Unterscheidung der Geister

Bausteine für eine alltagstaugliche Spiritualität
Ausgabe Nr. 39
  • Spiritualität
Autor:
Christliche Spiritualität: die Unterscheidung der Geister.
Literatur mit den „Jahresregenten“ Franz und Klara von Assisi. ©Stefan Kronthaler

Die christliche Spiritualitätsgeschichte kennt viele Kriterien, um einen Geist oder Ungeist zu erkennen. Gerade weil – biblisch gesagt – der Geist weht, wo er will. Eine Hinführung zur Unterscheidung der Geister.

 

Christliche Spiritualität als Grundorientierung des Lebens kennt verschiedene Kriterien der Echtheit. Der langjährige Wiener Universitätsprofessor für Dogmatische und Spirituelle Theologie Josef Weismayer nennt einige solcher Kriterien in seinem Buch „Leben aus dem Geist Jesu. Grundzüge christlicher Spiritualität“. Da ist zunächst das „Kriterium der Freiheit und Individualität“. Dies gilt für praktisch jegliches spirituelle Angebot, aber auch für geistliche Gemeinschaften und Bewegungen – bis heute. Denn es macht mehr als stutzig, wenn der Einzelne oder die Einzelne in ein vorgefasstes Schema gepresst wird und die Freiheit nicht wertgeschätzt wird. Jeder Mensch ist einzigartig, auch in seiner geistlichen Orientierung. Weismayer nennt auch das „Kriterium der persönlichen Erfüllung“. Es geht hierbei um das Finden einer gesunden Mitte, die das „Leben in Fülle“ anstrebt. „Eine Spiritualität, die im Tiefsten unglücklich macht, die nur leiden macht, ist bedenklich“, weiß Weismayer.

Entscheidungen brauchen Zeit

Ganz wichtig ist das „Kriterium der Rationalität“. Es mag zwar sogenannte „Blitzentscheidungen“ in der Geschichte der christlichen Spiritualität gegeben haben, wo einer oder eine auf Anhieb sofort wusste, wohin der Weg führte, aber in der Regel braucht der Prozess der Entscheidungsfindung seine Zeit. Daher sind kritisches Hinterfragen und auch Abwägen kein Zeichen von Unglauben oder Zweifel. Es gibt eben die Möglichkeit der Selbsttäuschung, wenn die eigenen Wünsche und Vorstellungen beispielsweise vorschnell mit der Stimme Gottes identifiziert werden.

Geister der positiven Früchte

Ganz eindeutig und klar ist auch das „Kriterium der positiven Früchte“. Entscheidend ist für spirituelle Angebote die Überlegung, welche Früchte sie für ein ausgesprochen gutes Leben bringen, auch im Hinblick auf ein Leben nach dem Evangelium. Im Neuen Testament nennen Paulus und Johannes weiters das „rechte Christusbekenntnis“ als Kriterium. Führt das spirituelle Angebot in die Mitte des Christseins, zu Jesus Christus, oder verstellt Zweit- oder gar Drittrangiges diesen Blick auf Jesus Christus? Ein Kriterium ist auch der sogenannte „Aufbau der Gemeinde“, also das Fördern der Gemeinschaft und der Einheit. Bedenklich ist eine Spiritualität, die wie ein Spaltpilz agiert. Sie kann schwerlich als vom Geist Gottes inspiriert angesehen werden.

Geist oder Ungeist

Und es gibt schließlich das Kriterium der „rechten Begleitung“. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Heiligen Geist mit dem eigenen Vogel verwechseln“: Diese zugegeben etwas pointierte Formulierung eines Theologieprofessors bringt messerscharf auf den Punkt, was die katholische Tradition mit der sogenannten „Unterscheidung der Geister“ umschreibt. Diese ist notwendig, damit der Einzelne, geistliche Gemeinschaften und überhaupt die Kirche einen Geist oder Ungeist erkennen, um auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Unterscheidung der Geister

Es war der heilige Ignatius von Loyola, einer der Mitbegründer des Jesuitenordens, der die „Unterscheidung der Geister“ zu einem der Maßstäbe des geistlichen Lebens gemacht hat. Empfindet ein Mensch bei einem Punkt der Lebensorientierung oder bei einer angestrebten Entscheidung „Trost“, dann ist es gut. Das Gegenteil wäre die „Trostlosigkeit“. Um diesen Willen Gottes erkennen zu können, verweist Ignatius auf das wichtige Gespräch und den Austausch mit einem geistlichen Begleiter – heute oft auch mit einer Begleiterin. Der Glaube kommt biblisch betrachtet vom Hören und das gilt auch für das Erkennen des göttlichen Willens. 

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Autor:
  • Stefan Kronthaler
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