Vater werden ist nicht schwer ...

Gedanken zum Vatertag
Ausgabe Nr. 24
  • Leben
Autor:
Was bedeutet es Vater zu sein?
Was bedeutet es Vater zu sein? ©istock
Aus dem Fotoalbum: Das Ehepaar Mitlöhner als junge Eltern mit ihren kleinen Kindern.
Aus dem Fotoalbum: Das Ehepaar Mitlöhner als junge Eltern mit ihren kleinen Kindern. ©privat

... Vater sein dagegen sehr. Der oft zitierte Wilhelm Busch (1832–1908) zeigte in seinem humoristischen Gedicht, dass es am Ende jener Mann am besten hat, der eines Morgens dasteht als ein „Vater und Papa“. Wie sieht das 2026 aus? Anmerkungen zum Vatertag am 14. Juni.

Im Unterschied zum Muttertag steht der Vatertag deutlich weniger unter Kommerz- und Kitschverdacht. Beide Tage zusammen aber gelten natürlich einer vom woken Zeitgeist durchdrungenen Gesellschaft als Symbole überkommener Rollenbilder und Geschlechterzuschreibungen.

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Vom Vatersein

So gesehen ist es schon fast ein Akt des Widerstands, an diesen Tagen festzuhalten und sie in der einen oder anderen Form zu begehen. Ein Widerstand gegen die mittlerweile mehr oder weniger als common sense geltende Ansicht, dass es – wie eine Frauenministerin vor etlichen Jahren einmal formuliert hat – völlig egal sei, ob ein Kind „Mama/Papa“ oder „Mama/Mama“ oder „Papa/Papa“ sagt. Nein, ist es nicht – wahr ist vielmehr, dass es eine Bipolarität der Geschlechter gibt, die konstitutiv für die menschliche Existenz ist. Und dass diese Tatsache nicht nur im biologischen Sinne fruchtbar werden kann für das Entstehen neuen menschlichen Lebens, sondern auch im sozialen Sinne den idealen Rahmen für das Aufziehen von Kindern bildet.

Ja, es gibt Kinder, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht mit Vater und Mutter aufwachsen – und sie und die für sie sorgenden Menschen verdienen jede Unterstützung und Anerkennung. Aber nein, dass es Abweichungen vom Idealbild gibt, ist auch hier – wie in allen anderen Bereichen – kein Argument gegen das Idealbild. Bisweilen hat man den Eindruck, die katholische Kirche sei die letzte Institution, welche an dem festhält, was seine Gegner verächtlich als „binäres Geschlechtersystem“ bezeichnen. Wobei es freilich auch nicht an innerkirchlichen Stimmen mangelt, die das mit allen Mitteln zu unterlaufen bestrebt sind.

Sehr wohl gibt es ein staatliches Interesse an der Förderung und Privilegierung von Familien als Schutzraum für das gedeihliche Aufwachsen von Kindern.

Vatertag und Gleichberechtigung

Vordergründig geht es um „Gleichberechtigung“. Kleiner Exkurs: Gegen das Argument, es möge doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden, lässt sich kaum ankommen. Und tatsächlich geht den liberalen Rechtsstaat nichts an, wie seine Bürgerinnen und Bürger es in Liebesdingen halten, solange hier nicht Gewalt oder Missbrauch im Spiel sind. Er muss allerdings auch keine Ehezeremonien veranstalten beziehungsweise definieren, was Ehe, eingetragene Partnerschaft und dergleichen mehr ist; er ist ja auch sonst nicht zuständig für die Spendung „säkularer Sakramente“ an Nichtgläubige. Sehr wohl aber gibt es ein staatliches Interesse an der Förderung und Privilegierung von Familien als Schutzraum für das gedeihliche Aufwachsen von Kindern. Alles andere ist Privatsache und/oder eine des Glaubens.

Gleichheit mit Gerechtigkeit verwechseln

Der tiefere Grund des Problems liegt darin, dass wir Gleichheit mit Gerechtigkeit verwechseln. Oder umgekehrt: dass wir Ungleichheit tendenziell als Diskriminierung begreifen, wohingegen „diskriminieren“ im ursprünglichen Wortsinn „unterscheiden“ bedeutet. Darauf aber, auf diese Gabe und Bereitschaft zur Unterscheidung, die eben keine Diskriminierung im heute gängigen Sinne bedeutet, käme es an. Nicht nur bei unserem Thema – aber hier jedenfalls in ganz besonderer Weise.

