Vater werden ist nicht schwer ...
Gedanken zum VatertagIm Unterschied zum Muttertag steht der Vatertag deutlich weniger unter Kommerz- und Kitschverdacht. Beide Tage zusammen aber gelten natürlich einer vom woken Zeitgeist durchdrungenen Gesellschaft als Symbole überkommener Rollenbilder und Geschlechterzuschreibungen.
Vom Vatersein
So gesehen ist es schon fast ein Akt des Widerstands, an diesen Tagen festzuhalten und sie in der einen oder anderen Form zu begehen. Ein Widerstand gegen die mittlerweile mehr oder weniger als common sense geltende Ansicht, dass es – wie eine Frauenministerin vor etlichen Jahren einmal formuliert hat – völlig egal sei, ob ein Kind „Mama/Papa“ oder „Mama/Mama“ oder „Papa/Papa“ sagt. Nein, ist es nicht – wahr ist vielmehr, dass es eine Bipolarität der Geschlechter gibt, die konstitutiv für die menschliche Existenz ist. Und dass diese Tatsache nicht nur im biologischen Sinne fruchtbar werden kann für das Entstehen neuen menschlichen Lebens, sondern auch im sozialen Sinne den idealen Rahmen für das Aufziehen von Kindern bildet.
Ja, es gibt Kinder, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht mit Vater und Mutter aufwachsen – und sie und die für sie sorgenden Menschen verdienen jede Unterstützung und Anerkennung. Aber nein, dass es Abweichungen vom Idealbild gibt, ist auch hier – wie in allen anderen Bereichen – kein Argument gegen das Idealbild. Bisweilen hat man den Eindruck, die katholische Kirche sei die letzte Institution, welche an dem festhält, was seine Gegner verächtlich als „binäres Geschlechtersystem“ bezeichnen. Wobei es freilich auch nicht an innerkirchlichen Stimmen mangelt, die das mit allen Mitteln zu unterlaufen bestrebt sind.
Sehr wohl gibt es ein staatliches Interesse an der Förderung und Privilegierung von Familien als Schutzraum für das gedeihliche Aufwachsen von Kindern.
Vatertag und Gleichberechtigung
Vordergründig geht es um „Gleichberechtigung“. Kleiner Exkurs: Gegen das Argument, es möge doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden, lässt sich kaum ankommen. Und tatsächlich geht den liberalen Rechtsstaat nichts an, wie seine Bürgerinnen und Bürger es in Liebesdingen halten, solange hier nicht Gewalt oder Missbrauch im Spiel sind. Er muss allerdings auch keine Ehezeremonien veranstalten beziehungsweise definieren, was Ehe, eingetragene Partnerschaft und dergleichen mehr ist; er ist ja auch sonst nicht zuständig für die Spendung „säkularer Sakramente“ an Nichtgläubige. Sehr wohl aber gibt es ein staatliches Interesse an der Förderung und Privilegierung von Familien als Schutzraum für das gedeihliche Aufwachsen von Kindern. Alles andere ist Privatsache und/oder eine des Glaubens.
Gleichheit mit Gerechtigkeit verwechseln
Der tiefere Grund des Problems liegt darin, dass wir Gleichheit mit Gerechtigkeit verwechseln. Oder umgekehrt: dass wir Ungleichheit tendenziell als Diskriminierung begreifen, wohingegen „diskriminieren“ im ursprünglichen Wortsinn „unterscheiden“ bedeutet. Darauf aber, auf diese Gabe und Bereitschaft zur Unterscheidung, die eben keine Diskriminierung im heute gängigen Sinne bedeutet, käme es an. Nicht nur bei unserem Thema – aber hier jedenfalls in ganz besonderer Weise.
