Jesus und das „hohepriesterliche“ Gebet
Der Evangelist Johannes überliefert im 17. Kapitel seines Evangeliums (Verse 1 bis 26) ein Gebet, das die christliche Tradition mit gutem Grund das „hohepriesterliche“ Gebet Jesu nennt. Dieses Gebet Jesu ist das längste, das im Evangelium weitergegeben wird. Der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nummer 2.748) fasst den Inhalt so zusammen: „Gott und die Welt; das Wort und das Fleisch; das ewige Leben und die Zeit; die Liebe, die sich hingibt und die Sünde, welche die Liebe verrät; die Jünger, die anwesend sind, und die Menschen, die auf deren Wort hin an ihn glauben werden; die Erniedrigung und die Erhöhung. Es ist das Gebet der Einheit.“