Visionen für eine bessere Zukunft
Wie wir leben wollenDie Bandbreite der Themen reicht von Gesundheit, Klima und Wirtschaft bis zu Jugend, Migration und Integration. Gemeinsam mit 27 Autorinnen und Autoren hat Theologe Christian Friesl das Buch „Wie wir leben wollen – Visionen für eine bessere Welt“ im Verlag edition a herausgebracht. Unter den Mitherausgeberinnen ist auch die bekannte Pastoraltheologin und Universitätsprofessorin Regina Polak. Das Buch bietet Anhaltspunkte, um positiv auf die nächsten zehn Jahre in Österreich zu blicken.
Ein Buch über die Zukunft
Wie ist Ihnen die Idee gekommen, ein Buch über die Zukunft zu publizieren?
Christian Friesl: „Wie wir leben wollen“ ist ein Buch über eine positive Zukunft. Die erste Idee entstand im Umkreis unseres Netzwerks Werteforschung an der Universität Wien. Nach vielen wissenschaftlichen Analysen geht es diesmal um das Wünschen und das Wollen. Und ums Stellung-Beziehen. Wir möchten zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen zuversichtliche Antworten geben auf die Frage „Wie wollen wir leben?“.
Wichtige Themen der Zukunft
Das Buch umspannt Themen wie Demokratie, Menschenrechte, Arbeit, Digitalisierung, Klimaschutz, Gesundheit, Migration oder Religionsfreiheit. Welches dieser Themen liegt Ihnen besonders am Herzen?
Alle unsere 13 Themen sind wichtig, aber besonders wichtig ist mir die Demokratie. Menschenrechtsbasierte liberale Demokratien sind weltweit unter Druck. Es braucht wachsame Aufmerksamkeit, um die Erosion der Demokratie frühzeitig zu erkennen. Und es braucht Ideen, mit denen Demokratien gestärkt werden können. In unserem Buch kommen Vorschläge zur Demokratiereform an vielen Stellen vor: Bürgerbeteiligung, Medienreform, Demokratie in der Schule sind nur drei davon.
Eine gute Zukunft?
Wirtschaftskrise, Corona-Krise, Klimawandel, Krieg in der Ukraine und in Gaza und Hunger in vielen Teilen der Welt: Momentan lässt die Gegenwart für die Zukunft eine weniger rosige Aussicht erahnen. Warum denken Sie trotzdem, dass die Zukunft in den nächsten fünf bis zehn Jahren Gutes für uns bereithält?
Es kommt darauf an, was wir aus der Zukunft machen, persönlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Zeiten der Krisen, wie wir sie jetzt erleben, können zu Zeichen der Zeit werden, zum Ort, an dem neue Ideen für die Zukunft entstehen. Krisen können daher zum Kairos werden. Dieser griechische Gott steht als Symbol für die gute Gelegenheit, die man hoffentlich rechtzeitig beim Schopf packt. Mit so einer Haltung sind wir der Zeit nicht ohnmächtig ausgeliefert, sondern können aktiv unsere Zukunft mitgestalten. Das gilt für uns als Einzelpersonen, aber auch für Österreich und Europa.
„Was mir am meisten fehlt, ist mehr Aufmerksamkeit für globale Themen und Probleme.“
Christian Friesl
Sie schreiben im ersten Kapitel Ihres Buches, dass „Krisen auch stets ein Metanoia-Momentum eigen“ ist. Im theologischen Kontext ein Moment der „Buße“ oder „Umkehr“. Bei welchen Themen hat sich die Menschheit verrannt und sollte besser umkehren oder einen anderen Weg einschlagen?
Das ist eine schwierige Frage, weil es bei vielen Themen Positives und Negatives zugleich gibt. Das gilt zum Beispiel für das Gesundheitsthema, die Ökologiefrage oder auch die Wirtschaft. Es gibt hinsichtlich Erfolgen oder Rückschritten auch große regionale Unterschiede, was eine differenzierte Bewertung braucht. Was mir aber am meisten fehlt, ist mehr Aufmerksamkeit für globale Themen und Probleme. Schon seit Jahrzehnten gibt es in verschiedenen Regionen kriegerische Auseinandersetzungen, wirtschaftliche Katastrophen, Gesundheitskrisen oder ökologische Verwerfungen. Mit einem aufmerksameren Blick auf die Welt hätten wir schon lange erkannt, dass massive Probleme auf uns zukommen.
Methodologie der Wiener Pastoraltheologie
Die Logik der Beiträge folgt einer Methodologie der Wiener Pastoraltheologie, schreiben Sie im Buch. Können Sie genauer erklären, worum es sich hier handelt?
In jedem Beitrag und zu jedem Thema möchten wir zunächst hinschauen und verstehen. Dieser Befund wird dann von den Autorinnen und Autoren kritisch eingeschätzt. Darauf basiert der Hauptteil jedes Kapitels, nämlich Zukunftsbilder und Visionen zu entwerfen. Und dann schließt jeder Beitrag mit den zentralen Maßnahmen ab, um diese Zukunft zu erreichen.
13 Thema für die Zukunft
13 Themen werden in dem Buch behandelt und die drei jeweils wichtigsten Visionen aus diesen Themen am Ende des Buches zusammengefasst. Sie schreiben auch zu Beginn, dass sich nicht alle relevanten Themen ausgingen. Fehlt Ihnen ein wichtiges Thema im Buch?
Wir hätten gerne noch weitere Themen behandelt, aber ein Buch hat umfangmäßig seine Grenzen. Aber vielleicht regt es ja andere an, über die Zukunft von gesellschaftspolitischen Themen nachzudenken, die wir nicht behandelt haben: Altern und Pflege gehören da dazu, Familie oder auch Kunst und Kultur.
Zur Person
Christian Friesl ist Theologe. In den vergangenen Jahren hat er unter anderem an der Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien, der Johannes Kepler Universität Linz und der Donau-Universität Krems gelehrt.
Buchtipp
Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Politik zeichnen ein zuversichtliches Bild von Österreich, wie es in 10 Jahren aussehen könnte. Die Bandbreite der Themen reicht von Gesundheit, Klima und Wirtschaft bis zu Jugend, Migration und Integration.
Herausgeber ist Christian Friesl. Weitere Autorinnen und Autoren sind etwa Holger Bonin, Kenan Güngör, Paulus Hochgatterer, Othmar Karas, Judith Kohlenberger, Johannes Kopf, Maria Katharina Moser, Christoph Neumayer.
„Wie wir leben wollen. Visionen für eine bessere Welt“, Verlag edition a, 304 Seiten, ISBN: 978-3-99001-849-1 EUR 25,-