Gegen alle Anfechtungen und scheinbaren Plausibilitäten weiß indes die Kirche, dass es auch zwischen den Geschlechtern Unterschiede gibt, welche selbstverständlich keine „Diskriminierung“ bedeuten, keine Abstufung der Würde. Vielmehr gewinnen Frauen wie Männer ihre Würde auch und gerade daraus, dass sie ebendies sind: Frauen und Männer. Deswegen sind auch Väter und Mütter unterschiedliche Elternteile und nicht „Elter 1“ und „Elter 2“ (oder auch 3 ff.?). Und als Vater und Mutter nehmen sie ihre Aufgaben und ihre Verantwortung für ihre Kinder wahr – wobei Vater-Sohn-Beziehungen andere sind als Vater-Tochter-Beziehungen, und Analoges gilt natürlich auch für Mütter, Töchter und Söhne.
Keinesfalls eine „Festschreibung“ von Rollen
Das bedeutet keinesfalls eine „Festschreibung“ von Rollen, wie gerne unterstellt wird. Vielmehr haben sich mit der Gesellschaft auch Männer und Frauen, damit auch Väter und Mütter, und das Gefüge von Familien verändert. Und nein, es war nicht „früher alles besser“. Früher, als Kinder oft ihre Väter nur wenig sahen und kaum eine emotionale Beziehung zu ihnen aufbauen konnten, als Väter vor allem als Autoritätspersonen fungierten, während die Mütter für Liebe und Fürsorge zuständig waren (wobei auch dieses Bild der Vergangenheit gewiss zu holzschnittartig ist).
„Wo Kinder willkommen sind und Familien Rückhalt erfahren, wächst nicht nur Glück und Lebenssinn, sondern auch Hoffnung auf ein Leben im Miteinander und Füreinander.“
Österreichische Bischofskonferenz
Vatertag: Rolle des Vaters
Gerade die Rolle des Vaters hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte mehrfach gewandelt: zuerst bis fast zur Unkenntlichkeit weichgespült, bis man draufgekommen ist, dass womöglich – das Bild mag hier besonders passend oder unpassend erscheinen – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde und Frauen wie Kindern etwas fehlt. Dennoch gibt es heute (in funktionierenden Familien) wohl kaum Väter, denen nicht daran gelegen ist, das Aufwachsen ihrer Kinder zu begleiten und mitzugestalten – in Partnerschaft mit den Müttern.
Woran uns Mutter- und Vatertag erinnern
Es gibt indes noch einen weiteren Grund außer den schon genannten, an Vater- und Muttertag festzuhalten, sie in Erinnerung zu rufen: Das ist die demographische Krise samt ihren dramatischen Folgen, auf die etwa mehrfach Kardinal Christoph Schönborn aufmerksam gemacht hat. „Europa stirbt, weil es ‚Nein‘ zum Leben und zu seiner eigenen Zukunft sagt“, hat er es etwa 2018 formuliert.
Auch die Österreichische Bischofskonferenz hat sich im Frühjahr mit diesem Thema befasst und in ihrer Erklärung geschrieben: „Wo Kinder willkommen sind und Familien Rückhalt erfahren, wächst nicht nur persönliches Glück und Lebenssinn, sondern auch Hoffnung auf ein gesellschaftliches Leben im Miteinander und Füreinander.“ Es ist gut und wichtig, wenn Bischöfe und Priester auf den Wert von Ehe und Familie hinweisen, Mut zu Familie und Kindern machen. Vor allem aber ist es an den Männern und Frauen in der Kirche, sich auch als Väter und Mütter zu verstehen, diese Rollen mit Leben und Liebe zu erfüllen und somit „Ja zum Leben und zur Zukunft“ zu sagen. Wenn Mutter- und Vatertag uns daran erinnern, soll uns das bisschen Kitsch und Kommerz nicht weiter stören.
Eine Zeichnung zum Vatertag
Als Festtag existiert der Vatertag in Österreich seit 1955. Er wird immer am zweiten Sonntag im Juni gefeiert wird – ähnlich dem Muttertag im Mai. Angeregt durch die Einführung des Muttertages rief Sonora Smart Dodd 1910 in den USA eine Bewegung zur Ehrung der Väter ins Leben.