Gegen alle Anfechtungen und scheinbaren Plausibilitäten weiß indes die Kirche, dass es auch zwischen den Geschlechtern Unterschiede gibt, welche selbstverständlich keine „Diskriminierung“ bedeuten, keine Abstufung der Würde. Vielmehr gewinnen Frauen wie Männer ihre Würde auch und gerade daraus, dass sie ebendies sind: Frauen und Männer. Deswegen sind auch Väter und Mütter unterschiedliche Elternteile und nicht „Elter 1“ und „Elter 2“ (oder auch 3 ff.?). Und als Vater und Mutter nehmen sie ihre Aufgaben und ihre Verantwortung für ihre Kinder wahr – wobei Vater-Sohn-Beziehungen andere sind als Vater-Tochter-Beziehungen, und Analoges gilt natürlich auch für Mütter, Töchter und Söhne.
 

Keinesfalls eine „Festschreibung“ von Rollen

Das bedeutet keinesfalls eine „Festschreibung“ von Rollen, wie gerne unterstellt wird. Vielmehr haben sich mit der Gesellschaft auch Männer und Frauen, damit auch Väter und Mütter, und das Gefüge von Familien verändert. Und nein, es war nicht „früher alles besser“. Früher, als Kinder oft ihre Väter nur wenig sahen und kaum eine emotionale Beziehung zu ihnen aufbauen konnten, als Väter vor allem als Autoritätspersonen fungierten, während die Mütter für Liebe und Fürsorge zuständig waren (wobei auch dieses Bild der Vergangenheit gewiss zu holzschnittartig ist).

„Wo Kinder willkommen sind und Familien Rückhalt erfahren, wächst nicht nur Glück und Lebenssinn, sondern auch Hoffnung auf ein Leben im Miteinander und Füreinander.“

Österreichische Bischofskonferenz

Vatertag: Rolle des Vaters

Gerade die Rolle des Vaters hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte mehrfach gewandelt: zuerst bis fast zur Unkenntlichkeit weichgespült, bis man draufgekommen ist, dass womöglich – das Bild mag hier besonders passend oder unpassend erscheinen – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde und Frauen wie Kindern etwas fehlt. Dennoch gibt es heute (in funktionierenden Familien) wohl kaum Väter, denen nicht daran gelegen ist, das Aufwachsen ihrer Kinder zu begleiten und mitzugestalten – in Partnerschaft mit den Müttern.

Woran uns Mutter- und Vatertag erinnern

Es gibt indes noch einen weiteren Grund außer den schon genannten, an Vater- und Muttertag festzuhalten, sie in Erinnerung zu rufen: Das ist die demographische Krise samt ihren dramatischen Folgen, auf die etwa mehrfach Kardinal Christoph Schönborn aufmerksam gemacht hat. „Europa stirbt, weil es ‚Nein‘ zum Leben und zu seiner eigenen Zukunft sagt“, hat er es etwa 2018 formuliert.

Auch die Österreichische Bischofskonferenz hat sich im Frühjahr mit diesem Thema befasst und in ihrer Erklärung geschrieben: „Wo Kinder willkommen sind und Familien Rückhalt erfahren, wächst nicht nur persönliches Glück und Lebenssinn, sondern auch Hoffnung auf ein gesellschaftliches Leben im Miteinander und Füreinander.“ Es ist gut und wichtig, wenn Bischöfe und Priester auf den Wert von Ehe und Familie hinweisen, Mut zu Familie und Kindern machen. Vor allem aber ist es an den Männern und Frauen in der Kirche, sich auch als Väter und Mütter zu verstehen, diese Rollen mit Leben und Liebe zu erfüllen und somit „Ja zum Leben und zur Zukunft“ zu sagen. Wenn Mutter- und Vatertag uns daran erinnern, soll uns das bisschen Kitsch und Kommerz nicht weiter stören. 

©privat

Zur Person


Rudolf Mitlöhner geboren 1965, ist Journalist bei der Tageszeitung „Kurier“. Der ehemalige langjährige Chefredakteur der „Furche“ ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Autor:
  • Rudolf Mitlöhner
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