Schönborn for Prösident
Hirtenhund
Ein Papst wird gewählt – nein, erwählt. Vom Heiligen Geist, der sich seiner kardinälischen Werkzeuge bemächtigt und ihnen im Konklave die fromme Füllfeder führt. Ein Papst hat also keine Wahl, weil er vom Höchsten höchstselbst erwählt wird. So lautet ein gängiges Narrativ mit einem ordentlichen Schuss verklärender Frömmigkeitslyrik. Um so überraschter war ich, als ich las, dass der Papst sehr wohl eine Wahl hat – konkret Leo, der als US-Bürger von seinem Wahlrecht bei den dieswöchigen „Midterms“ Gebrauch gemacht hat. Er habe „seinen Wahlschein per Post nach Chicago geschickt“, bestätigte das vatikanische Presseamt, weil Leo davon überzeugt sei, dass Bürger „das Recht und die Pflicht“ hätten, „an demokratischen Prozessen teilzunehmen“. Nicht übermittelt wurde – natürlich –, wem Robert Francis Prevost seine Stimme gegeben hat.
USA: Wahlen und Katholiken
US-Präsident Donald Trump dürfte jedoch genau dies brennend interessieren – schließlich könnten die Katholikinnen und Katholiken das Zünglein an der Waage bei den Wahlen sein. Laut Umfragen ist die Unterstützung für die Republikaner im katholischen Lager deutlich gesunken. Und das, obwohl Trump sich zuletzt sogar in einer reichlich dick aufgetragenen Aktion von einigen US-Bischöfen im Weißen Haus hofieren und gar die Hand als Segnungsgeste auflegen ließ – inklusive Dank „für das Geschenk dieses Amtes und dieser Präsidentschaft“. Dabei ist die offizielle Linie der US-Bischöfe deutlich zurückhaltender: zwar veröffentlichen sie vor jeder großen Wahl ein Dokument namens „Forming Consciences for Faithful Citizenship“ – eine Art politischer Gewissensspiegel fürs gläubige Wahlvolk –, doch darin wird keine klare Wahlempfehlung gegeben, sondern zur Besinnung entlang der Kriterien der Katholischen Soziallehre aufgerufen. Im Fokus dabei zumeist jene Themen, die in den großen Kulturkampf-Arenen der USA verhandelt und verhackstückt werden: Abtreibung, Migration und soziale Not. Allesamt Themen, bei denen die Trump-Partei zuletzt keinen Blumentopf gewinnen konnte.
Republikaner oder Demokraten?
Was beziehungsweise wen hat also der arme Robert aus Chicago/Illinois gewählt? Republikaner oder Demokraten? Wenn ich tippen sollte, würde ich sagen: Keine der beiden Parteien, sondern die ACP – die „American Center Party“. Sie steht als einzige Alternative auf den Wahlzetteln in Illinois. Und ihr Spitzenkandidat und Gründer, Whitfield Harrington Jr., ist – nun ja – Pastor. Noch Fragen?
Schönborn for Präsident
Apropos Wahlen: Da wurde zuletzt in einem Interview mit Doris Bures im „profil“ eine interessante Überlegung im Blick auf einen künftigen österreichischen Bundespräsidenten ventiliert. Bures formulierte da als Kriterien, dass ein Präsident ein Brückenbauer sein müsse, jemand mit hoher Akzeptanz in Bevölkerung und Politik. Amüsierter Einwurf des „profil“-Redakteurs: „Da fällt einem ad hoc nur Kardinal Schönborn ein, oder?“