„Betet – selbst wenn ihr kocht“

Bausteine für eine alltagstaugliche Spiritualität
Ausgabe Nr. 42
  • Spiritualität
Autor:
Betet - selbst wenn ihr kocht
„Betet ohne Unterlass“: So appelliert Paulus an die Christen in Thessalonich. Auch das Kochen kann eine gute Gelegenheit für das Beten sein. ©romaset/Stock photo ID:2156263145

Wie Christen gemäß dem Neuen Testament „ohne Unterlass“ beten können – und das ganz ohne Leistungsdruck. Und sogar beim Kochen.

Beten - das Um und Auf der Christen

Die Frühzeit der Kirche, das sogenannte Urchristentum, wird vom Evangelisten Lukas in der frühesten Kirchengeschichte, der Apostelgeschichte (Kapitel 1, Vers 14), so beschrieben: Sie alle, also die Apostel, verharrten dort, im Obergemach in Jerusalem, „einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern“. Glauben und Leben der jungen Kirche fasst Lukas so zusammen: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apostelgeschichte, Kapitel 2, Vers 42).

Was und wie sie damals beteten

Noch hatten die frühen Christen kein eigenes sogenanntes Neues Testament, sie lasen das Erste („Alte“) Testament meist in der Übersetzung der griechischsprachigen Bibel, der Septuaginta. Der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nummer 2.625) umschreibt diese damalige Situation so: „Die Gläubigen halten sich zunächst an die Gebete, die sie in der Schrift hören und lesen. Sie beziehen diese jedoch auf die Gegenwart. Dies gilt insbesondere von den Psalmen, die ja in Christus erfüllt sind (vergleiche Lukas 24,27.44). Der Heilige Geist, der seiner betenden Kirche Christus in Erinnerung ruft, führt sie auch in die ganze Wahrheit ein. Er regt an, das unergründliche Mysterium Christi, das im Leben, in den Sakramenten und in der Sendung der Kirche am Werk ist, neu in Worte zu fassen.“

Das Beten in Christus

Nach dem Apostel Paulus ist das Beten der Christen ein Sprechen zum Vater durch Christus, in Christus. Josef Weismayer, langjähriger Wiener Universitätsprofessor für Dogmatische und Spirituelle Theologie, erklärt dies so: „Dieses Beten in Christus ist ermöglicht durch den Heiligen Geist … Der Christ darf durch den Geist als Gabe des Auferstandenen eintreten in die Gottesbeziehung Jesu, wie dieser darf er Gott mit dem vertrauten Wort ,Abba‘ (,Vater‘) ansprechen.“ Mit anderen Worten, so Weismayer: Christliches Gebet ist „ein Sprechen mit Christus zum Vater in der Kraft des Heiligen Geistes“.

„Betet jederzeit im Geist“

Paulus appelliert an die Christen in Thessalonich in seinem ersten Brief (Kapitel 5, Verse 17 bis 18) an die dortige Kirche: „Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus.“ Auch im Brief an die Epheser (Kapitel 5, Vers 20) wird der Dank genannt: „Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus!“ Und es folgt eine Mahnung (Kapitel 6, Vers 18): „Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen …“

„Beten und kochen“

„Es wurde uns nicht vorgeschrieben, beständig zu arbeiten, zu wachen und zu fasten. Doch ist es für uns ein Gesetz, unablässig zu beten“, so interpretierte der Mönch und Schriftsteller Evagrius im vierten Jahrhundert diese Mahnung.  Beten ist immer möglich, am besten durch regelmäßige Gebetszeiten, etwa morgens und abends. Und das ohne Leistungsdruck, also kein uns stressendes Beten rund um die Uhr. Aber dafür braucht es eine wache Aufmerksamkeit. „Selbst auf dem Marktplatz oder auf einem einsamen Spaziergang ist es möglich, oft und eifrig zu beten. Auch dann, wenn ihr in eurem Geschäft sitzt, oder gerade kauft oder verkauft, ja selbst wenn ihr kocht“, so erklärte Johannes Chrysostomus, einer der vier Kirchenlehrer des christlichen Ostens, den Vers, dass die Christen ohne Unterlass beten sollen. 

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Autor:
  • Stefan Kronthaler
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