„Vienna Hay“: Armenien in Wien

Ausstellung
Ausgabe Nr. 2
  • Kunst und Kultur
Autor:
Erinnerungskultur am Denkmal von Franz Werfel. Der österreichische Autor thematisierte mit den Nationalepos „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ den Völkermord am armenischen Volk.
Erinnerungskultur am Denkmal von Franz Werfel. Der österreichische Autor thematisierte mit den Nationalepos „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ den Völkermord am armenischen Volk. ©Klaus Pichler

Eine kleine Ausstellung im Wien Museum zeigt bis 8. Februar 2026 das Leben der armenischen Gemeinschaft in Wien.

Die armenische Gemeinschaft in Wien gehört zu den ältesten der Stadt. Es verwundert daher nicht, dass ihre Diaspora die Geschichte der Stadt geprägt hat. Wie zum Beispiel der aus Istanbul stammende Johannes Diodato. Er erhielt 1685 das erste Privileg für öffentlichen Ausschank von Kaffee und gilt damit als Begründer der Wiener Kaffeehauskultur.

Werbung

Glauben und Kultur verbinden Menschen aus Armenien

Heute leben rund 7.500 Armenier in Wien. Ihr Leben als Gemeinschaft konzentriert sich um die christlich-orthodoxe Armenisch-Apostolische Kirche, die kulturelles, geistiges und religiöses Zentrum ist. Der christliche Glaube ist es auch, der die Gemeinde verbindet. So wird Pater Andreas Isakhanyan in der Ausstellung zitiert: „Kirche ist eine Brücke (...) wo man seine Sprache, seine Kultur und Traditionen bewahrt.“ Das Christentum ist daher ein „stark identitätsstiftender Faktor“. Aber auch Sport, Bildung und das Gedenken werden in der Ausstellung thematisiert. Visualisiert werden die weltweit verstreuten Gemeinschaften, die durch die armenische Diaspora nach dem Völkermord der Jungtürken in den Jahren 1915–16 entstanden sind. Bis zu einer Million Menschen verloren beim sogenannten ersten Genozid des 20. Jahrhunderts ihr Leben.

Armenien in Wien sichtbar durch Kirchen und Denkmäler

Daneben sind auf einer Wien-Karte Standorte von Kirchen und Denkmälern eingezeichnet, die eine „armenische Spur“ in Österreichs Hauptstadt setzen. Darunter sind etwa die Armenisch-Apostolische Kirche oder das Franz-Werfel-Denkmal auf dem Schillerplatz, wo jedes Jahr der Opfer des Völkermords gedacht wird. Der Literaturnobelpreisträger machte mit seinem 1933 erschienenen Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ – erstmals international beachtet – auf die Verbrechen an den Armeniern aufmerksam. Besonders interessant und berührend sind außerdem die vielen Interviews mit den Armenierinnen und Armeniern, die über ihre Erfahrungen und ihr Leben in Wien berichten. Eine sehenswerte Ausstellung.

Schlagwörter
Autor:
  • Cornelia Grotte
Werbung

Neueste Beiträge

| Spiritualität
Glaubenszeugnis

Als junge Frau wollte Margit Jachimow in ferne Länder gehen, um dort den Menschen von Gott zu erzählen. Stattdessen klopft die 70-Jährige seit 42 Jahren für Legio Maria an Wohnungstüren in Döbling.

| Termine
Termintipp

Auf der Sportanlage in Röschitz kommt es am 31. Mai zu einem Fußball-Highlight. Die österreichische Priesternationalmannschaft trifft auf die heimische Winzer-Auswahl.

| Kunst und Kultur
120. Geburtstag

Ihr Roman „Der Fürst der Welt“ täuschte die NS-Zensur und beschreibt die Verführbarkeit des Menschen. Anlässlich Erika Mitterers 120. Geburtstags und eines Wiener Symposiums: Ein Blick auf eine österreichische Autorin, deren Werk vom Ringen mit dem Glauben geprägt ist.