Der Wiener Helmut Herz gilt als Begründer des Vatertags in Österreich. Der Vatertag sollte in der Sommerzeit den Konsum fördern. Bei der Planung der Werbekampagne für das folgende Jahr kam ihm der Gedanke, den Vatertag als Familienfest nach Österreich zu bringen. Dazu wurde nicht nur ein Vatertagskomitee eingerichtet, sondern auch im Radio über die Aktion berichtet. Dabei wurde der Vatertag jedoch nicht als neues Fest vermarktet, sondern als Familientag, der wieder stärker gefeiert werden sollte. Herz wurde von seinem Sohn 1956 mit einer Zeichnung beschenkt. Daraus entwickelte er die Idee, einen großen Malwettbewerb auszurufen.
Die Kinder sollten den Beruf ihres Vaters zeichnen. Knapp 80.000 Zeichnungen wurden eingereicht. Sein Ziel war erreicht: Väter und ihre Kinder zusammenzubringen. Als alleinerziehender Vater lag ihm die aktive Beteiligung der Väter in der Familie besonders am Herzen. Der Vatertag, der heute in Österreich als Familientag gefeiert wird, war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Ähnlich wie der Muttertag wird auch der Vatertag mit kleinen Geschenken begangen. In anderen Ländern (zum Beispiel in Deutschland) wird der Vatertag als Männertag gefeiert.
Als „Plädoyer für eine aktive Vaterschaft“ hat die aktion Leben die Broschüre „Kinder brauchen Väter“ herausgegeben mit Fachbeiträge von der Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert, dem Männer- und Geschlechterforscher Erich Lehner und der psychologischen Beraterin Petra Preiss Bestellung: ▶ aktionleben.at
Zur Person
Rudolf Mitlöhner geboren 1965, ist Journalist bei der Tageszeitung „Kurier“. Der ehemalige langjährige Chefredakteur der „Furche“ ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.
Gebet zum Vatertag
GEBET EINES VATERS FÜR DIE HERANWACHSENDEN KINDER
Gott, himmlischer Vater.
Jesus hat dir vertraut und du hast ihn nicht im Stich gelassen.
Ihm will ich es gleichtun:
Ich vertraue dir mit meinem Vaterherzen
voll Freude und Dank für das Leben meines Kindes (meiner Kinder).
Ich staune über die Begabungen,
über die Talente, die aufblühen,
über das Lächeln, das in mir hoffnungsvolle Freude weckt.
Ich trage auch Sorgen in mir, die ich in Wünschen für
mein Kind (meine Kinder) N. (und N.) ausdrücken möchte:
Ich wünsche ihm (ihnen) offene Augen für das Gute,
Weisheit, um zu unterscheiden, was richtig oder falsch ist,
und Mut, um sich selbst treu zu bleiben.
Ich wünsche mir, dass mein Kind geschützt ist (dass meine Kinder geschützt
sind) vor Menschen, die Unheil wollen,
und Menschen begegnet (begegnen), die ehrlich sind,
denen die Achtsamkeit gegenüber allen Menschen und
der Schöpfung wichtig ist.
Ich wünsche N. (und N.) ein starkes Selbstwertgefühl,
das eine Kraftquelle ist in Situationen des Scheiterns, des Zweifels, des Irrtums
und ein Schutz im Umgang mit Drogen, Drohungen und der digitalen Welt.
Vater im Himmel, auf deinen Segen für N. (und N.) vertraue ich.
Als Vater will ich für mein Kind (meine Kinder) ein verlässlicher Begleiter sein,
indem ich in Liebe, mit Zutrauen und Geduld auf ihn (sie) schaue.
Gott, sei mir dabei an meiner Seite.
Amen.
Die Gebete für Väter sind eine Aktion der Katholischen Männerbewegung. Mehr Gebete zum Vatertag gibt es hier.